Erfolgreiches Vater-Tochter-Gespann: Detlev und Simone Thedens, Geschäftsführung Thedens GmbH
Fotos: Klaus Richter
Warum bei Thedens der Motor Familie heißt
Für Detlev Thedens war früh klar, dass sein Herz für Unfallautos schlägt. Mit 22 Jahren machte er sich 1977 in Mettmann selbstständig. Als der Standort zu klein wurde, kaufte er zusammen mit seinem Vater das Grundstück auf der Pinienstraße in Düsseldorf-Lierenfeld, sein Bruder kam auch dazu. Thedens spezialisierte sich auf Lackierung, Karosseriebau und Unfallinstandsetzung von PKW und LKW und kümmerte sich um große Fuhrparkflotten und Schwerfahrzeuge.
Heute beschäftigt die Thedens Gruppe insgesamt 62 Mitarbeiter an drei Standorten. Vor über 20 Jahren kamen noch die Lackierarbeiten an Schienen- und Sonderfahrzeugen hinzu, für die Mitarbeiter deutschland- und europaweit in den Depots der Schienenfahrzeughersteller mit mobilen Teams vor Ort eingesetzt werden. 2012 ging es für einen Reparaturauftrag mit zwei verunfallten Zügen für anderthalb Jahre nach Bangkok.
Arbeiten eng zusammen: Simone Thedens und ihr Mann Andrea Del Polito.
2002 stieg Tochter Simone mit ein, seit 2013 ist sie als Geschäftsführerin Teil der Doppelspitze. Ihr Mann Andrea Del Polito ist seit 18 Jahren technischer Betriebsleiter. Ihr Sohn Kimi Leon (20) steckt gerade im zweiten Jahr seiner kaufmännischen Ausbildung. Ausgebildet wird bei Thedens außerdem zum Karosseriebaumechaniker/in, Fahrzeuglackierer/in und zum Mechatroniker/in. 2016 wurden alle Lackieranlagen auf den neuesten Stand der Technik gebracht.
Kimi Leon, die vierte Generation im Familienbetrieb
Was hat das Unternehmen fast durch ein halbes Jahrhundert getragen? „Mein Vater sagt immer, er ist die Generation Hosenträger und Gürtel“, lacht Simone Thedens. Also lieber auf Nummer sicher gehen. Ein weiteres Motto heißt „Geht nicht – gibt’s nicht!“ – wie bei den vier über drei Meter großen Ottifanten aus Styropor zu Otto Waalkes 75. Geburtstag, die für ein Kunstwerk in Hamburg lackiert wurden.
Detlev, Kimi Leon und Simone Thedens und Andrea Del Polito
Teurer wird vor allem das Drumherum
Wie stark sich das Geschäft auf vier Rädern verändert hat, zeigt der Anstieg bei den Reparaturkosten. Bei einem Schaden von 10.000 Euro entfallen heute 7.000 bis 7.500 Euro allein auf die Ersatzteile. Viele Komponenten sind designgeschützt und ausschließlich über die Hersteller erhältlich. Die Branche kämpft mit steigenden Materialkosten und sinkenden Margen. Hinzu kommt die neue Technik. Hochvoltsysteme in Elektroautos verlangen spezielle Schulungen und Sicherheitsstandards. Parallel wächst der bürokratische Aufwand, für nahezu jede Tätigkeit sind Gefährdungsbeurteilungen vorgeschrieben. Dabei war Thedens schon grün, als das noch gar nicht so populär war. Das Unternehmen war eines der ersten, das 1993 mit wasserverdünnbaren Lacken arbeitete. Seit Anfang 2000 wird mit Wärmerückgewinnung in den Werkstatthallen gearbeitet und werden mobile Absauganlagen mit Kohleaktivfilter eingesetzt.
„Die anderen Länder holen auf in der Ausbildung.“
Detlev Thedens, Geschäftsführer Thedens Gruppe
Mädchen ins Handwerk
Seit 15 Jahren engagiert sich Simone Thedens für Mädchen und junge Frauen im Handwerk.
Durch ihre Initiative wurden Praktikums- und Ausbildungsangebote fester Teil der Unternehmenskultur. Für Thedens ist die Förderung weiblicher Talente eine Investition in die Zukunft des Handwerks. „Jede junge Frau sollte die Freiheit haben, ihren Berufsweg unabhängig von Rollenbildern zu wählen. Wir müssen aufhören, in rosa und blau zu denken. Talente, Interessen und Fähigkeiten kennen kein Geschlecht – das gilt auch für die Berufswahl,“ sagt Simone Thedens.
„Jede junge Frau sollte die Freiheit haben, ihren Berufsweg unabhängig von Rollenbildern zu wählen.“
Simone Thedens, Geschäftsführerin Thedens Gruppe
Bei Thedens laufen nicht nur die Räder rund
Simone Thedens ist eine Vollblut-Düsseldorferin. Dass es seit 2016 den Sponsorenstammtisch F95 gibt, hat der Verein ihr zu verdanken. Außerdem ist sie Vorstandsvorsitzende von „Unternehmer*innen mit Herz e.V.“, ehrenamtliche Handelsrichterin beim Landgericht und engagiert sich im Mittelstandsbeirat der IHK Düsseldorf. Detlev Thedens steht im sechsten Jahr an der Spitze des Karosseriebauer-Weltverbands AIRC und ist als Präsident viel herumgekommen. Mit Sorge beobachtet er die Entwicklung des Standorts Deutschland. Zwar gelte das duale Ausbildungssystem mit Betrieb, Berufsschule und überbetrieblicher Ausbildung international noch immer als Vorbild. Doch andere Länder holen auf. In den Niederlanden habe er von Unternehmen finanzierte Ausbildungszentren gesehen, „vor denen man wirklich den Hut ziehen muss“.
Familiär statt Fachkräftemangel
Bundesweit fehlen dem Kfz-Handwerk rund 10.000 Fachkräfte. Bei Thedens spürt man davon noch vergleichsweise wenig. „Wir haben hier ein sehr familiäres Verhältnis“, sagt Simone Thedens. Initiativbewerbungen kämen regelmäßig, oft ganz ohne Werbung. Viele Mitarbeiter blieben über Jahrzehnte, manche kämen auch wieder zurück. Die Familie engagiert sich bei Ausbildungsmessen, in Kammern und Verbänden. Dort gehe es vor allem darum, jungen Menschen die Möglichkeiten und Vorteile im Handwerk nahe zu bringen.
