Fotos: Klaus Richter
Sven Demandt über seinen ungewöhnlichen Weg von Köln zur Fortuna, 35 Tore in einer Saison – und die Fehler, die Düsseldorf in die 3. Liga führten.
Der Zufall fährt manchmal im Auto eines Bundesligatrainers vor. Sven Demandt ist 18 Jahre alt, spielt beim Kölner Stadtteilverein TuS Höhenhaus und denkt nicht im Traum an eine Karriere als Fußballprofi, als Fortuna-Trainer Willibert Kremer ihn bei einem A-Jugendspiel entdeckt. Kremer nimmt den jungen Stürmer mit zum Probetraining nach Düsseldorf.
Bei Fortuna wird aus dem Kölner ein Düsseldorfer Aufstiegsheld. In der Saison 1988/89 erzielt Demandt 35 Tore, wird Torschützenkönig der 2. Bundesliga und hat entscheidenden Anteil an der Rückkehr ins Oberhaus. Insgesamt acht Jahre spielt er bei den Fortunen, die ihn und den Verein prägen – so sehr, dass er heute sagt: „Bei Fortuna bin ich groß geworden.“
Heute lebt Demandt mit seiner Frau in Köln und arbeitet bei Borussia Mönchengladbach als Kaderplaner der U23. Er kennt den Fußball als Spieler, Trainer und Scout. Im Gespräch blickt der 61-Jährige auf seine Karriere, die augenzwinkernde Rivalität zwischen Köln und Düsseldorf und Fortunas Absturz in die 3. Liga.
Herr Demandt, Sie kamen 1983 als 18-Jähriger vom TuS Höhenhaus. Wie wurde Fortuna auf Sie aufmerksam?
Das war damals noch ganz anders als heute. Heute wird überall gescoutet, Zufälle gibt es kaum noch. Ich hatte das Glück, dass Willibert Kremer Trainer der Fortuna war und in Köln wohnte. Ein Freund von ihm trainierte Viktoria Köln. Kremer sah sich ein A-Jugendspiel zwischen Viktoria und TuS Höhenhaus an – und fand mich offenbar ganz gut. So kam das Ganze ins Rollen.
Wie ging es nach Ihrer Entdeckung weiter?
Willibert Kremer lud mich zunächst zu einem Probetraining ein und nahm mich dafür sogar persönlich im Auto aus Köln mit nach Düsseldorf. Das kann man sich heute kaum noch vorstellen: Der Cheftrainer holt einen 18-jährigen Spieler ab und fährt mit ihm zum Probetraining. Kurz darauf durfte ich bereits mit den Profis ins Trainingslager. Als junger Spieler, der von der Welt des Profifußballs noch keine Ahnung hatte, war das natürlich sehr aufregend. Mein ersterZimmergenosse war Wolfgang „Otto“ Kleff (Nationaltorwart und Weltmeister von 1974, die Red.).
Wann haben Sie gemerkt: Ich kann mich im Profifußball wirklich durchsetzen?
Das hat etwas gedauert. Im ersten Jahr spielte ich bei den Amateuren und traf dort schon häufig. Da habe ich gemerkt: Du kannst zumindest mithalten. Vorher hatte ich nie ernsthaft daran gedacht, einmal in der Bundesliga zu spielen – das erschien mir ganz weit weg. Im zweiten Jahr trainierte ich bei den Profis und kam schließlich in der Bundesliga zum Einsatz. Dann wollte ich natürlich dabeibleiben. Ich unterschrieb einen Vertrag und dachte: Ich probiere das jetzt zwei Jahre. Mal sehen, ob es funktioniert. Und es hat funktioniert.
1988/89 erzielten Sie 35 Tore und schossen Fortuna maßgeblich zum Aufstieg. Gab es ein Geheimrezept?
Nein. Aber Selbstvertrauen ist für einen Stürmer enorm wichtig. In dieser Phase hatte ich sehr viel davon. Manchmal machst du irgendetwas, der Ball fällt dir plötzlich vor die Füße und du schießt ihn rein. Dazu funktionierte die gesamte Mannschaft sehr gut – dann ist es für einen Stürmer natürlich leichter. Ungefähr zehn Treffer waren Elfmeter, und in den letzten drei Spielen habe ich, glaube ich, noch sieben Tore erzielt. Manchmal läuft es einfach. So war es in dieser Saison.
Welcher dieser Treffer ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?
Das Tor zum 3:1 in Freiburg, einige Spieltage vor Schluss. Wir haben die Partie gewonnen, und danach war für uns als Mannschaft eigentlich klar: Wir werden aufsteigen. Den Aufstieg machten wir später zu Hause gegen Meppen endgültig perfekt. Aber dieses Tor in Freiburg war der befreiende Moment.
Warum verließen Sie Fortuna unmittelbar nach dieser erfolgreichen Saison Richtung Leverkusen?
Es gab plötzlich viele Interessenten. Zu dem Zeitpunkt war noch nicht sicher, ob wir mit Fortuna aufsteigen würden, und irgendwann musste ich eine Entscheidung treffen. Bayer Leverkusen war eine sehr interessante Option. In meinem ersten halben Jahr spielte ich dort auch regelmäßig. Dann kam Andreas Thom, der eine oder zwei Klassen besser war als ich. Zur neuen Saison verpflichtete Bayer außerdem Ulf Kirsten. Da war klar, dass ich nur noch wenig spielen würde. Ich wollte aber spielen – deshalb kehrte ich zur Fortuna zurück.
Heute sind Sie Kaderplaner der U23 von Borussia Mönchengladbach. Was sehen Sie als Erstes, wenn Sie einen jungen Spieler beobachten?
Ganz einfach: ob er kicken kann oder nicht. Ich habe den Fußball aus vielen Perspektiven erlebt – als Spieler, Trainer und Scout. Dadurch kann ich Spieler, glaube ich, ganz gut einschätzen. Das heißt nicht, dass man immer richtig liegt. Im Fußball geht es zwangsläufig um Wahrscheinlichkeiten. Entscheidend ist, Fantasie zu entwickeln: Wohin könnte der Weg dieses Spielers führen? Kann er vielleicht einmal Bundesliga spielen? Garantien gibt es nicht.
Vor zwei Jahren stand Fortuna nach dem 3:0 im Relegationshinspiel gegen Bochum fast mit einem Bein in der Bundesliga. Nun spielt der Verein in der 3. Liga. Wie kann ein Klub so schnell abstürzen?
Dafür gibt es im Fußball genügend Beispiele – und Fortuna ist das früher schon passiert. Bei meinem ersten Abschied stiegen wir in die 2. Liga ab. Der Präsident sagte damals, wir würden sofort wieder aufsteigen. Im nächsten Jahr ging es noch eine Liga tiefer, später sogar in die Oberliga. Fußball hat sehr viel mit Selbstvertrauen und Momentum zu tun. Wenn das kippt, ist es manchmal schwer, die Entwicklung wieder zu drehen.
War die verspielte Relegation gegen Bochum eine Zäsur, die der Verein nie richtig verarbeitet hat?
Das glaube ich nicht. Fortuna startete anschließend sehr gut in die neue Zweitligasaison, obwohl viele erwartet hatten, dass die Relegation schwer zu verarbeiten sein würde. Ein Jahr später kann man den Abstieg nicht mehr damit erklären.
Wo lagen aus Ihrer Sicht die entscheidenden Fehler?
Es wurden viele Spieler geholt, die zuvor längere Zeit verletzt gewesen waren und dann erneut ausfielen. Das waren sicherlich gute Fußballer. Aber wenn man zu viele angeschlagene Spieler verpflichtet, wird es schwierig. Die gesamte Mischung hat nicht gepasst. Und ich glaube, dass man die Gefahr bis zum Schluss unterschätzt und gedacht hat: Absteigen können wir sowieso nicht.
Am letzten Spieltag hätte sogar eine 0:2-Niederlage in Fürth gereicht – Fortuna verlor 0:3 und stieg direkt ab. Was sagt das aus?
Wenn du weißt, dass du mit einem 0:2 noch gerettet bist, und es trotzdem nicht schaffst, dann ist das für mich vor allem ein Problem im Kopf. Das hat weniger mit den Beinen zu tun.
Mit Daniel Thioune, Markus Anfang und Alexander Ende standen drei Trainer an der Seitenlinie. Was bewirkt eine solche Unruhe?
Trainerentlassungen sind zunächst einmal kein gutes Zeichen. Aber der Trainer ist nicht immer schuld – auch wenn er derjenige ist, der vorne steht. Man kann sicherlich sagen, dass Fortuna bei der einen oder anderen Entscheidung kein gutes Händchen hatte. Über Daniel Thioune wurde viel gemeckert. Aber unter ihm hatte Fortuna keine Probleme, die Klasse zu halten. Im Gegenteil: Die Mannschaft spielte meist oben mit.
Warum greifen Vereine trotzdem so schnell zum Trainerwechsel?
Für Verantwortliche ist das oft die einfachste Maßnahme. Danach können sie sagen. Wir haben alles versucht. Das ist aber nicht immer die Lösung – manchmal ist es auch eine Form des Reinwaschens. Jeder Verein spricht von Kontinuität, doch die wenigsten leben sie. Dabei ist Kontinuität im Fußball nach wie vor ein hohes Gut, wenn man erfolgreich sein will.
Ist der direkte Wiederaufstieg ein realistisches Ziel?
Wenn ich mir die Mannschaft anschaue, finde ich den Kader für Drittligaverhältnisse gut zusammengestellt – mit einigen älteren, erfahrenen und einigen jungen Spielern. Von der Besetzung her kann Fortuna ganz oben mitspielen und sicherlich auch aufsteigen. Gleichzeitig ist der Druck groß. Für viele Drittligisten ist das Spiel gegen Fortuna das Spiel des Jahres, gerade bei den vielen Vereinen und Derbys im Westen.
Der Verein und die Mannschaft werden derzeit von vielen Seiten heftig kritisiert. Wie geht ein Spieler mit diesem Druck um?
Ich bin mit Fortuna selbst zweimal abgestiegen und kenne solche Situationen. Es ist nicht klug, alles zu lesen. Heute ist es durch die sozialen Medien noch brutaler, weil sich jeder anonym äußern kann. Man weiß oft gar nicht, wer da etwas schreibt. Spieler sollten versuchen, sich davon freizumachen. Das ist gerade für junge Menschen nicht einfach, denn natürlich macht solche Kritik etwas mit dir. Trotzdem gehört der Umgang damit zum Beruf.
Sie sind gebürtiger Kölner und wurden ausgerechnet in Düsseldorf zum Publikumsliebling. Waren Sie als Kind Fan des 1. FC Köln?
Komischerweise war ich nie Fan eines bestimmten Vereins – auch nicht vom FC. Mit TuS Höhenhaus spielten wir in der Jugend häufig gegen Köln. Wenn wir dorthin kamen, wirkten die auf uns manchmal arrogant. Mit meinem Vater war ich eher bei Fortuna Köln oder Viktoria Köln, weil ich auf der rechten Rheinseite aufgewachsen bin und diese Vereine näher lagen.
War Ihre Kölner Herkunft in Düsseldorf ein Thema?
Zunächst kam ich aus Fortunas zweiter Mannschaft hoch – da wusste kaum jemand, dass ich Kölner bin. Später hieß es schon einmal: Da kommt der Kölner. Aber sobald du Tore schießt, ist das sowieso vergessen. Die Rivalität zwischen Köln und Düsseldorf kann ich nicht wirklich ernst nehmen.
Welche Vereine sind Ihnen heute besonders nah?
Fortuna und Mainz 05, weil ich für beide fast acht Jahre gespielt habe – und natürlich Borussia Mönchengladbach, wo ich heute arbeite. Und natürlich drücke ich Fortuna weiterhin die Daumen.
Und wie hält sich der frühere Torjäger heute fit?
Laufen und Fußballspielen funktionieren leider nicht mehr. Ab und zu spiele ich Golf, das geht einigermaßen. Momentan habe ich außerdem fast mein Tiefstgewicht – insofern ist alles gut.
EIN TRIKOT. EINE LEGENDE. EIN GUTER ZWECK.
Fortuna-Fans aufgepasst: Hier kommt ein echtes Sammlerstück unter den Hammer!
Wir versteigern ein Fortuna-Düsseldorf-Trikot, handsigniert von Fortuna-Torschützenlegende Sven Demandt – und das Beste daran: Der Erlös kommt einem großartigen Düsseldorfer Projekt zugute.
Mit der Auktion unterstützen wir das Team Bananenflanke Düsseldorf e.V. Der Verein ermöglicht Kindern und Jugendlichen mit geistiger Beeinträchtigung, gemeinsam Fußball zu spielen, Teil einer Mannschaft zu sein und auf dem Platz zu zeigen, was in ihnen steckt.
Jetzt mitbieten und das Sammlerstück ersteigern. Die Auktion läuft noch bis zum 10. Oktober 2026.
