v.l. Stefan G. Drzisga, ehemaliger Leiter der Kunst- und Kulturstiftung, Katharina Wettwer Kunst- und Kultur-Stiftungsleiterin, Esther Breinig, Kuratorin der Kunst- und Kulturstiftung, Stefanie Schulz-Klingauf, Sammlungs- und Ausstellungsmanagement, Projektmanagerin Ausstellungen im Kunstpalast // Fotos: Sparkasse Düsseldorf/ Heike Katthagen
Was bringt eine Kunstsammlung, wenn sie niemand sieht? Und was wird aus einer guten Idee, wenn das Geld für ihre Umsetzung fehlt? Die Kunst- und Kulturstiftung der Stadtsparkasse Düsseldorf setzt an beiden Punkten an. Katharina Wettwer und Esther Breinig fördern die freie Kulturszene, unterstützen den Nachwuchs und holen Kunst ins öffentliche Leben.
In Düsseldorf mangelt es nicht an kreativen Ideen. Schwieriger wird es mitunter, wenn daraus ein Konzert, eine Ausstellung, eine Inszenierung oder ein Film werden soll. Die Kunst- und Kulturstiftung der Stadtsparkasse Düsseldorf hilft dabei und unterstützt rund 70 Vorhaben sie jährlich, quer durch nahezu alle Sparten der Kultur.
Seit Mai leitet Katharina Wettwer die Stiftung und verantwortet zugleich die Kunstsammlung der Stadtsparkasse. An ihrer Seite arbeitet Esther Breinig, seit rund einem Jahr Kuratorin im Team, unterstützt von Assistentin Nicole Flaß. Auch der frühere Leiter Stefan G. Drzisga bleibt nach seinem Eintritt in den Ruhestand beratend verbunden. Für Wettwer ist die neue Position die Fortsetzung eines Weges, der bereits 2016 als Werkstudentin bei der Stiftung begann.
v.l.: Katharina Wettwer, Leiterin der Kunst- und Kulturstiftung der Sparkasse Düsseldorf, Stefan G. Drzisga, ehemals Leiter der Stiftung, und Esther Breinig, Kuratorin der Kunstsammlung
Entscheidend ist die Idee
Bildende Kunst, Theater, Musik, Literatur oder Film: Mehr als 600 Projekte hat die Stiftung seit ihrem Bestehen mit insgesamt über 3,5 Millionen Euro unterstützt. Dabei stehen bewusst auch kleinere Vorhaben im Fokus, bei denen eine Förderung mitunter darüber entscheidet, ob sie überhaupt realisiert werden können.
Rund jeder zweite Antrag kommt zum Zuge. Eine Absage ist dabei nicht zwangsläufig ein Urteil über die Qualität. „Oft sind es gute Projekte, aber die Mittel sind begrenzt“, sagt Breinig.
Neue Formate erweitern das Spektrum. In diesem Jahr beteiligt sich die Stiftung erstmals mit einem zusätzlichen, mit 5.000 Euro dotierten Preis an der „Bandprofessionalisierung“ des Düsseldorfer Kulturamtes. Gefördert werden Live-Auftritte von Bands sowie Musikerinnen und Musikern. „Wir wollten noch mehr Künstlerinnen und Künstler erreichen“, sagt Wettwer.
Fördern, ohne alles vorzugeben
Freiraum bieten auch die Reisestipendien für Studierende der Kunstakademie Düsseldorf. Gemeinsam mit dem Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen vergibt die Stiftung jährlich drei Stipendien über insgesamt 9.000 Euro.
Eine konkrete Projektvorgabe gibt es bewusst nicht. Die Geförderten sollen reisen, neue Eindrücke gewinnen und ihre künstlerische Entwicklung vorantreiben können. Das Programm soll, so Breinig, „jungen Künstlerinnen und Künstlern Freiraum für ihre individuelle künstlerische Entwicklung eröffnen“.
Sophie Meuresch, Astrid (Doppel), 2-Kanal Video, 6:42 min (loop), 2022, 55 Zoll Screens, Ausstellungsansicht
Literatur, die Grenzen überschreitet
Einen besonderen Stellenwert hat die Literatur. Seit 2002 vergibt die Stiftung den Düsseldorfer Literaturpreis, seit 2012 ist er mit 20.000 Euro dotiert. Ausgezeichnet werden Autorinnen und Autoren, deren deutschsprachiges Gesamtwerk Verbindungen zu anderen Künsten und Medien herstellt. Die Liste der Preisträger ist prominent: Unter anderem wurden Patrick Roth, Katharina Hacker, Ursula Krechel, Michael Köhlmeier, Marcel Beyer, Marion Poschmann, Karen Duve, Emine Sevgi Özdamar und Nico Bleutge ausgezeichnet. 2025 ging der Preis an Monika Zeiner.
In diesem Jahr feiert die Auszeichnung Jubiläum: Elias Hirschl ist der 25. Preisträger. Der 1994 geborene Wiener ist Schriftsteller, Musiker und Slam-Poet und schreibt zudem für Theater und Radio. 2020 erhielt er den Reinhard-Priessnitz-Preis, 2022 den Publikumspreis beim Bachmannpreis. Nach „Salonfähig“ und „Content“ erschien 2026 sein jüngster Roman „Schleifen“.
Darin gründet die fanatische Linguistin Franziska Denk eine sektenartige Sprachguerilla. Jurymitglied Emily Grunert spricht von einem „Wunderwerk der Verwirrkunst“. Hirschl verbindet Sprachspiele und erzählerische Tricks mit Sprachwissenschaft, Mathematik und Körperlichkeit. Gerade daraus entwickelt der Roman seinen Sog: „Schleifen“ irritiere, begeistere und unterhalte gleichermaßen, so die Jury.
Ausgezeichnet wird Hirschl für sein literarisches Gesamtwerk und damit für eine Arbeit, die beispielhaft für die Idee des Preises steht: Literatur, die Verbindungen zu anderen künstlerischen Welten schafft. Die Preisverleihung findet am 14. Oktober 2026 statt.
Von Beuys bis Fotografie
Während die Stiftung Neues ermöglicht, blickt die Kunstsammlung der Stadtsparkasse auf eine lange Geschichte zurück. Mehr als 1.200 Werke gehören heute zum Bestand. Schwerpunkte bilden die Klassische Moderne und Künstler mit enger Verbindung zu Düsseldorf, darunter Joseph Beuys, Konrad Klapheck und Norbert Kricke. Seit den 1990er-Jahren spielt zudem die Fotografie eine wichtige Rolle.
Zu den prominentesten Kunstwerken gehört die Henry-Moore-Plastik im Hofgarten. „Sie gehört zu den Werken, die Düsseldorf geprägt haben“, sagt Wettwer. Sichtbar wird die Sammlung auch durch die seit 2008 bestehende Kooperation mit dem Kunstpalast, wo regelmäßig Werke aus den Beständen präsentiert werden.
Eine Sammlung lebt vom Publikum
Kunst sichtbar zu machen, beginnt für Wettwer und Breinig jedoch bereits im eigenen Haus. Ein Vermittlungsangebot soll den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Sammlung und die Geschichten hinter den Werken näherbringen. „Wir wollen zeigen, was wir haben und was wir fördern“, sagt Breinig.
Tolles Team: Katharina Wettwer und Esther Breinig
Damit greifen beide Arbeitsbereiche ineinander: Die Sammlung bewahrt, was über Jahrzehnte entstanden ist, die Stiftung ermöglicht, was neu entstehen kann. Und das ist an der Berliner Allee sogar von außen zu sehen. Seit 2000 prägen großformatige Porträts des Schweizer Künstlers Beat Streuli die Fassade der Stadtsparkassen-Zentrale.
