Fotos: Sebastian Mölleken
Susanne und Marc Wenke sind Rundum Yoga
Kennengelernt haben sie sich nicht auf der Yogamatte, sondern in einem Eiscafé in Oberkassel. Susanne kam des Öfteren mit ihrem kleinen Sohn dorthin, Marc stand hinter der Theke. Er war gerade aus New York zurück, wo er Schauspiel studiert hatte. Heute führt das Ehepaar zwei Studios in Unterbilk und Pempelfort, bietet Yogalehrer-Ausbildungen an, Retreats und Firmen-Yoga – und nicht zu vergessen: die Sommer-Outdoorkurse auf dem Rooftop des Courtyard by Marriott im Medienhafen, die im Mai wieder gestartet sind.
Marc Wenke ist body pur. Ausgebildet an der John Cranko Schule des Stuttgarter Balletts, arbeitete er 13 Jahre als Tänzer im In- und Ausland, unter anderem an der Deutschen Oper am Rhein, am Stadttheater Basel und später dann bei Jouri Vamos in Dortmund in Solorollen. Zur Yoga-Praxis fand Marc Wenke nach seiner Zeit auf der Bühne. Nach Jahren, in denen Bewegung und Sprache als Tänzer und Schauspieler seine Mittel des Ausdrucks waren, wurde Yoga für ihn zu einem Weg, bei sich selbst anzukommen und nach innen zu schauen.
Susanne Wenkes Lebensweg verlief nicht so geradlinig: eine kaufmännische Ausbildung, ein Sportstudium auf Lehramt, dann Stationen in Sportvereinen, Fitnessstudios und bei einer Krankenkasse. Zwischendurch hat sie im Ausland gelebt und gemodelt. Yoga hat sie in einem Fitnessstudio für sich entdeckt. Gemeinsam war schnell klar: Genau das wollten sie machen. Ihr erstes Studio eröffneten sie 2005 und nannten es „Power Yoga und mehr“, später wurde daraus „Rundum Yoga“, ein Name, mit dem die beiden immer noch rundum glücklich sind. Kreditwürdig waren sie als Selbstständige damals nicht, das steht bis heute auf ihrer Webseite. Aber sie schafften es, bekamen zwei Söhne, die Familie half im Hintergrund.
Die beiden Gründer von Rundum Yoga: Susanne und Marc Wenke
Idealismus mit Altlasten
Corona hat das Unternehmen tief getroffen. Man digitalisierte das Business im Eilverfahren, richtete für die Mitglieder eine Online-Yogithek ein, doch davon allein ließ sich nicht leben. Die KfW-Kredite zahlen die Mittelständler immer noch ab.
Die Einstellung zum Yoga hat sich in den vergangenen Jahren spürbar verändert. Der Männeranteil in den Stunden sei deutlich gestiegen, sagt Susanne Wenke, Business-Yoga unterrichten die Wenkes auch in IT-Unternehmen. „Dass Entspannung, Fokus und Gesundheit zusammengehören, müssen wir heute kaum noch erklären.“
Was die App oder Online-Plattform nicht kann
Was ein familiengeführtes Studio einer App voraushat, ist vor allem der enge persönliche Kontakt. Bei Rundum Yoga sehen die Studiogäste immer vertraute Gesichter hinter der Theke und auf der Matte. Viele Lehrerinnen und Lehrer sind schon lange dabei, eine von ihnen sogar seit fast zwei Jahrzehnten. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kommen zum Teil seit zehn, fünfzehn, zwanzig Jahren regelmäßig. Die Inhaber sind sieben Tage die Woche erreichbar. „Wir sind schon eine Yogi-Family hier“, sagt Susanne Wenke.
Yoga auf dem Rooftop des Courtyard by Marriott, Copyright: Courtyard by Marriott
Sie hat eine klare Vorstellung von Yoga. „Yoga heißt Verbindung, also auch sich miteinander zu verbinden.“ Auch zur allgegenwärtigen Resilienz-Debatte hat sie eine klare Meinung. „Es geht dabei nicht darum, alles zu akzeptieren, sondern darum zu erkennen, was sich verändern lässt und wo man in seinem Leben hin möchte.“
Die Söhne sind sportlich, einer ist sogar Leistungssportler. Yoga machen sie auch. „Sie nennen es nur anders, sie nennen es Athletik oder Funktionsgymnastik“, lacht Marc Wenke. Im elterlichen Studio tauchen sie bislang nicht auf, so dass die Nachfolge bislang noch nicht geklärt ist. Ob sie das Unternehmen ihren Söhnen aus betriebswirtschaftlichen Gründen ans Herz legen würden? „Um ein Unternehmen in dieser Branche zu führen, braucht man viel Idealismus“, findet Susanne Wenke. Ans Aufhören denkt noch keiner von beiden. Sie machen ihr Ding einfach weiter, jeden Tag auf der Yogamatte mit Energie und rundum glücklich.
Yoga für mehr Grün: ein Abo, ein Baum
Da Bäume Energie und Erdung spenden, macht jedes Rundum Yoga-Mitglied den Planeten rundum grüner. „Alles fing an mit einem Inuit, einem Beduinen und einem Yogi, was dank der Plattform Treedom Realität wurde“, erzählt Susanne Wenke. 314 Bäume stehen bereits im Yogi-Wald. Für jeden, der sich für ein Jahresabo entscheidet, wird ein neuer Baum gepflanzt.
