Fotos: Jochen Rolfes
Frankenheim-Schwestern führen Tradition fort
Juliane Frankenheim kommt aus der HR-Branche, Victoria aus der Medienbranche. Dass sie beide einmal das Familienunternehmen gemeinsam leiten würden, hatte keine von ihnen geplant und die Eltern hatten es auch nicht erwartet.
Dabei ging es nicht nur um ein Unternehmen, sondern um eine Familiengeschichte mit langer Tradition: Bereits im Jahr 1872 lieferte die Schreinerei Frankenheim ihren ersten Sarg aus. Mittlerweile ist das Unternehmen mit neun Standorten in Düsseldorf, Mettmann und Krefeld vertreten, hat einen eigenen Steinmetzbetrieb und zwei Kolumbarien in ihren Geschäftsräumen nach dem Vorbild der Begräbnisstätten mit Nischen für die Urnen in südlichen Ländern.
Dass die Schwestern 2017 in sechster Generation übernahmen, ist eine klassische Nachfolgegeschichte. Einer der beiden Inhaber wollte in Rente gehen und seine Unternehmensanteile abgeben. „Plötzlich stand die Frage im Raum, alles verkaufen oder selber einsteigen“, erzählen die Schwestern. Ihre Antwort lautete: Wir übernehmen, aber nur gemeinsam. Seitdem liegt das gesamte operative Geschäft in weiblichen Händen – zum ersten Mal in der Geschichte des Familienunternehmens.
Rollen, die man nicht ablegt
2023 machten die Unternehmerinnen ihre Meisterin. Trennen die beiden Frauen Familie und Geschäft? „Wir reden uns überall rein. Ich glaube, das ist unsere größte Stärke. Es gibt auch hin und wieder Reibereien, wir haben sehr verschiedene Persönlichkeiten, aber dieselben Werte“, erzählt Juliane Frankenheim. Sie sind alles in Personalunion: Schwestern, Töchter, Mütter, Mitgesellschafterinnen, Geschäftsführerinnen. Diese Rollen kann man nicht morgens an der Garderobe abgeben, findet Victoria Frankenheim: „Man führt eine Familie und man führt das Unternehmen und die Familie existiert nicht ohne das Unternehmen.“
Gestorben wird bekanntlich immer, aber die Branche verändert sich massiv: weniger kirchliche Bestattungen, mehr Urnenbeisetzungen und der Wunsch nach pflegefreien Grabstätten. Frankenheim eröffnete bereits vor 20 Jahren in Garath sein erstes privates Kolumbarium, vor zwei Jahren wurde der Standort in der Münsterstraße erweitert. „Die Menschen möchten sich ein Stück weit von der Verpflichtung lösen. Wovon sie sich aber nicht lösen wollen, ist der Mensch, der gerade gestorben ist.“ Im Trauerkolleg, in Einzelgesprächen und im eigenen Podcast begleiten sie deshalb auch über die Bestattung hinaus und versuchen, Halt und Orientierung zu geben.
Das Kolumbarium in der Münsterstraße
Ob ihre kleinen Söhne einmal in die Fußstapfen ihrer Mütter treten werden? „Vielleicht möchte mein Sohn lieber Elektriker werden“, sagt Juliane Frankenheim. Die Familientradition, dass die Kinder entscheiden, welchen Weg sie gehen möchten, gilt auch für die weibliche Unternehmensspitze.
