Fotos: Klaus Richter

Maestro Lino Palmieri bringt Küche, Kultur und Geschichte seiner zweiten Heimat an einen Tisch

Es duftet nach Kräutern, geröstetem Brot und Olivenöl. Auf dem Buffet stehen kleine toskanische Köstlichkeiten, Bocconcini alla Toscana, und während die Gäste probieren, erzählt einer, der diese Küche nicht aus Kochbüchern kennt. Pasqualino „Lino“ Palmieri hat sie über Jahrzehnte gelebt.

Beim ersten „Italienischen Kulturabend“ im zentrum plus Derendorf-Nord nahm der Düsseldorfer Gastronom seine Gäste mit auf eine Reise in die Toskana – kulinarisch, historisch und sehr persönlich. Es war zugleich die Premiere für eine Idee, die Palmieri künftig gemeinsam mit Maurizio Giangreco weiterentwickeln möchte: Kulturabende, bei denen Geschichten, Geschichte und Genuss zusammengehören.

Denn für Palmieri ist die Toskana weit mehr als eine Ferienregion mit Zypressen, Weinbergen und Renaissance-Städten. Sie hat sein Leben geprägt. Vor rund 60 Jahren lernte er die Region kennen, arbeitete dort und tauchte tief in eine Küche ein, deren Grundidee ihn bis heute begleitet: gute Produkte, wenig Schnickschnack, dafür Kräuter, Olivenöl und Respekt vor dem Eigengeschmack der Zutaten. „Die Toskana hat mir viel gegeben“, sagt Palmieri sinngemäß. „Das möchte ich heute weitergeben.“

Nicht die eine italienische Küche

Wer von „der italienischen Küche“ spricht, macht es sich ohnehin etwas zu einfach. Italien lebt von seinen regionalen Traditionen – und die Toskana besitzt eine besonders charakteristische.

Palmieri erzählt von einer bodenständigen cucina povera, der Küche der einfachen Leute und Bauern. Brot, Hülsenfrüchte, Gemüse, Kräuter, Fleisch und Olivenöl wurden zu Gerichten, die gerade aus ihrer Einfachheit ihren Reiz beziehen. Vieles von dem, was heute als moderne, produktorientierte Küche gefeiert wird, ist hier seit Generationen selbstverständlich.

Und dann gibt es die andere Seite der Toskana: die prachtvolle Küche der großen Familien, allen voran der Medici. Zwischen bäuerlicher Einfachheit und höfischer Raffinesse spannt Palmieri deshalb bei seinen Kulturabenden einen ungewöhnlich großen Bogen – und plötzlich führt dieser sogar direkt nach Düsseldorf.

Zwischen „Ricchi e Poveri“ und Medici-Tafel

Aus dieser Idee sollen nun unterschiedliche Veranstaltungsformate entstehen. Denkbar ist beispielsweise ein Abend unter dem Motto „I Ricchi e i Poveri della Toscana“: die Küche der einfachen toskanischen Landbevölkerung trifft auf die opulentere Welt der wohlhabenden Familien.

Eine andere Variante führt noch tiefer in die Renaissance und die Geschichte der Medici – mit einem historisch inspirierten Medici-Menü oder -Buffet, Geschichten über Florenz und die Toskana und dem Düsseldorfer Kapitel rund um Anna Maria Luisa de’ Medici und Jan Wellem. Auch Weinverkostungen oder thematische Menüs lassen sich mit dem Kulturprogramm verbinden.

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Düsseldorf und die Medici

Wie die Medici Düsseldorf prägten

Die Medici gehören zu den berühmtesten Familien der europäischen Geschichte. Über Jahrhunderte prägten sie Florenz und die Toskana, stellten Großherzöge und Päpste und machten sich als Förderer von Kunst, Architektur und Wissenschaft einen Namen. Ihr Einfluss ist bis heute eng mit der Blüte der Renaissance verbunden.

Eine besondere Verbindung führt von Florenz direkt nach Düsseldorf: Anna Maria Luisa de’ Medici (1667–1743), Tochter des toskanischen Großherzogs Cosimo III. de’ Medici, heiratete 1691 Johann Wilhelm von der Pfalz (1658–1716) – den Düsseldorfern besser bekannt als Jan Wellem. Es war seine zweite Ehe. Landeshauptstadt Düsseldorf

Mit der Florentiner Prinzessin kamen italienische Kunst, Kultur, Mode und barocke Lebensart an den Rhein. Gemeinsam machten Anna Maria Luisa und Jan Wellem Düsseldorf zu einer bedeutenden europäischen Residenz- und Kunststadt. Die Stadt Düsseldorf spricht für diese Zeit sogar von einer kulturellen Blüte, die in dieser Form später nicht mehr erreicht wurde. Landeshauptstadt Düsseldorf

Nach Jan Wellems Tod kehrte Anna Maria Luisa 1717 nach Florenz zurück. Als letzte Angehörige der Hauptlinie der Medici verfügte sie später, dass die Kunstschätze ihrer Familie in Florenz verbleiben sollten. Damit trug sie entscheidend dazu bei, dass das kulturelle Erbe der Medici dort bis heute erhalten ist. Landeshauptstadt Düsseldorf

Für Lino Palmieris Toskana-Abende schließt sich damit ein besonderer Kreis: Die Geschichten der Medici, die Kultur und Küche der Toskana und Düsseldorf sind seit mehr als 300 Jahren miteinander verbunden.

Genau hier setzt Palmieri an. Er hat sich bereits früher intensiv mit der historischen Küche der Medici beschäftigt und für Veranstaltungen Buffets nach historischen Vorlagen umgesetzt. Für ihn ist Essen deshalb immer auch Kulturgeschichte.

Dabei geht es Palmieri nicht darum, historische Küche museal nachzustellen. Essen soll der sinnliche Einstieg in die Geschichte sein: Man hört von Menschen, Orten und Traditionen – und probiert gleichzeitig, wovon erzählt wird.

Anna Maria Luisa de Medici, Gemälde von Frans van Douven (1656-1727) öl auf Leinwand, Wikimedia commons, http://www.museodemedici.com

Das Jan-Welem-Portrait stammt ebenfalls von Jan Frans van Douven, Wikimedia Commons

Ein Leben zwischen Italien und Düsseldorf

Dass Palmieri genügend Geschichten für viele solcher Abende besitzt, steht außer Frage. Der heute 79-Jährige blickt auf eine außergewöhnliche gastronomische Laufbahn zurück. Seine Düsseldorfer Restaurants wurden über Jahrzehnte Treffpunkte prominenter Gäste. Boris Becker, Henry Maske, Thomas Gottschalk, Loriot, Stefan Edberg und Mitglieder der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gehörten zu denen, für die er kochte. Italiens früherer Staatspräsident Francesco Cossiga bezeichnete ihn in Palmieris Gästebuch sogar als „besten Botschafter seines Landes“.

Seine Erinnerungen hat Palmieri gemeinsam mit dem Journalisten Michael Santen in der reich bebilderten Biografie „Pasqualino Palmieri – Pasta, Pinot, Prominente“ festgehalten. Doch der „Rentner im Unruhestand“, wie er dort augenzwinkernd genannt wird, möchte seine Geschichten offenbar nicht nur zwischen zwei Buchdeckeln bewahren.

Er möchte sie erzählen.

Kultur, die man schmecken kann

An seiner Seite steht dabei Maurizio Giangreco, der den Düsseldorfer Kulturabend moderierte und seit Jahrzehnten für den deutsch-italienischen Austausch engagiert ist. Giangreco gehört zum Team der bilingualen Radiosendung „Buonasera Düsseldorf“ und wurde für sein Engagement für die deutsch-italienische Verständigung mehrfach ausgezeichnet.

Gemeinsam wollen Palmieri und Giangreco das Konzept nun zu verschiedenen Institutionen, Unternehmen und Veranstaltungsorten bringen. Firmen- und Weihnachtsfeiern, Kulturveranstaltungen oder private Gesellschaftenkönnen so zu einer kleinen Reise in die Toskana werden – mit Vortrag und Moderation, Bocconcini oder Buffet, auf Wunsch Weinverkostung und einem kulinarischen Ausflug in die Welt der Medici.

Die Premiere in Derendorf war dafür ein erster Vorgeschmack. Und vielleicht liegt genau darin der Charme der Idee: Die Toskana wird nicht auf Chianti, Zypressen und Urlaubsromantik reduziert. Sie wird erzählt – über ihre Menschen, ihre Geschichte und natürlich über ihre Küche.

Für Lino Palmieri schließt sich damit nach sechs Jahrzehnten ein Kreis. Seine Botschaft könnte kaum einfacher sein:

„Grazie alla Toscana – für alles, was sie mir gegeben hat.“

Ein Stück Toskana für den eigenen Anlass

Das Kultur- und Genussformat mit Pasqualino „Lino“ Palmieri und Maurizio Giangreco kann künftig auch für Unternehmen, Institutionen, Kulturveranstaltungen sowie private Feiern gebucht und individuell zusammengestellt werden. Möglich sind unter anderem ein toskanischer Kulturabend mit Bocconcini alla Toscana, „I Ricchi e i Poveri della Toscana“, ein historisch inspirierter Medici-Abend mit Menü oder Buffet, moderierte Geschichten rund um Küche, Kultur und Geschichte der Toskana sowie begleitende Weinverkostungen.

Kontakt:
Tel. 0172-2174361
mylino@gmx.de

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