Foto: Uwe Erensmann

The Bodyshop in Düsseldorf dreht den Spieß um

Schönheitswahn, VIP-Gehabe und der ewige Kampf ums Dazugehören: Eine ungewöhnliche Aktion in Düsseldorf nimmt das Prinzip „Sehen und gesehen werden“ aufs Korn.

Schön, schöner, schönheitsoptimiert. In Zeiten von Beauty-Filtern, Instagram-Inszenierungen und makellosen Körperidealen ist das eigene Aussehen längst zum Dauerprojekt geworden. Wie sehr soziale Medien den Schönheitsdruck verstärken, zeigt eine Studie von Saferinternet.at aus dem Jahr 2024: 71 Prozent der befragten Jugendlichen zwischen 11 und 17 Jahren in Österreich sehen in sozialen Netzwerken einen Auslöser dafür, sich mit anderen zu vergleichen. Mehr als die Hälfte hat aufgrund entsprechender Bilder schon einmal etwas am eigenen Aussehen verändert.

Wie stark soziale Medien den Vergleichsdruck unter Jugendlichen verstärken, zeigt die im Juli 2026 veröffentlichte JIMplus-Studie des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest. Demnach geben 71 Prozent der befragten Mädchen und 60 Prozent der Jungen zwischen 14 und 17 Jahren an, sich bei der Nutzung sozialer Medien automatisch mit anderen zu vergleichen. Besonders auffällig: 34 Prozent der Mädchen fühlen sich im eigenen Körper unwohl. Unter denjenigen, die täglich mehr als eine Stunde auf TikTok verbringen, steigt dieser Anteil auf 49 Prozent.

Und wo ließe sich das Spiel mit Schönheit, Status und Selbstdarstellung besser auf die Schippe nehmen als in Düsseldorf? In einer Stadt, in der das Sehen und Gesehenwerden mitunter zur gesellschaftlichen Disziplin erhoben wird und die richtige Gästeliste mindestens so wichtig erscheint wie das richtige Outfit.

„Du kommst hier nicht rein!“ – diesen Satz dürfte so mancher kennen. Doch ausgerechnet eine Kosmetikmarke dreht den Spieß jetzt um. The Body Shop machte mit einem grünen statt rotem Teppich auf sich aufmerksam. Nicht für Prominente, Influencer oder andere Auserwählte, sondern für ganz normale Passanten. Das Motto: „Come as you are“. Ohne Dresscode, ohne Einladung und ohne prüfenden Blick von oben bis unten.

Hinter der augenzwinkernden Provokation steckt die Düsseldorfer Kreativagentur Rheinschurken, die ihren Sitz direkt über dem neuen Store von The Body Shop hat. Sie entwickelte die Kampagne zur Wiederbelebung des „Love Your Body Clubs“. Die Botschaft: Weniger Schönheitsideale, weniger Ausgrenzung, mehr Selbstakzeptanz.

v.l.n.r. Jeannine Halene (Rheinschurken), Larissa Pape (The Body Shop, Senior Marketing Managerin, Anita Camaiani (The Body Shop, General Manager), Selma Latif (The Body Shop), Till-Martin Köster (der Künstler, der die Tür gestaltet hat.)

Auch beim offiziellen Auftakt im Düsseldorfer Geschäft spielte die Clubtür eine Hauptrolle. Der Düsseldorfer Künstler Till-Martin Köster hatte dafür eine mehrere Meter hohe, begehbare Installation geschaffen. Die ungewöhnliche Kulisse entwickelte sich schnell zum beliebten Fotomotiv. Auch die Schaufenster wurden zur Bühne: Eine Illustratorin hielt dort live persönliche Statements von Clubmitgliedern zu Selbstliebe, Selbstfürsorge und Zugehörigkeit fest. Dazu gab es Musik vom DJ, persönliche Beratungen und zahlreiche Gespräche. Vor dem Geschäft bildeten sich bereits vor Veranstaltungsbeginn Warteschlangen.

„Düsseldorf hat genug Gästelisten. Also haben wir eine Einladung an alle ausgesprochen“, erklärt Rheinschurken-Gründerin Jeannine Halene.

Für The Body Shop ist die Aktion zugleich ein öffentlichkeitswirksamer Neustart. Nach der Insolvenz der deutschen Gesellschaft und zahlreichen Filialschließungen im Jahr 2024 kehrte die britische Kosmetikmarke am 28. Mai 2026 mit einem neuen Geschäft nach Düsseldorf zurück. Zuvor war der Standort in den Schadow Arkaden geschlossen worden. Die deutsche Unternehmenszentrale befindet sich weiterhin in der Landeshauptstadt.

Mit dem neu aufgelegten „Love Your Body Club“ will das Unternehmen nun auch die Kundenbindung stärken. Mitglieder sammeln nicht nur beim Einkauf Punkte, sondern beispielsweise auch bei Hautpflegeanalysen oder Empfehlungen. Das dreistufige Modell mit den Namen Shea, Ginger und Edelweiss bietet je nach Status unterschiedliche Vergünstigungen und Vorteile.

Dass ausgerechnet eine Kosmetikmarke gegen Schönheitsdruck und gesellschaftliche Auslese inszeniert, entbehrt dabei nicht einer gewissen Ironie. Schließlich lebt auch diese Branche davon, dass Menschen sich mit ihrem Äußeren beschäftigen. Und natürlich geht es bei aller Selbstliebe am Ende auch darum, Produkte zu verkaufen. Immerhin: Für einen Moment gehörte der Teppich in Düsseldorf nicht den Schönen, Reichen und Wichtigen. Sondern einfach allen.

Seit 50 Jahren Tierversuchsfreie Körperpflege & Kosmetik

1976 gründete Anita Roddick im britischen Brighton The Body Shop. Von Anfang an verband die Unternehmerin den Verkauf von Kosmetik mit gesellschaftspolitischen Anliegen. Die Marke engagierte sich früh gegen Tierversuche und für fairen Handel. Heute umfasst das Sortiment Körperpflege- und Kosmetikprodukte mit Inhaltsstoffen aus internationalen Lieferketten, darunter Kooperationen mit Frauenkooperativen in Ghana. Auch gesellschaftliche Schönheitsideale nimmt das Unternehmen seit Jahrzehnten kritisch in den Blick. Themen wie Selbstbestimmung, Körperakzeptanz und die Rechte von Frauen und Mädchen gehören zum Selbstverständnis der Marke, die 2026 ihr 50-jähriges Bestehen feiert.

 

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