von links nach rechts: Daniel Rudolf, Gudrun Hock, Michaela Rentmeister, Anja Katharina Bezold, Ayfer Arslan, Diana Galante, Marcel Brünnen, Fotos: Isa Foltin

13. Ladies Talk auf spanischem Boden

Eine Premiere mit politischen Spitzen, abgemildert durch das warme Abendlicht auf der Terrasse des T Golf Calvià.  Beim 13. Ladies Talk auf Mallorca diskutierten FDP-Chef Wolfgang Kubicki, Andrea Zadow, die bei der Rheinischen Post Mediengruppe die Mallorca-Magazine verantwortet, und Daniel Rudolf, ehemaliger Butler und heute General Manager von XCLUSIVE Mallorca, mit der Moderatorin Lexa Wilms über Lebensfreude, Auswandererträume und die Schattenseiten des Inselparadieses.

Eingeladen hatten Anja Katharina Bezold und Michaela Rentmeister, mehr als 60 Ladies kamen aus Düsseldorf, Frankfurt und Köln, finanziell unter die Arme griff den Ehrenamtlerinnen das Bankhaus Neelmeyer. Netzwerke zu unterstützen gehört für den CEO der Privatbank Marcel Brünnen zu seinem Verständnis von Bankgeschäft, das über Konten und Kredite hinausgeht.

Mallorca ist für viele Deutsche ein Sehnsuchtsort. 300 Sonnentage, mediterrane Gelassenheit und das Meer vor der Haustür. Wer würde da nicht gerne seinen Lebensmittelpunkt auf die Baleareninsel verlegen? Doch das vermeintliche Paradies hat seine Tücken. Die Immobilienpreise steigen, bezahlbarer Wohnraum wird knapp – aktuell protestieren die Einheimischen gegen die Wohnungsnot mitten auf der Plaça Major. Wie also funktioniert das Lebensmodell Mallorca?

66 Teilnehmerinnen trafen sich zum Ladies Talk auf Mallorca

Lebensfreude statt deutscher Tristesse

Für Wolfgang Kubicki begann die Liebe zu Mallorca bereits 1966. Seine Frau, die ihn auch zum Ladies Talk begleitete, verbringt inzwischen mehrere Monate im Jahr auf der Insel, er selbst pendelt zwischen Mallorca und seinen politischen Verpflichtungen in Deutschland. Dass er sich auch fern der Heimat schnell wohlfühlt, liegt an seiner kontaktfreudigen Art. „Ich bin ein Typ, der nicht fremdelt“, erklärte er. Auf Mallorca treffe er regelmäßig Freunde, die er in Deutschland monatelang nicht gesehen habe.

Daniel Rudolf hat sich dagegen endgültig für die Insel entschieden. Der gelernte Koch arbeitete rund 20 Jahre als Butler und Real Estate Manager für vermögende Familien, bereiste 51 Länder und betreute exklusive Anwesen rund um den Globus. Was hinter den Kulissen der Superreichen passiert, verrät er in seinem ersten Buch „Sonst noch Wünsche? Das geheime Leben der Crazy Rich. Ein Butler erzählt“, das am 11. November im Heyne Verlag erscheint. Ausgerechnet Mallorca hatte Rudolf ursprünglich nicht auf seiner Wunschliste. Zu sehr war sein Bild vom Ballermann geprägt, dann lernte er über einen Arbeitgeber die Insel kennen und blieb. Eine Rückkehr nach Deutschland schließt er aus. Allerdings warnt er davor, die Insel mit falschen Erwartungen zu überfrachten. „Man kann Mallorca nicht zu dem Mallorca machen, das man gerne hätte. Man muss sich anpassen.“ Wer glaube, sich mit einer luxuriösen Immobilie automatisch ein glückliches Leben kaufen zu können, werde häufig enttäuscht. Ein Haus lasse sich kaufen, Freunde und ein Zuhause nicht.

Andrea Zadow kennt beide Seiten. Sie lebte viele Jahre auf Mallorca, arbeitete unter anderem bei der Mallorca Zeitung und kehrte schließlich aus familiären und beruflichen Gründen nach Düsseldorf zurück. Die Entscheidung hat sie nicht bereut. Gerade die Kultur, Ausstellungen und das Großstadtleben des Rheinlands habe sie wieder schätzen gelernt. Mallorca sei für sie dennoch ein Stück Heimat geblieben.

Denn auch das wurde in Talk deutlich: Wer auf Mallorca dauerhaft leben möchte, braucht ein soziales Umfeld, Geduld und Sprachkenntnisse. Rudolf musste sich sein Spanisch mühsam erarbeiten. Apps, Privatunterricht und Sprachkurse führten zunächst nur bedingt zum Erfolg. Erst die tägliche Praxis brachte ihn weiter. Heute arbeitet er bevorzugt mit mallorquinischen Handwerkern und Dienstleistern zusammen, deren Qualität er besonders schätzt.

Wem gehört das Paradies?

Deutlich ernster wurde die Diskussion beim Thema Wohnraum. Während wohlhabende Ausländer Ferienimmobilien erwerben, können sich viele Mallorquiner das Wohnen auf ihrer eigenen Insel kaum noch leisten. Für Andrea Zadow gehört die Lösung der Wohnungsfrage deshalb zu den drängendsten Aufgaben der Inselpolitik. Ebenso wichtig seien gegenseitiger Respekt, Toleranz und eine gewisse Bescheidenheit der Zugezogenen. Daniel Rudolf kennt die Schwierigkeiten aus eigener Erfahrung. Als er seine Wohnung wegen Eigenbedarfs verlassen musste, suchte er fünf Monate nach einer neuen Bleibe. Kunden, die lediglich zwei oder drei Wochen im Jahr auf Mallorca verbringen wollen, rate er deshalb mitunter vom Immobilienkauf ab. Statt Wohnraum zu beanspruchen, den die Einheimischen dringend benötigen, sei ein Hotel häufig die bessere Wahl.

Auch Kubicki fand deutliche Worte. Die Deutschen seien Gäste in diesem Land, erinnerte er und kritisierte Landsleute, die sich verhielten, als sei Mallorca ein weiteres Bundesland der Bundesrepublik. Mehr Demut und Offenheit gegenüber den Sorgen der Einheimischen seien angebracht. Beim Tourismus plädierte der Politiker für eine stärkere Ausrichtung auf zahlungskräftige Gäste, die in hochwertigen Hotels übernachten, Golf spielen und in guten Restaurants essen. Seine Prognose: „Der Massentourismus aus Deutschland wird von den USA verdrängt werden.“ Höhere Ausgaben pro Gast könnten mehr Wertschöpfung bringen als möglichst große Besucherzahlen.

Wolfgang Kubicki, FDP-Bundesvorsitzender

Kubicki, die FDP und der liebe Gott

Dass die Diskussion mit Wolfgang Kubicki nicht auf Mallorca beschränkt bleiben würde, war zu erwarten. Der FDP-Politiker kritisierte die pessimistische Grundstimmung in Deutschland und beklagte mangelnde Zuversicht, insbesondere bei jungen Menschen. Bürokratie, wirtschaftliche Unsicherheit und Zukunftsängste würden dazu beitragen, dass immer mehr Menschen über einen Wegzug aus Deutschland nachdächten. Auch die Erbschaftsteuer bekam ihr Fett weg. Sein politisches Ziel hat er jedenfalls nicht aus den Augen verloren: die FDP wieder in die Landtage zu bringen. Seit gut vier Monaten steht er an der Spitze der Partei. Dass der politische Wiederaufbau nicht über Nacht gelingt, kommentierte er mit gewohnt trockenem Humor. Schließlich habe selbst Gott sechs Tage gebraucht.

Der erste Ladies Talk auf Mallorca zeigte, wie wichtig es ist, einmal hinter die Postkartenkulisse zu schauen. Denn wer über das schöne Leben auf Mallorca spricht, sollte auch diejenigen im Blick behalten, für die die Insel kein Urlaubsparadies ist, sondern ihr Zuhause.

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