Politische Runde in der VHS: Gast Alexander Häusler (Fachhochschule Düsseldorf), Thema „Kulturkampf von rechts?“ AfD & Co, Foto: Atamari

Alexander Häusler: Sein Kompass war die Demokratie.

Es sind oft die kleinen Dinge, die bleiben. Kolleginnen und Kollegen erinnern sich daran, dass Alexander Häusler ihnen einen Zeitungsausschnitt zeigte. Darauf war eine Frau auf einer Demo in den Niederlanden mit einem Schild zu sehen, auf dem – sinngemäß übersetzt – zu lesen war: „Lass dich nicht bange machen.“ Ein Satz, der ihnen bis heute im Gedächtnis geblieben ist – und der gut zu einem Wissenschaftler passt, der gesellschaftliche Entwicklungen mit klarem Blick analysierte, ohne sich von ihnen einschüchtern zu lassen.

Mit Alexander Häusler verliert Düsseldorf einen der profiliertesten Experten für Rechtsextremismus und Rechtspopulismus. Der Diplom-Sozialwissenschaftler, der am 9. Juli 2026 nach langer, schwerer Krankheit verstarb, prägte über mehr als 25 Jahre den Forschungsschwerpunkt Rechtsextremismus/Neonazismus (FORENA) an der Hochschule Düsseldorf. Dort war er nicht nur ein hochgeschätzter Kollege, sondern über viele Jahre auch das öffentliche Gesicht der Forschungseinrichtung.

Früh erkannte Häusler Entwicklungen, die heute die politische Debatte bestimmen. Bereits seit der Gründung der AfD im Jahr 2013 beobachtete er deren Entwicklung wissenschaftlich und setzte sich intensiv mit Rechtspopulismus, PEGIDA, sogenannten Bürgerbewegungen sowie später den Protestbewegungen rund um die Corona-Pandemie auseinander. Seine Kolleginnen und Kollegen beschreiben ihn als Wissenschaftler mit außergewöhnlichem Gespür für politische Entwicklungen und großer analytischer Schärfe. Dass sich die AfD zunehmend zu einer Partei mit deutlich rechtsextremen Strömungen entwickeln würde, schätzte er früh und präzise ein.

Sein Anliegen war es, Forschung verständlich zu vermitteln und gesellschaftlich wirksam werden zu lassen. Häusler hielt unzählige Vorträge vor Gewerkschaften, Initiativen, Bildungseinrichtungen und zivilgesellschaftlichen Organisationen. Er unterstützte mobile Beratungsstellen gegen Rechtsextremismus ebenso wie die Opferberatung für Menschen, die von rechter Gewalt betroffen waren. Wissenschaft bedeutete für ihn Verantwortung.

Zum Interview mit Alexander Häusler geht es hier

Seine Expertise machte ihn zu einem der gefragtesten Ansprechpartner Deutschlands, wenn es um aktuelle Entwicklungen der extremen Rechten ging. Immer wieder war er in Fernsehbeiträgen, Radiosendungen und Zeitungsinterviews gefragt. Phasenweise gehörten Presseanfragen zum Alltag auf dem Flur von FORENA. Komplexe politische Entwicklungen verständlich einzuordnen, war eine seiner großen Stärken.

Wer Alexander Häusler persönlich begegnete, lernte einen offenen, direkten und humorvollen Menschen kennen. Kolleginnen und Kollegen erinnern sich an einen typischen Rheinländer, der Diskussionen schätzte, jüngere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unterstützte und trotz der Schwere seines Forschungsthemas nie seinen Humor verlor. Gerne zeichnete er Karikaturen oder kommentierte politische Ereignisse mit feinem Witz.

Auch über die Hochschule hinaus hinterlässt Alexander Häusler bleibende Spuren. Er engagierte sich von Beginn an für den Erinnerungsort Alter Schlachthof auf dem Campus der Hochschule Düsseldorf. Die Auseinandersetzung mit den Verbrechen des Nationalsozialismus, Antisemitismus und demokratiefeindlichen Ideologien gehörte für ihn untrennbar zu seiner wissenschaftlichen Arbeit.

Gerade heute, in einer Zeit, in der autoritäre und rechtsextreme Strömungen wieder an Einfluss gewinnen, erscheint sein wissenschaftliches Vermächtnis wichtiger denn je. Seine Analysen, seine klare Haltung und sein Engagement für Demokratie und Zivilgesellschaft werden fehlen.

Das ZOO:M Magazin hatte bereits vor einigen Jahren die Gelegenheit, ausführlich mit Alexander Häusler über Rechtsextremismus, Populismus und die Herausforderungen für die Demokratie zu sprechen. Viele seiner damaligen Einschätzungen sind bis heute bemerkenswert aktuell und zeigen seine Weitsicht als Wissenschaftler.

Die ZOO:M Redaktion verabschiedet sich von einem begnadeten Wissenschaftler. Unser Mitgefühl gilt seiner Familie, seinen Freunden sowie seinen Kolleginnen und Kollegen an der Hochschule Düsseldorf.

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