Foto: Meike Schrömbgens

Bundesministerin Bärbel Bas beim Ständehaus Treff

Sie kommt aus Duisburg, sitzt aktuell im Kabinett Merz und ist Parteivorsitzende der SPD. Bärbel Bas hat in den letzten Monaten mehr negative Schlagzeilen produziert als die meisten ihrer Kollegen. Am gestrigen Montagabend saß die Bundesarbeitsministerin beim Ständehaus Treff der Rheinischen Post im K21 auf der Bühne als Talkgast von Chefredakteur Moritz Döbler. Bas stammt aus kleinen Verhältnissen, hat fünf Geschwister, machte einen Hauptschulabschluss in Voerde und eine Ausbildung zur Bürogehilfin bei der Duisburger Verkehrsgesellschaft. Seit 1988 ist sie in der SPD, es folgte Fortbildung auf Fortbildung, bis ganz nach oben. 2021 wurde sie Bundestagspräsidentin, seit 2025 ist sie Bundesarbeitsministerin. Früher spielte sie Fußball, erst als Linksaußen, später als Libero.

An diesem Abend sprach sie darüber, was dieser Weg sie kostet. „Ich bin ein personifiziertes Feindbild geworden. Es ist nicht einfach, das immer auszuhalten“, sagte sie. Es ginge immer mehr darum, die Person kleiner und fertig zu machen. Vor allem rechte Netzwerke versuchten, starke Frauen mit Hass und persönlichen Angriffen kleinzukriegen mit dem Ziel, sie irgendwann zum Aufgeben zu bringen. Anzeigen habe sie gestellt, wenn auch nicht viele. Und dann der Satz, der am Abend nachhallt: „Und jetzt bin ich schon fast froh, keine eigenen Kinder zu haben.“ Weil sie mitbekommt, wie Kinder von politisch engagierten Eltern diesen Hass abbekommen, in der Schule und im Netz.

Wütend auf die Partei

Bas hält viel davon, Dinge direkt zu sagen, was ihr nicht immer gut bekommt. Den Koalitionsvertrag nannte sie an anderer Stelle schon „Bullshit“, Arbeitgeber betrachtete sie als Gegner, im Bundestag sagte sie, niemand wandere in die Sozialsysteme ein. Alles Sätze, die aus dem Kontext gerissen wurden, sagte sie. In Befragungen blieben ihr oft nur Sekunden für eine Antwort. Dabei räumte sie auch ein, was innerhalb der Partei nicht gut läuft: „Wir haben als SPD nicht mehr viel zuzusetzen.“ Und: „Die Menschen sind wütend auf die Partei.“

Bei der Rente zeigen sich Generationenunterschiede und wie dringend eine Reform des Systems ist: Die, die kurz vor der Rente stehen, wollen Sicherheit, die in der Mitte des Berufslebens brauchen eine Perspektive und die ganz jungen wollen wissen, was in dreißig Jahren noch gilt. Einen Steuerzuschuss habe es immer und werde es immer geben, die Beiträge werden steigen. Das bestätigte heute auch ein Sprecher der Rentenversicherung. Bis 2028 könnte der Beitragssatz auf 19,9 Prozent steigen, so eine offizielle Schätzung.

Da hilft es auch wenig, dass der Etat für Arbeit und Soziales der mit Abstand größte ist. Ihr Etat liegt zwar bei über 197 Milliarden Euro, 99 Prozent davon sind jedoch über gesetzliche Leistungen bereits festgelegt. Spielraum sieht anders aus, wenn man reformieren muss. „Es wird nie pur SPD rauskommen, es wird nie pur CDU rauskommen“, sagte sie. „Es muss ein Kompromiss sein.“

Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit Friedrich Merz? Man rede viel übereinander, telefoniere auch miteinander, und manchmal brauche es einen Moment, in dem man einfach Luft ablasse. Sie erzählte von einem Mitflug auf dem Rückweg aus Frankreich, einem Gespräch danach, einem Arbeitssalat bei zwei Bier. Und ja, man duze sich.

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