Neue Ausstellung in der Stadtsparkasse Düsseldorf beleuchtet die Geschichte des AWO Berufsbildungszentrums

Was mit zwölf zugewanderten Jugendlichen begann, ist heute einer der wichtigsten Bildungsträger der Landeshauptstadt. Die Ausstellung „Die Historie des AWO Berufsbildungszentrums (BBZ)“ in der Stadtsparkasse Düsseldorf erzählt die Geschichte einer Einrichtung, die seit fast fünf Jahrzehnten jungen Menschen neue Perspektiven eröffnet. Historische Fotografien, Zeitzeugenberichte und zahlreiche Beispiele aus der täglichen Arbeit machen deutlich, wie sich das BBZ immer wieder gesellschaftlichen Veränderungen angepasst hat und warum seine Arbeit heute aktueller und wichtiger denn je ist.

Bereits zum vierten Mal präsentieren die AWO Düsseldorf und die Stadtsparkasse Düsseldorf gemeinsam eine Ausstellung zur Geschichte des Wohlfahrtsverbandes. Nach den Ausstellungen über die Frauengesichter und Männergesichter der AWO sowie die Namensgeberinnen und Namensgeber der Einrichtungen rückt diesmal das Berufsbildungszentrum in den Mittelpunkt.

Dr. Stefan Dahm, Vorstandsvorsitzender der Stadtsparkasse Düsseldorf, Fotos: Nils Kemmerling

Bildung bedeutet Zukunft

Für Dr. Stefan Dahm steht das BBZ beispielhaft für einen erweiterten Bildungsbegriff.

„Wenn wir über Bildung sprechen, denken viele zuerst an Schulen oder Universitäten. Bildung bedeutet aber viel mehr: Sie eröffnet Chancen auf Teilhabe, Selbstständigkeit und Zukunft“, sagte Dahm.

Gerade angesichts von Digitalisierung, Fachkräftemangel und gesellschaftlichem Wandel seien Einrichtungen wie das Berufsbildungszentrum unverzichtbar. Sie gäben jungen Menschen Orientierung und stärkten den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Deshalb verstehe sich die Stadtsparkasse nicht nur als Finanzdienstleister, sondern auch als Partnerin für soziale und gesellschaftliche Projekte in Düsseldorf.

Von der Kranfabrik zum modernen Bildungszentrum

Die Ausstellung nimmt Besucherinnen und Besucher mit auf eine Zeitreise. Sie beginnt Ende der 1970er-Jahre, als die AWO angesichts hoher Jugendarbeitslosigkeit erste berufsvorbereitende Maßnahmen für zwölf zugewanderte Jugendliche entwickelte.

1985 entstand in einer ehemaligen Kranfabrik in Flingern das Berufsbildungszentrum. Aus dem sanierungsbedürftigen Industriebau entwickelte sich mit Unterstützung der Stadt Düsseldorf eine Einrichtung, die heute jährlich rund 3.000 junge Menschen begleitet. Das Angebot reicht von Berufsvorbereitung und Verbundausbildung über Schulsozialarbeit bis hin zu Offenen Ganztagsschulen.

Marion Warden, Vorstandsvorsitzende der AWO Düsseldorf

AWO-Vorstandsvorsitzende Marion Warden erinnerte daran, dass sich das Berufsbildungszentrum immer wieder neuen Herausforderungen stellen musste.

„Aus den ersten Projekten für junge Zugewanderte ist über Jahrzehnte ein Bildungszentrum entstanden, das sich ständig weiterentwickelt hat und bis heute auf gesellschaftliche Veränderungen reagiert“, sagte Warden.

Mit Blick auf die aktuelle Entwicklung zeigte sich Warden zugleich nachdenklich. Jugendarbeitslosigkeit sei heute wieder ein Thema, gleichzeitig erschwerten Sparmaßnahmen die Arbeit sozialer Träger. Umso wichtiger sei es, die Werkstätten und praxisnahen Angebote zu erhalten. „Gerade junge Menschen, die Unterstützung brauchen, benötigen Orte, an denen sie Vertrauen entwickeln und ihre Fähigkeiten entdecken können.“

Christian Klevinghaus, Projektleiter Berufsbildungszentrum

Chancen statt Defizite

Wie diese Arbeit heute aussieht, schilderte Christian Klevinghaus, Projektleiter des BBZ.

„Wir arbeiten nicht defizitorientiert. Wir schauen auf die Stärken der jungen Menschen und entwickeln daraus gemeinsam Perspektiven“, sagte er.

Das BBZ begleite heute so viele Jugendliche wie nie zuvor in der beruflichen Orientierung. Viele hätten schwierige Startbedingungen, bräuchten aber vor allem Menschen, die an sie glaubten. Investitionen in Bildung seien deshalb keine Ausgaben, sondern Investitionen in die Zukunft.

Stadtdirektor Burkhard Hintzsche

Gesellschaftlicher Zusammenhalt beginnt vor Ort

Auch Stadtdirektor Burkhard Hintzsche hob die Bedeutung des Berufsbildungszentrums hervor. Gesellschaftlicher Zusammenhalt entstehe nicht in „politischen Sonntagsreden“, sondern dort, wo Menschen Verantwortung übernähmen und konkrete Hilfe leisteten.

Gerade in Zeiten großer Veränderungen brauche es Einrichtungen wie das BBZ, die Orientierung geben, Fähigkeiten fördern und Mut machen. Bildung bedeute die Chance, den eigenen Lebensweg selbstbestimmt gestalten zu können.

Die Ausstellung erzählt Geschichte durch Menschen

Historische Fotografien, Werkstattaufnahmen, Zeitzeugenberichte und eine umfangreiche Chronik machen die Entwicklung des Berufsbildungszentrums anschaulich. Die Ausstellung zeigt dabei nicht nur Meilensteine der Institution, sondern vor allem die Menschen, die sie geprägt haben – Ausbilderinnen und Ausbilder, Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen sowie Generationen junger Menschen, die hier ihren Weg ins Berufsleben gefunden haben.

Die Ausstellung „Die Historie des AWO Berufsbildungszentrums“ ist bis September im Forum der Stadtsparkasse Düsseldorf zu sehen.

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Meilensteine des BBZ

1977
Bundesweite Demonstrationen gegen die hohe Jugendarbeitslosigkeit geben den Anstoß für neue Projekte der Jugendberufshilfe in Düsseldorf.

1978
Die AWO Düsseldorf startet mit zunächst zwölf zugewanderten Jugendlichen ihre ersten berufsvorbereitenden Maßnahmen.

1985
In einer ehemaligen Kranfabrik an der Flinger Broich entsteht das Berufsbildungszentrum (BBZ). Mit Unterstützung der Stadt Düsseldorf wird aus dem Industriebau Schritt für Schritt ein moderner Bildungsstandort.

1994
Das AWO Berufsbildungszentrum wird als eigenständige gemeinnützige Gesellschaft gegründet.

1990er- und 2000er-Jahre
Das Angebot wächst kontinuierlich: Neben Berufsvorbereitung und Ausbildung kommen Schulsozialarbeit, Offene Ganztagsschulen sowie zahlreiche Projekte der Jugendberufshilfe hinzu.

Heute
Rund 470 Mitarbeitende begleiten jährlich etwa 3.000 Jugendliche und junge Erwachsene in unterschiedlichen Bildungs- und Qualifizierungsangeboten. Das BBZ zählt zu den wichtigsten Einrichtungen der Jugendberufshilfe in Düsseldorf

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