35 junge Menschen starteten am 4. September bei der Stadtsparkasse Düsseldorf ins Berufsleben – darunter vier „Stuzubis“, die ihre Ausbildung mit einem Finance-Studium an der Hochschule für Finanzwirtschaft und Management verbinden, sowie acht Nachwuchskräfte, die dank des flexiblen Frühjahrseinstiegs bereits im März begonnen haben. // Fotos: Sparkasse Düsseldorf
Was hat ein Kühlschrank mit moderner Ausbildung zu tun? Mehr als man zunächst vermuten würde. Bei der Stadtsparkasse Düsseldorf arbeiten acht Azubis im Rahmen von Ökoprofit an einem Nachhaltigkeitsprojekt mit, das im Privatkundencenter Monheim gestartet ist. Sie suchen nach Möglichkeiten, Energie und Ressourcen zu sparen – und lernen dabei ganz nebenbei, wie sich Veränderungen in einem Unternehmen tatsächlich anstoßen lassen.
Ökoprofit ist ein Klimaschutzprogramm, das Unternehmen dabei unterstützt, Energie und Ressourcen effizienter einzusetzen und gleichzeitig Kosten zu senken. Die Stadtsparkasse Düsseldorf nimmt an der zehnten Runde teil – mit einer Besonderheit: Acht Azubis aus dem ersten Lehrjahr gehören zum Projektteam und arbeiten von Anfang an aktiv mit.
Dass es dazu kam, war zunächst gar nicht geplant. Eine Teilnahme an Ökoprofit stand zunächst sogar auf der Kippe. „Wir hatten einfach nicht die personellen Kapazitäten“, erinnert sich Nachhaltigkeitsmanagerin Vera Brandes. Dann entstand im Austausch mit der Stadt Düsseldorf die Idee, zwei Vorhaben miteinander zu verbinden. Schon länger wollte die Stadtsparkasse ihre Azubis zu Energiescouts ausbilden. Warum also nicht Ökoprofit nutzen, um ihnen genau diese praktische Erfahrung zu ermöglichen?
Beim ersten Praxistag im Privatkundencenter Monheim wurde es dann sehr konkret. Stromverbrauch, Beleuchtung, Wasserdurchfluss und Abfalltrennung kamen auf den Prüfstand.
„Es gibt unzählige kleine Stellschrauben. Wenn man nur ein bisschen daran dreht, macht das in der Summe enorm viel aus.“
Vera Brandes, Nachhaltigkeitsmanagerin der Stadtsparkasse Düsseldorf
Unter dem Glasdach im Atrium wurden bei eingeschaltetem Dekolicht beispielsweise 4.000 Lux gemessen, deutlich mehr als notwendig. Konsequenz: Das Dekolicht kann dauerhaft ausgeschaltet werden. Vor der Gewerbekundenkasse waren es 2.300 Lux, auch hier wird eine Reduzierung geprüft. Im Keller wiederum kann ein Präsenzmelder verhindern, dass Licht unnötig lange brennt. An einem Arbeitsplatz zeigte das Messgerät sieben Watt Standby-Verbrauch. Klingt zunächst nach wenig. Auf 20 Arbeitsplätze hochgerechnet kommen im Jahr aber bereits rund 290 Euro zusammen. Auch in der Teeküche wurde Einsparpotenzial entdeckt: Mehr als 18 Liter Wasser flossen dort pro Minute aus dem Hahn. Manchmal reicht sogar ein kleiner Handgriff. Der Kühlschrank im Keller war auf drei Grad eingestellt und wurde auf sieben Grad hochgeregelt. Als Faustregel gelten rund sechs Prozent weniger Energieverbrauch pro Grad.
v.l: Filialleiter Bernd Forelle, Patrick L’Honneux, Dennis Kolesnikov und Jasmina Klotz während des Projekts in Monheim
Für Diyar Güngör, aus dem Nachhaltigkeitsmanagement, der dieses Thema federführend organisiert, zeigt sich daran, dass es nicht immer die großen Maßnahmen sein müssen. „Es gibt unzählige kleine Stellschrauben, an denen unnötig Energie verloren geht. Wenn man nur ein bisschen daran dreht, macht es in der Summe viel aus.“
Bei Lichtschaltern und Kühlschränken bleibt es allerdings nicht. Auf der Agenda stehen auch größere Maßnahmen wie eine Photovoltaikanlage und eine Dachbegrünung im Zuge der geplanten Dachsanierung sowie Veränderungen an Lüftungsanlage und Fußbodenheizungssteuerung. Die technischen Entscheidungen liegen beim Gebäudemanagement. Die Azubis übernehmen die Vorarbeiten, tragen Daten zusammen und beschaffen Informationen aus dem Standort. Monheim wird dabei zum Pilotprojekt. Was hier funktioniert, soll auf weitere Privatkundencenter übertragen werden. Damit werden die jungen Projektmitglieder zu Multiplikatoren für Nachhaltigkeit innerhalb der Stadtsparkasse. Dass viele von ihnen derzeit bereits in der Monheimer Filiale eingesetzt sind, ist ein zusätzlicher Vorteil, ergänzt Ruchira Chakrabarty aus dem Nachhaltigkeitsteam.
Früh Verantwortung übernehmen
Das Nachhaltigkeitsprojekt zeigt zugleich, was Ausbildungsleiterin Mai Thi Pham unter moderner Ausbildung versteht: Junge Menschen sollen möglichst früh Verantwortung übernehmen. „Wir trauen unseren Auszubildenden sehr viel zu. Sie sollen vom ersten Tag an aktiv mitarbeiten und Kunden beraten“, sagt sie.
„Ein Ausbildungsabschluss ist keine Endstation. Es gibt immer die Möglichkeit, sich fachlich und persönlich weiterzuentwickeln.“
Mai Thi Pham, Ausbildungsleiterin der Stadtsparkasse Düsseldorf
Dazu gehört es auch, ihnen Perspektiven über den eigentlichen Ausbildungsabschluss hinaus aufzuzeigen. „Die Auszubildenden haben sehr viele Möglichkeiten, sich im Haus weiterzuentwickeln“, sagt Pham. Schon während ihrer Ausbildung können sie in unterschiedliche Bereiche hineinschnuppern, eigene Interessen entdecken und herausfinden, wohin der berufliche Weg führen könnte. Zur Ausbildung gehört aber auch, was in keinem Lehrbuch steht. Beim sogenannten „Bergfest“ kommen die Azubis außerhalb des üblichen Arbeitsalltags zusammen. Auf dem Programm stehen Persönlichkeitsentwicklung, Teambuilding und Präsentationstraining. Das ist nicht zuletzt eine Investition in die eigenen Fachkräfte von morgen. Denn Nachwuchs zu finden und langfristig zu halten, ist für Unternehmen längst keine Selbstverständlichkeit mehr. Bei der Stadtsparkasse nimmt ein Großteil der Azubis nach dem Abschluss das Übernahmeangebot an. „Wir brauchen den Nachwuchs“, betont Pham. Die jungen Talente sollen deshalb auch nach der Ausbildung begleitet und weiterentwickelt werden – zu den Fach- und Führungskräften von morgen.
Vera Brandes (2.v.re.) und Ruchira Chakrabarty (re.) zusammen mit dem Nachhaltigkeits-Projektteam
Von Monheim in die Filialen
Zurück nach Monheim. Das Ökoprofit-Projekt läuft noch bis ins kommende Jahr weiter. In Workshops geht es unter anderem um Photovoltaik, gesetzliche Grundlagen und Abfallmanagement. Die Ergebnisse werden anschließend daraufhin geprüft, was sich umsetzen und auf andere Standorte übertragen lässt.
Dabei zeigt sich noch etwas, was die Azubis aus dem Projekt mitnehmen können: Nachhaltigkeit funktioniert nicht als Aufgabe einer einzelnen Abteilung. Gebäudemanagement, Personal, interne Kommunikation und die einzelnen Standorte müssen zusammenspielen. „Es ist eine sehr vernetzte Aufgabe“, sagt Brandes. Gerade wenn sich auch das Verhalten im Arbeitsalltag verändern soll, brauche es Menschen, die Wissen weitertragen und andere für das Thema sensibilisieren. Am Ende des Programms steht die Ökoprofit-Zertifizierung für den Standort Monheim. Im besten Fall bleibt es aber nicht dabei. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen auch in den anderen Filialen umgesetzt werden.
