Fotos: Klaus Richter
Im TAB-Unternehmer-Board sprechen Firmenchefs über Fehlentscheidungen, schlechte Zahlen und blinde Flecken. André Wilmshöfer erklärt, warum der Blick von außen manchmal wertvoller ist als jeder Berater. Seit 2025 begleitet der Diplom-Ingenieur Unternehmer in Düsseldorf Mitte und Süd. Wir trafen ihn in einem Café, wo der ehemalige DEG Eishockey-Profi hinradelte, wie auch zu seinen Terminen.

Herr Wilmshöfer, Sie waren 25 Jahre Geschäftsführer und Gesellschafter mit Verantwortung für rund 500 Mitarbeiter. Heute sind Sie Franchise-Unternehmer bei TAB, The Alternative Board. Hätten Sie sich in dieser Zeit ein Unternehmer-Board wie TAB gewünscht?

André Wilmshöfer: Auf jeden Fall. Wir waren mehrere Gesellschafter und haben uns ausgetauscht, aber jeder hatte eigene Interessen im Hinterkopf. Ein unabhängiger Austausch mit Unternehmern aus anderen Branchen hätte mir definitiv bei meiner Entwicklung geholfen.

Warum haben Sie 2025 die Seiten gewechselt?

André Wilmshöfer: Ich wollte herausfinden, was mir jenseits der Geschäftsführerrolle wichtig ist. Menschen weiterzuentwickeln, Strukturen zu schaffen und Unternehmen voranzubringen, das hat mir immer Freude gemacht. Bei TAB kann ich diese Erfahrung weitergeben und bin selbst Unternehmer.

Warum fällt es gerade Unternehmerinnen und Unternehmern so schwer, sich Rat zu holen?

André Wilmshöfer: Wer Unternehmer ist, ist es gewohnt, Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Sich dann bewusst andere Perspektiven zu holen, ist nicht für jeden selbstverständlich. Im Board sitzen Menschen auf Augenhöhe zusammen. Jeder bringt Erfahrung auf unterschiedlichen Feldern mit. Genau das macht den Austausch wertvoll.

 

Wie läuft ein Board-Meeting ab?

André Wilmshöfer: Ein Board besteht bei mir aus sechs Unternehmern. Wir treffen uns einmal im Monat für vier Stunden, jeweils bei einem der Mitgliedsunternehmen. Es gibt eine feste Struktur. Die Mitglieder bringen ihre Themen ein, zunächst werden offene Fragen gestellt, dann kommen die Erfahrungen und Perspektiven der anderen. Zusätzlich hat jedes Mitglied monatlich eine Stunde Einzelcoaching bei mir. 

Vier Stunden sind für Manager nicht wenig …

André Wilmshöfer: Es sind vier Stunden, die man sehr konzentriert in die Weiterentwicklung des Unternehmens investiert. Zwölfmal im Jahr nimmt man sich bewusst Zeit für Themen, die im Tagesgeschäft sonst liegen bleiben. Wenn dadurch eine falsche Entscheidung vermieden wird, rechnet sich der Aufwand schnell, nicht nur zeitlich, sondern auch finanziell.

 

Was kostet denn eine Mitgliedschaft?

André Wilmshöfer: Das richtet sich nach Größe und Umsatz des Unternehmens, liegt in der Regel zwischen 800 und 1100 Euro monatlich.

 

Welche Themen landen regelmäßig auf dem Tisch?

André Wilmshöfer: Personal- und Kommunikationsthemen, Konflikte mit Mitarbeitern, Unternehmensnachfolge, Exit-Strategien und strategische Fragen. In Familienunternehmen geht es häufig auch um Rollen, etwa wenn die nächste Generation übernimmt oder der Vater noch mitentscheidet. Schwieriger wird es meist, wenn es um die eigene Entwicklung und blinde Flecken geht.

Wie offen sprechen Unternehmer über schlechte Zahlen oder Fehlentscheidungen?

André Wilmshöfer: Erstaunlich offen. Vertraulichkeit ist dafür entscheidend. Alle Mitglieder verpflichten sich zur Verschwiegenheit.

 

Welche Rolle haben Sie dabei?

André Wilmshöfer: Im Board versuche ich möglichst wenig zu coachen. Meine Aufgabe ist es vor allem, den Austausch zu strukturieren. Im Einzelcoaching bereiten wir Themen vor oder nach.

 

TAB wurde 1990 in den USA gegründet, seit 2013 gibt es das Modell in Deutschland. Warum ist es hier nicht so bekannt?

André Wilmshöfer: Das habe ich mich anfangs auch gefragt, weil das Angebot auf den Mittelstand zielt. In Deutschland sind inzwischen mehr als 1.000 Unternehmer dabei. Bei einem Franchise denkt man zunächst an einen bekannten Namen, und TAB ist als Marke noch nicht überall präsent. Mich hat letztlich weniger die Marke überzeugt als das Konzept.

Wie viele Unternehmer betreuen Sie aktuell?

André Wilmshöfer: Ich baue gerade zwei weitere Boards auf. In Düsseldorf gibt es außerdem einen Kollegen für den Norden. Insgesamt sind in Düsseldorf bis zu etwa 30 Unternehmer in TAB-Boards organisiert.

Wer sitzt typischerweise in Ihren Gruppen?

André Wilmshöfer: Häufig sind es Unternehmer ab etwa 40, die sich fragen: Was ist der nächste Schritt? Es gibt aber auch jüngere Mitglieder. Unternehmerinnen sind bislang in der Minderheit. Und wer dabei ist, bleibt auch dabei.

Sie beraten andere Unternehmer. Wen fragen Sie selbst, wenn Sie vor einer schwierigen Entscheidung stehen?

André Wilmshöfer: Andere TAB-Partner in einem Peer-Board in NRW. Gerade heute habe ich dort ein eigenes Thema eingebracht. Dann kommen die offenen Fragen und plötzlich merkt man, an welche Aspekte man selbst noch gar nicht gedacht hat. Genau das ist der Kern des Modells.

http://www.unternehmer-im-austausch.de/

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