Fotos: Jochen Rolfes
Sportsgeist trifft Sportförderung: Henrietta Six lebt das Sportengagement der Stadtsparkasse Düsseldorf
Die Rollen surren über den Asphalt, aus den Boxen dröhnt der Beat vom rollenden DJ-Pult. An der Reuterkaserne am Rheinufer trudeln immer mehr Skater ein, schnüren ihre Inliner, lachen, fachsimpeln, drehen die ersten Runden.
Mittendrin: Henrietta Six. Die neue stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Stadtsparkasse Düsseldorf ist Frontfrau und Schirmherrin der Rollnacht, einer Veranstaltung ganz nach ihrem Geschmack. Die ehemalige Leistungshandballspielerin hat sportlichen Ehrgeiz und Disziplin aus dieser Zeit mitgenommen – und das Gespür dafür, wie wichtig ein gutes Team ist.
Stillstand ist gar nicht ihr Ding, weder sportlich noch beruflich.
Sport hält eine Stadt zusammen
Die Rollnacht gehört längst zum Düsseldorfer Veranstaltungskalender. Seit 2008 ziehen die Skater regelmäßig durch die abgesperrten Straßen der Stadt. Neun Termine stehen allein in der Saison 2026 auf dem Programm; beim Saisonauftakt im April wurde die 150. Rollnacht gefeiert. Die Strecken wechseln von Termin zu Termin und führen in unterschiedliche Stadtteile. 21 Kilometer führt die Tour an diesem Abend durch den Düsseldorfer Norden – mit einem Ziel, das normalerweise Fußballern und Konzertstars vorbehalten ist: die Merkur Spiel-Arena. Hier dürfen die Skater sogar eine Runde um den Rasen drehen.
Geld allein reicht nicht
Wer einmal ehrenamtlich einen Verein geführt hat, weiß, dass zwischen Trainingsplatz und Vereinsheim längst eine kleine Unternehmenswelt entstanden ist. Sportstätten müssen betrieben und finanziert, Fördermittel beantragt, Investitionen geplant und Konten geführt werden. Und am Schreibtisch sitzen dabei häufig keine hauptberuflichen Manager, sondern Ehrenamtliche, die all das zusätzlich zu Beruf und Familie stemmen.
Hier setzt eine weitere Neuerung der Stadtsparkasse an: Sie hat eine eigene Einheit für Vereine und Stiftungen geschaffen – und damit das Thema zur „Chefsache“ gemacht. Schließlich betreut das Haus rund 2.500 Vereine und 160 Stiftungen. Die Einheit ist direkt beim Vorstand angesiedelt und eng mit Spenden und Sponsoring sowie der Stiftungs- und Gründungsberatung verzahnt. Dort wird das Know-how gebündelt von Finanzierungsfragen und Fördermitteln bis hin zum Betrieb von Sportstätten. So sollen Abläufe schneller und die Beratung gezielter werden. Damit bekommt die Vereinsförderung eine zweite Dimension: Es geht nicht nur darum, Geld zu verteilen, sondern auch darum, Strukturen zu stärken und den Menschen das Leben ein wenig leichter zu machen, ohne die ein großer Teil des gesellschaftlichen Lebens in Düsseldorf gar nicht funktionieren würde.
Geld fließt natürlich trotzdem – und zwar ordentlich. Allein aus dem PS-Zweckertrag stehen in diesem Jahr 746.327,61 Euro zur Verfügung. 197 Vereine und Organisationen aus Düsseldorf und Monheim profitieren davon. Bei der diesjährigen Übergabe im Rathaus standen besonders die Vereine im Mittelpunkt, die sich für Sport und Gesundheit engagieren. Für die Stadtsparkasse gehört die Unterstützung dieses Engagements zum Selbstverständnis. Das scheint auch nach innen zu wirken: Mehr als 80 Prozent der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gaben bei einer internen Befragung an, auch deshalb gerne für die Stadtsparkasse zu arbeiten, weil ein großer Teil der erwirtschafteten Gelder wieder den Menschen in Düsseldorf und Monheim zugutekommt. Und während die Stadtsparkasse damit einiges in Bewegung bringt, gilt das für Henrietta Six auch ganz persönlich.
Eine, die nicht stillsitzen kann
Denn Sport gehört für sie seit jeher zum Leben und in ihren Terminkalender. Radfahren, Gewichtstraining, Rudergerät, Crosstrainer, Ganzkörpertraining: Hauptsache Bewegung. Am Wochenende wird daraus ihre persönliche Auszeit. „Henni-Time“, nennt sie die Zeit, in der der Terminkalender Pause hat und der Kopf wieder frei wird. Im Urlaub darf es dann gerne noch eine Spur anspruchsvoller sein. Six zieht es in die Berge, am liebsten hinauf auf einen Gipfel – Kaiserschmarrn danach auf der Hütte gibt`s zur Belohnung. Auch den Tafelberg in Kapstadt hat sie bestiegen, ließ sie sich von kräftigem Wind zunächst nicht abhalten. Nach zwei Dritteln entschied sie sich dann doch für den Rückweg. Ihr Mann, erzählt sie lachend, müsse ihre sportliche Unternehmungslust gelegentlich „ausbaden“. Herausforderungen anzunehmen, dabei aber auch den richtigen Moment für eine Kurskorrektur zu erkennen – diese Haltung findet sich auch in ihrer beruflichen Biografie wieder. Denn auch ihr Weg in die Vorstandsetage verlief keineswegs auf einer vorgezeichneten Route.
Von der Lohntüte in die Vorstandsetage
Dass sie einmal an der Spitze einer großen Sparkasse stehen würde, hätte sich die junge Henrietta Six wohl kaum träumen lassen. Sie wächst in Ungarn in kleinen Verhältnissen auf. Gelebt wird von der Lohntüte der Eltern. Umso größer ist die Freude über die kleinen Dinge: über eine neue Jeans etwa, in der Henrietta am liebsten gleich schlafen möchte.
Als erwachsene Frau kommt sie nach Deutschland. Und ihre Vorstellung vom eigenen Leben ist zunächst erstaunlich traditionell: heiraten, Hausfrau werden, Kinder bekommen. Die entscheidende Veränderung entsteht mit wachsender Lebenserfahrung. Six fasste einen Entschluss: Sie will wirtschaftlich auf eigenen Füßen stehen. Die wichtigste Konstante im eigenen Leben sei man schließlich selbst, sagt sie. Eine minutiös geplante Karriere beginnt damit allerdings nicht. Zunächst absolviert Six eine Banklehre und geht in ihrer Arbeit auf. Sie entwickelt sich weiter, Schritt für Schritt. Ihr erstes großes Ziel: Firmenkundenberaterin zu werden. Doch dafür muss sie sich ausgerechnet mit einem Thema anfreunden, das ihr gar nicht liegt: Bilanzen. „Ich wollte nie mit Bilanzen zu tun haben. Ich habe sie nicht verstanden“, erinnert sie sich. Bis ein Förderer zu ihr sagte: „Henni, das kannst du lernen.“ Sie besorgt sich Lehrunterlagen, arbeitet diese zu Hause minutiös durch und bittet einen erfahrenen Firmenkundenbetreuer, ihr nach Feierabend Jahresabschlüsse und betriebswirtschaftliche Auswertungen zu erklären. Je tiefer sie einsteigt, desto mehr verändert sich ihr Blick. Und ausgerechnet Bilanzen beginnen ihr Spaß zu machen. Der Wunsch, Führungsverantwortung zu übernehmen, entsteht erst später. Auch ein Sitz im Vorstand ist lange kein festes Karriereziel. Heute sagt sie über ihren Weg: „Ich lebe meinen Traum.“
Foto: Heike Katthagen
ZOO:M fragt – Henrietta Six antwortet
Wie fühlt es sich an, heute an diesem Punkt zu stehen?
Henrietta Six: Ich wollte gestalten und entscheiden können: Strategien entwickeln, Menschen mitnehmen, Dinge bewegen. Heute treffe ich Entscheidungen gemeinsam mit meinen Vorstandskollegen. Und manchmal denke ich tatsächlich: Da ist niemand mehr über dir, der dir sagt, was du als Nächstes tun sollst. Das bin jetzt ich. Das ist schon ein besonderes Gefühl.
Wie viel Bauchgefühl darf man sich in einer solchen Position erlauben?
Henrietta Six: Sehr viel – wenn es auf Erfahrung basiert. Ich bin ein Bauchmensch und habe gelernt, meinem Gefühl zu vertrauen. Natürlich überprüfe ich meinen ersten Eindruck und urteile nicht vorschnell. Aber erstaunlich oft bestätigt sich mein Bauchgefühl im Nachhinein. Dazu gehört es für mich auch, Menschen genau zuzuhören. Menschenkenntnis ist etwas, das man sich über viele Jahre erarbeitet.
