Fotos: Jochen Rolfes

Drei Mitarbeiter, drei Generationen, drei Arbeitswelten

Wer das Teekanne-Werk in Düsseldorf betritt, erlebt, wie aus Kräutern, Früchten und Gewürzen eines der beliebtesten Genussmittel der Deutschen entsteht. 66,1 Liter Tee trinken die Deutschen im Jahr, davon 39,2 Liter Kräuter- und Früchtetee und 26,9 Liter schwarzer und grüner Tee. 

Bevor wir die Produktionshallen betreten, legen wir Uhren und Schmuck ab, schlüpfen in weiße Vlieskittel und ziehen rote Hauben an. Auf dem riesigen Werksgelände sind wir unter Aufsicht und auf markierten Fußgängerwegen unterwegs. Vor der Produktionsstraße heißt es noch einmal Hände waschen und desinfizieren. Dann öffnet sich die Tür zur industriellen Seite eines Produkts, das zu Hause in kochendem Wasser endet. Der Maschinenfuhrpark rattert, Verpackungsmaterial läuft über Rollen, über Trichter und Rohre landet der Tee im Beutel und das im Sekundentakt. Damit Milliarden davon zuverlässig ihren Weg in den Handel finden, braucht es automatisierte Anlagen, ein modernes Lager und digitale Systeme. Vor allem aber Menschen, die merken, wenn etwas nicht rundläuft. Burak Ayci ist einer von ihnen. Der Maschinen- und Anlagenführer steht mit zwei Kollegen an einer Linie mit sieben Maschinen. „Wo ein Fehler ist, da geht einfach jemand hin“, sagt Ayci. Und wenn mehrere Maschinen gleichzeitig ein Problem haben? „Dann beeilen wir uns.“

Burac Ayci ist Maschinen- und Anlagenführer, er kam als Quereinsteiger und blieb.

Geplant war diese Laufbahn nicht. Ayci hat eine Ausbildung zur Fachkraft für Hafenlogistik gemacht und Rohre geschweißt. 2021 kam er über eine Arbeitnehmerüberlassung zu Teekanne. Die Arbeit gefiel ihm, er fragte nach einer festen Stelle und wurde übernommen. Heute kennt er seine Anlagen so gut, dass er manches Problem bereits kommen sieht, bevor die Technik Alarm schlägt. Auch der Sortenwechsel bleibt Handarbeit. Dafür müssen Verpackungsmaterialien entfernt, die Anlage gereinigt und für den nächsten Auftrag vorbereitet werden. Welchen Tee er besonders gerne trinkt? „Heiße Liebe und Ingwer und Zitrone“, kommt es wie aus der Pistole geschossen. Kaffee trinkt er keinen.

Wenn der Tee auf Reisen geht

Nach der Produktion beginnt die nächste Etappe. Ruben Muluve kam 1989 aus Kenia nach Deutschland und arbeitet seit 1991 bei dem Düsseldorfer Unternehmen. Als Distributionslogistiker sorgt er dafür, dass die fertige Ware das Werk ordnungsgemäß verlässt. Im Fertigwarenlager herrscht eine präzise Choreografie: Paletten verschwinden im Hochregallager, werden automatisch abgerufen und genau dort bereitgestellt, wo ihre Reise zum Kunden beginnt.

Ruben Muluve ist seit 35 Jahren dabei und liebt seinen Job als Distributionslogistiker.

Wer sich darunter allerdings einen Arbeitsplatz vorstellt, an dem ein Mitarbeiter vor allem auf einen Bildschirm schaut, liegt falsch. Muluve sitzt kaum still. Mal ist er zu Fuß zwischen den Regalreihen unterwegs, mal mit dem Gabelstapler. Denn nicht jeder Kunde ordert gleich eine ganze Palette. Einzelne Kartons müssen herausgesucht, Sendungen zusammengestellt werden. So digital das Lager auch ist: Irgendwann muss jemand anpacken. Und erst wenn hier alles stimmt, verlässt der Tee das Düsseldorfer Werk.

„Entscheidend ist, dass wir richtig liefern, ohne Fehler“, sagt Muluve. In 35 Jahren bei Teekanne hat er erlebt, wie Computer und Automatisierung die Logistik verändert haben. Und wie eine neue Generation ins Unternehmen gekommen ist. „Die jungen Leute bringen neue Ideen“, sagt er. Aber nicht alles lässt sich digital erledigen. Manche Kartons müssen eben noch von Hand bewegt werden.

Wie Ayci arbeitet auch Muluve im Schichtsystem, Woche für Woche im Wechsel zwischen Früh-, Spät- und Nachtschicht. Am liebsten ist ihm die Frühschicht. Dann gehört der Nachmittag ihm – und dem Sport. Fahrradfahren, Fitnessstudio, Laufen. Wobei „Laufen“ fast ein bisschen untertrieben ist: Muluve war Marathonläufer. Seine Bestzeit: 2 Stunden und 26 Minuten. Und nach 35 Jahren bei Teekanne? Immer noch kein Kaffee. Im Sommer trinkt er Kräutertee, im Winter Früchtetee.

22 Jahre und schon mittendrin

Dorothea Kadelbach bewegt sich in einer ganz anderen Teekanne-Welt. Sie ist 22 Jahre alt und angehende Industriekauffrau im dritten Lehrjahr. Kadelbach machte 2023 ihr Abitur und wollte gerne in einem kaufmännischen Bereich arbeiten. Auf das Unternehmen Teekanne stieß sie über die Onlinebörse der Bundesagentur für Arbeit. Das Logo fiel ihr ins Auge, die Marke kannte sie aus dem Supermarkt. Der Bewerbungsprozess ging schnell. Erst ein Anruf, dann ein Onlinegespräch, schließlich die Einladung nach Düsseldorf. „Das war total locker und per du“, erinnert sie sich. Wenige Tage später kam die Zusage. Für die Ausbildung zog sie nach Düsseldorf und lebt heute in einer WG.

Dorothea Kadelbach zog für die Ausbildung zur Industriekauffrau nach Düsseldorf.

Mittlerweile ist sie im dritten Ausbildungsjahr. Was ihr gefällt? „Ich bin Teil des Teams.“ Besonders gut gefiel ihr bislang die Personalabteilung. Dort habe sie an Projekten gearbeitet und viel Eigenverantwortung bekommen. Auch der Generationenmix gefällt Kadelbach. Die Jüngeren brächten neue Ideen ein, die Älteren viel Erfahrung. Nur bei einer Sache fällt sie ein wenig aus der Teekanne-Rolle: Sie steht auch auf Kaffee. Tee trinkt sie trotzdem gern. Besonders spannend findet sie Sorten, die Teekanne im Ausland verkauft und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Düsseldorf ebenfalls probieren können.

Industrie, die gut duftet

Ein Produktionsstandort wie Teekanne gehört zu einer Seite Düsseldorfs, über die seltener gesprochen wird als über Banken, Mode oder Telekommunikation. Dabei bedeutet Industrie mitten in einer Großstadt mehr als Fabrikhallen und Lkw-Verkehr. Sie bietet Ausbildungsplätze, technische und kaufmännische Berufe. Menschen arbeiten im Schichtdienst, die Wertschöpfung bleibt in der Stadt und gehört zum Stadtteilbild. Wer lange in Düsseldorf lebt oder regelmäßig am Teekanne-Gelände in Düsseldorf-Heerdt vorbeikommt, riecht plötzlich Kräuter, Früchte oder Gewürze. 60 Prozent der Mitarbeit gaben übrigens in einer Teekanne-Befragung an, auf dem Werksgelände allein am Geruch erkennen zu können, welcher Tee gerade in den Hallen produziert wird.

Nach unserem Rundgang streifen wir die roten Hauben und weißen Vlieskittel ab, legen Uhren und Schmuck wieder an und verlassen die markierten Wege. Die Maschinen laufen weiter und es duftet nach Tee.

Das Unternehmen Teekanne

// Teekanne wurde 1882 in Dresden gegründet und ist bis heute ein unabhängiges Familienunternehmen. Düsseldorf ist seit Jahrzehnten der zentrale Standort des Unternehmens. Das 2019 gestartete Tea Processing Projekt mit neuem Rohwarenlager und Feinschnitt-Anlagen-Center bezeichnet Teekanne selbst als größtes Zukunftsprojekt seiner Firmengeschichte und als Bekenntnis zum Standort Düsseldorf.

// Am Düsseldorfer Standort arbeiten aktuell 678 Menschen aus 35 Nationen. Im Durchschnitt sind sie seit 14,5 Jahren im Unternehmen. Mehr als 300 verschiedene Rohwaren werden von rund 150 Lieferanten bezogen.

// Rund 3,2 Milliarden Teebeutel gehen von Düsseldorf in den nationalen und internationalen Vertrieb.

Selbst einmal hinter die Kulissen schauen

Das Unternehmen bietet zweistündige Betriebsbesichtigungen an. Die Führungen finden montags bis donnerstags zu verschiedenen Zeiten statt, mittwochs auch abends. Teilnehmen können auch Kinder ab sechs Jahren.

Der Kostenbeitrag beträgt fünf Euro pro Person, für Schüler und Studenten ist der Rundgang gratis. Gruppen sind bis zu 30 Personen möglich. Buchen kann man nur online: https://www.teekanne.de/shop/de-de/betriebsbesichtigung.html. Bezahlt wird mit Kreditkarte oder PayPal.

Direkt neben dem Werk befindet sich an der Kevelaerer Straße 33 der Werksverkauf mit dem Teekanne-Sortiment, Gastronomie-Artikeln, Produkten aus Österreich und Teezubehör. Infos und Öffnungszeiten: https://www.teekanne.de/de-de/werksverkauf/

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