Jahrhunderte trennte der Rhein die Menschen auf beiden Seiten des Flusses. 1898 ging ein Traum in Erfüllung: Die Gründer der Rheinbahn überwanden den Strom durch den Bau der Oberkasseler Brücke und mit der ersten elektrischen Schnellbahn auf dem Kontinent. Die neue Mobilität schuf schnell einen gemeinsamen Wirtschaftsraum links und rechts des Rheins. Um 1905 fährt ein Fernbahntriebwagen der Rheinbahn auf dem Weg nach Neuss durch das prächtige Brückenportal.
Fotos: Stadtarchiv Düsseldorf / Julius Söhn (Aufmacherbild), Rheinbahn-Archiv

Wie die Rheinbahn Düsseldorf geprägt hat

Seit 130 Jahren prägt die Rheinbahn das Gesicht Düsseldorfs – zwischen Kaiserzeit, Krieg, Wirtschaftswunder und Mobilitätswende. Eine Zeitreise durch eine Stadt, die ohne das Verkehrsunternehmen heute eine andere wäre. Die Geschichte Düsseldorfs auf Schienen erzählt.

Morgens um sechs am Hauptbahnhof. Menschen mit Aktentaschen. Schüler mit schweren Tornistern, Nachtschwärmer auf dem Heimweg. Seit über einem Jahrhundert bewegt die Rheinbahn eine ganze Stadt und ihre Region. 130 Jahre Rheinbahn sind deshalb nicht einfach die Geschichte eines Verkehrsunternehmens. Es ist die Geschichte der Stadt Düsseldorf.

Blick aus dem Rheinbahnhaus auf den verschneiten Bahnhofsvorplatz. Die im Krieg schwer beschädigten Bahnen sind notdürftig instandgesetzt. Holzplatten mit Sehschlitzen ersetzen Glasscheiben, Februar 1947.

130 Jahre Rheinbahn sind deshalb nicht einfach die Geschichte eines Verkehrsunternehmens. Es ist die Geschichte der Stadt Düsseldorf. Um 1900 war die Düsseldorfer Stadtgrenze schnell erreicht. Oberkassel am linken Rheinufer war weit entfernt. Lohausen schon plattes Land. Fahrten zwischen den Stadtteilen waren zeitaufwendig und kompliziert. Erst die elektrische Schnellbahn und das wachsende Straßenbahnnetz veränderten das Leben der Bürgerinnen und Bürger grundlegend.

Die Rheinbahn verband die Stadtteile untereinander und mit den umliegenden Orten; ein zusammenhängender Wirtschaftsraum entstand. Neue Wohngebiete wurden erreichbar, Arbeitswege verkürzten sich, und besonders linksrheinisch entwickelte sich die Bahn früh zum Wachstumsmotor. Der Belsenplatz wurde zum Verkehrsknotenpunkt, die Oberkasseler Brücke, von der Rheinbahn mit privatem Kapital gebaut, zur Lebensader zwischen den Rheinseiten. Die Bahn stand für Fortschritt, Geschwindigkeit und Aufbruch.

Mit den 1920er Jahren beschleunigte sich das Tempo der Stadt. Auf der verbreiterten Oberkasseler Brücke herrschte dichter Verkehr, am Ratinger Tor rollten die Bahnen im Minutentakt vorbei. Düsseldorf wuchs – und die Rheinbahn wuchs mit.

Die Stadt lag in Trümmern. Die Bahnen fuhren weiter.

Als der Zweite Weltkrieg endete, war von der Düsseldorfer Innenstadt kaum etwas übrig.

Zerstörte Straßen, Häuser in Trümmern, der Alltag funktionierte nur noch eingeschränkt. Auch bei der Rheinbahn standen alle Räder still. Doch Busse und Bahnen kamen schon einen Monat nach Kriegsende wieder in Fahrt, auch wenn sie beschädigt waren. Fensterscheiben wurden notdürftig durch Holzplatten ersetzt. Die Menschen taten alles, um das Leben in der Stadt wieder in Gang zu bringen.

Bürger warteten in der Kälte auf Verbindungen, die weit mehr bedeuteten als reine Fortbewegung. Die Rheinbahn brachte Hoffnung, Normalität und Bewegung zurück in eine Stadt, die sich nach dem Krieg neu erfinden musste.

Auch Anfang der fünfziger Jahre waren die Spuren des Krieges noch sichtbar. Auf der Schadowstraße fuhren Straßenbahnen vorbei an zerstörten Häusern und Baustellen. Gleichzeitig begann Düsseldorf bereits wieder aufzublühen. Neue Geschäfte entstanden, die Straßen füllten sich, die Stadt gewann wieder an Tempo.

1952 sind die Spuren des Zweiten Weltkriegs in der Schadowstraße noch zu sehen. Ein Straßenbahnzug der Linie 12 aus Ratingen durchfährt den Straßenzug.

In diesen Jahren wurde die Rheinbahn zum stillen Taktgeber des Wiederaufbaus. Während Düsseldorf wuchs, modernisierte sich auch der Verkehr: Neue Fahrzeuge ersetzten alte Wagen, Strecken wurden ausgebaut, Buslinien erweitert. Die Stadt wurde moderner – und die Rheinbahn fuhr voran.

1955 verabschiedete sich Düsseldorf von der Straßenbahn auf der Königsallee, jetzt fuhr sie auf der breit ausgebauten Berliner Allee. Für viele Menschen war das ein emotionaler Moment. Denn längst gehörten die Bahnen zum Lebensgefühl der Stadt.

Moderne Bahnen lösen die Vorkriegsfahrzeuge ab. Auch auf der Fernlinie D nach Duisburg werden 1960 die neuen Fahrzeuge eingesetzt, hier an der Heinrich-Heine-Allee zu sehen.

Die Zukunft steigt ein

Mit dem Wirtschaftswunder veränderte sich auch das Stadtbild rasant. Neue Bürohäuser entstanden, der Autoverkehr nahm zu, die Stadt wurde internationaler. Gleichzeitig entwickelte sich die Rheinbahn technisch immer weiter – von modernen Großraumwagen zu den Stadtbahnen und den markanten „Silberpfeilen“.

Der erste „Silberpfeil“ geht in Betrieb. Der Spitzname bezieht sich auf die dynamische Form und das neue Outfit: silbergrau mit roten Elementen.

Spätestens mit dem Bau der ersten Tunnelstrecken begann ein neues Kapitel urbaner Mobilität. Die Eröffnung des ersten Stadtbahntunnels 1981 galt damals als Meilenstein. Jahrzehnte später setzte die Wehrhahn-Linie diesen Wandel fort: neue Bahnhöfe, neue Architektur, neue Geschwindigkeit.

Am 20. Februar 2016 feierte Düsseldorf die Eröffnung der Wehrhahn-Linie mit einem Bürgerfest. Tausende nutzten die Gelegenheit, die neue Tunnelstrecke und die kunstvoll gestalteten Bahnhöfe kostenlos zu erkunden.

Auch kulturell wurde die Rheinbahn Teil des Düsseldorfer Lebensgefühls. Immer wieder tauchte sie als Kulisse für Veranstaltungen, Kampagnen und mediale Inszenierungen auf. 2006 verwandelte sie sich plötzlich in ein Fernsehset. Heidi Klum drehte eine Folge von „Germany’s Next Topmodel“ zwischen Bahnsteigen und Waggons der Rheinbahn. Wo sonst Pendler warteten, standen plötzlich Kamerateams, Models und Fotografen.

Annette Grabbe, Vorstandssprecherin der Rheinbahn, und Christian Finke, Mitglied der erweiterten Geschäftleitung (Mitte), im Oldiebahn-Pendel mit historischen Kostümen anlässlich des 130-jährigen Jubiläums der Rheinbahn.

Heute steht die Rheinbahn erneut vor einem Umbruch. Elektromobilität, Digitalisierung und nachhaltige Verkehrskonzepte prägen die Zukunft der urbanen Mobilität. Moderne Elektrobusse fahren bereits emissionsarm durch die Innenstadt, gleichzeitig investiert die Rheinbahn in neue Infrastruktur, digitale Services und Technologien. Projekte wie die neue Stadtbahnverbindung U81 sollen wichtige Standorte künftig noch enger vernetzen. Parallel werden Wasserstoff- und Batterietechnologien sowie autonome Betriebslösungen erprobt. Auch digitale Angebote entwickeln sich weiter – etwa mit dem bargeld- und papierlosen Ticketsystem CALO. Ziel bleibt es, mehr Menschen für Bus und Bahn zu begeistern und einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten.

Zehn neue batterie-elektrische Busse bekommt die Rheinbahn vom Hersteller Irizar, die auf den Innenstadtlinien 726 und 833 fahren.

Und trotzdem ist vieles gleich geblieben. Noch immer steigen jeden Tag Tausende Menschen ein, um zur Arbeit zu fahren, Freunde zu treffen oder nach Hause zu kommen. Vielleicht liegt genau darin das Geheimnis der Rheinbahn: Sie verändert sich ständig – und bleibt doch ein fester Teil der Stadtidentität. Ihr 130-jähriges Jubiläum feiert die Rheinbahn deshalb nicht nur mit einem Blick zurück, sondern auch mit zahlreichen Aktionen in die Zukunft. Geplant ist unter anderem ein großer Bahn-Korso im Sommer.

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