Foto: Hilarius Riese
Stefanie Foese berät juristisch und strategisch
Eine Gründerin hat gerade ihre erste App live gestellt. Nutzer registrieren sich, Daten fließen, die ersten Kontaktformulare werden ausgefüllt. Was die Unternehmerin noch nicht hat: eine Datenschutzerklärung, die zu ihrem Geschäftsmodell passt.
Wer heute gründet, braucht von Anfang an eine wasserdichte Datenschutzerklärung, eine Cookie Policy, ein Impressum. Da gibt es auch keine Ausnahmen, auch nicht für kleine Webseiten. Ohne juristisches Know-how ist das nicht zu stemmen, aber viele scheuen den Gang in eine Kanzlei, weil juristisch immer alles gleich so kompliziert ist oder zumindest so klingt. Ihre Mandanten wissen oft nicht, ob ihre AGBs passen, was sie tun sollen, wenn ihr Business wächst, aber nichts rechtlich strukturiert ist. Sie haben einerseits Angst, etwas falsch zu machen, andererseits befürchten sie Zeit zu verlieren. Das Recht wird für Gründerinnen und Gründer oft zur mentalen Blockade. „Mit mir wird Recht ein Teil der Gründung und des Geschäftsmodells“, erklärt Stefanie Foese.
Foese ist Syndikusrechtsanwältin. Der Begriff bezeichnet eine Juristin, die zur Anwaltschaft zugelassen ist und anwaltlich tätig werden kann, aber als Anwältin in einem Unternehmen arbeitet. Diese Doppelrolle ist in Deutschland erst seit 2016 gesetzlich verankert. Foese ist seit 2019 Senior Legal Counsel Tech & Product bei The Stepstone Group, einer der größten Online-Jobplattformen Europas mit Sitz in Düsseldorf. Als Inhouse-Juristin hat sie alles begleitet, was in einem Unternehmen an Rechtsfragen anfällt, von Verträgen für Snack-Automaten, Microsoft-Lizenzen, Vertriebsrecht bis zu internationalen Plattformfragen. „Ich habe in internationalen Tech-Unternehmen Produkte, Plattformen und datengetriebene Geschäftsmodelle von Anfang an rechtlich begleitet – von der Idee bis zur Skalierung.“ Dieses Wissen möchte sie auch auf dem freien Markt weitergeben an Gründerinnen und Gründer, die rechtlich auf sicherem Boden stehen möchten, aber oft nicht wissen, wo sie anfangen sollen und wer sie dabei unterstützen kann.
Standardlösungen reichen nicht
Viele Gründer greifen zu automatisierten Rechtslösungen, die Standardtexte generieren. Foese versteht das. Was ein solches Tool aber nicht leisten kann: verstehen, was das Geschäftsmodell wirklich tut, welche Datenflüsse entstehen, welche Partnerverträge man eingehen möchte und ob es beispielsweise sinnvoll wäre, Exklusivität zu vereinbaren. Häufig, sagt sie, haben Gründer sich darüber noch keine Gedanken gemacht. Auch wie das Unternehmen ticken soll, welcher Ansatz verfolgt wird, wie „aggressiv“ man auf dem Markt auftreten möchte.
Ihre Arbeitsweise, ihr Denkansatz, unterscheiden sie von einer klassischen Rechtsanwaltskanzlei. Ein Rechtsanwalt sieht nur das, was ihm vorgelegt wird. Foese denkt das Business mit. Sie bezeichnet sich deshalb nicht als Anwältin, sondern als strategische Partnerin an der Schnittstelle von Recht, Produkt und Business. Den Bildschirm teilen, gemeinsam durch den Text gehen, erklären, was dahintersteckt: „Ich möchte die Leute dazu befähigen zu verstehen, was ich mache. Und sie nicht abhängig machen.“
„Ich unterstütze Gründerinnen und Gründer dabei, ihr Business rechtlich sauber und skalierbar aufzubauen.“
Stefanie Foese, Rechtsanwältin
Das spiegelt sich auch im Preismodell wider. Drei Pakete, klare Stundensätze, eine transparente Preisliste. Der „Website Legal Starter“ ist ideal für Selbstständige und kleine Unternehmen und startet bei 800 Euro. Einfache Websites bekommen ein rechtssicheres Impressum, eine Datenschutzerklärung und eine Cookie Policy. Aber auch Leistungspakete für wachsende Unternehmen oder digitale Geschäftsmodelle und Plattformen bietet die juristische Sparringspartnerin an, um jede Gründungsform rechtlich sauber aufzustellen. In der deutschen Anwaltschaft gilt das als Statement. Das Erstgespräch ist kostenlos, digital, auf 30 Minuten begrenzt. Foese findet das überfällig.
Neue Regeln, neue Risiken, neue Hürden
Was gerade dazukommt, ist eine Herausforderung ganz eigener Größenordnung: Am 2. August 2026 tritt der EU AI Act für Hochrisiko-KI-Systeme in Kraft, mit Bußgeldern von bis zu 35 Millionen Euro oder sieben Prozent des weltweiten Jahresumsatzes. Wer KI in sein Produkt integriert, muss prüfen, in welchen Risikobereich er fällt. Im Hochrisikobereich, etwa bei Anwendungen im Personalwesen, Luftfahrttechnik, Spielzeug oder der Medizin, gelten strenge Anforderungen an Dokumentation und Zertifizierung. Foese erklärt das gern mit einem Alltagsbild: „Wer einen Toaster auf den Markt bringt, muss auch eine CE-Zertifizierung haben. Und ein Handbuch muss auch dabei sein.“ KI-Produkte funktionieren nach demselben Prinzip. Die AI-Literacy-Pflicht gilt schon heute: Jedes Unternehmen, das KI einsetzt, muss seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Grundkenntnisse dazu vermitteln. NRW bietet dafür eigens AI-Labs an, die Gründer bei der Umsetzung begleiten.
Frauen und Gründen
Bei Stepstone ist die Unternehmensjuristin Präsidentin der Women’s Initiative. Daneben ist sie seit 2023 Mitglied bei IVY, einem in Düsseldorf gegründeten Boutique-Frauennetzwerk, das inzwischen in mehreren Städten aktiv mit monatlichen Treffen und Impulsvorträgen ist. „Ja, und wir kaufen auch untereinander gerne, weil wir uns unterstützen möchten und von den Produkten überzeugt sind.“
Stefanie Foeses Engagement für das eigene Geschlecht kommt nicht von ungefähr: Laut Female Founders Monitor 2025 der Bertelsmann Stiftung und dem Startup-Verband ist der Anteil weiblicher Start-up-Gründerinnen in Deutschland erstmals seit fünf Jahren gesunken, von 20,7 auf 18,8 Prozent. Bei allgemeinen Existenzgründungen liegt der Frauenanteil dagegen bei rund 44 Prozent. Nur 17 Prozent der Gründerinnen haben einen IT- oder ingenieurwissenschaftlichen Hintergrund, bei männlichen Gründern sind es 44 Prozent. Und was auffällt: 91 Prozent des Wagniskapitals fließen an rein männliche Teams. Foese kennt den Mechanismus: „Das ist ein selbstbefruchtender Zyklus.“ Investoren und Gründer bewegen sich in denselben Kreisen, kennen dieselben Probleme, finanzieren dieselben Lösungen. Wer eine andere Lücke schließen will, steht außen vor. Besonders betroffen sind Start-ups im Endkunden-Bereich in Mode, Konsum oder Food, die Branchen, in denen vor allem Frauen gründen.
Foto: BFrames Media
Regulatorischer Flickenteppich
Rechtliche Unsicherheit macht eine Gründung nicht einfacher. „Jede und jeder, der in Europa, in Deutschland und auch hier in Düsseldorf gründet und ein Geschäft hat, ist super mutig.“ Diesen Gründer-Spirit will Foese nicht durch Paragrafen ausbremsen und vor allem Frauen den Mut geben, zu gründen. Gerade wegen weltweiter Krisen, Abhängigkeiten und unsicherer Lieferketten seien eigene europäische Innovationen und Gründungen wichtig. Ideen und Scale-ups nicht am regulatorischen Flickenteppich in Europa scheitern zu lassen, findet die Juristin wichtig. Sie selber nutzt die europäische, daten- und energiefreundliche Suchmaschine Ecosia, die 100 Prozent der Gewinne für Klima- und Umweltschutz einsetzt und Stand Mai 2026 über 250 Millionen Bäume weltweit gepflanzt hat.
Was bleibt, ist das Bild einer Anwältin, die lieber befähigt als verwaltet, lieber erklärt als abrechnet. Gefragt, was sie in zehn Jahren sein möchte, antwortet sie mit einem Lachen: „Ich engagiere mich schon heute in der Kommunalpolitik, Oberbürgermeisterin käme auch für mich infrage.“
Stefanie Foese
Stefanie Foese ist Mitglied der Rechtsanwaltskammer Düsseldorf. Ihre Schwerpunkte sind IT-Recht und Medienrecht.
Kontakt: Stefanie Foese, foese@kanzlei-foese.de.
