Die Preise für Gas und Strom gehen aktuell durch die Decke. Manche Menschen duschen schon kürzer und planen im Winter die Heiztemperaturen zu senken und sich warm anzuziehen. Energiekosten beim Warmwasser sparen kann man aber auch anders: Bis zu zehn Prozent weniger Energiekosten kann der Einbau eines sogenannten Kalkwandlers einsparen und dafür sorgen, dass wir wichtige Mineralien zu uns nehmen. Erfunden und patentieren lassen hat ihn das Düsseldorfer Unternehmen ION.  Wir trafen  Marc und Oliver Flettner mitten im Grafenberger Wald in ihren Büroräumen in einer weißen Gründerzeitvilla.

Das Düsseldorfer Wasser liegt nach Angaben der Netzgesellschaft Düsseldorf mit etwa 14,8 Grad deutscher Härte (dH) im Härtebereich „hart“. Herr Flettner, ständig lesen wir, dass hartes Wasser ungesund ist. Nun behaupten Sie das Gegenteil.

Marc Flettner: Weil es richtig ist, wie die Wissenschaft feststellt. Denn hartes Wasser ist tatsächlich gesünder, weil es lebenswichtige Mineralien enthält. Kalzium ist wichtig für Knochen, Zähne und Blutgerinnung. Und Mineralien wirken sich positiv auf Nerven, Muskeln und Arterien aus.  Der Irrglaube, dass hartes Wasser schlecht ist, den bekommt man nur sehr schwer aus den Köpfen heraus. Unser Körper braucht den Kalk im Trinkwasser, er ist gesund. 

Alexander Vejnovic, das-fotostudio-duesseldorf.de

Aber meine Waschmaschine und mein
Wasserkocher, die stehen nicht auf Kalk!

Marc Flettner: Deshalb haben wir ein patentiertes Produkt zur Marktreife entwickelt, damit die Menschen gesundes Wasser trinken und die Maschinen im Haushalt eine längere Lebensdauer bekommen. 

Warum habe ich noch nie etwas von
Ihrem Produkt gehört?

Marc Flettner: Weil sich vor allem Eigenheimbesitzer in der Regel nicht genug um ihr Wasser und die Wasseraufbereitung kümmern oder mit Salz, Strom oder Chemie hantieren. Alle diese Methoden haben einen Riesennachteil: Sie filtern den Kalk und damit wichtige Mineralien aus dem Wasser. Wasser mit Mineralien schmeckt übrigens auch viel besser. 

Auf den ersten Blick sieht Ihr Produkt nicht
spektakulär aus. Wie kann so ein Metallstück den Kalk wandeln? 

Marc Flettner: Das Geheimnis liegt im Innenleben, in deutscher Ingenieurskunst. In dem Rohr befinden sich eine Opferanode und eine spezielle Verwirbelungsvorrichtung.

Opferanode?

Marc Flettner: Die Opferanode ist eine Elektrode aus einem Stück hochreinen, aber unedlem Metall, das sonst zum Beispiel die Außenhaut von Schiffen vor Korrosion schützt. Sie heißt tatsächlich so, weil sie sich langsam aufopfert. Deswegen sollte sie auch nach fünf, spätestens nach sieben Jahren ausgetauscht werden. 

Okay, aber wie funktioniert diese Technik im Haushalt?

Marc Flettner: Mit unserem Patent lösen wir ohne Chemie eine chemische Reaktion aus. Unser Kalkwandler arbeitet galvanisch, das heißt elektrolytisch. Man kann das mit einer Autobatterie vergleichen, die anstelle von destilliertem Wasser mit mineralreichem, hartem Wasser arbeitet. Unsere Technik trickst den Kalk aus. Er wird bereits im kalten Wasser ausgefällt, damit er später nicht im heißen Wasser ausfällt. Dazu müssen Sie wissen, dass Kalk nur einmal ausfällen kann. Danach ist er neutral und nicht aggressiv. 

Aber er ist doch noch immer in den Rohren und Leitungen?

Marc Flettner: Ja, aber die Ionisierung reizt den Kalk, sich zu binden. Die neu gebildeten Kristalle lagern sich weniger an den Rohrleitungen und Heizelementen an. Im Gegenteil, sie „beschießen“ bereits vorhandene Verkrustungen und können sie so teilweise reduzieren. Ähnlich wie beim Sandstrahlen, nur schonender. Anschließend fließen die Ionen ab und lassen sich, gesundheitlich unbedenklich, trinken. So können vorhandene alte Ablagerungen in Rohrleitungen und neue Kalkanlagerungen reduziert werden.  Und der Kalk an den Duschköpfen und Armaturen lässt sich ganz einfach wegwischen.

Konkret: Wer braucht einen
solchen Kalkwandler?

Oliver Flettner: Eigentlich alle, die Wasserleitungen haben und deren Trinkwasserhärte zwischen 5 und 25 liegt. Weltweit haben wir mittlerweile wir über 350.000 unserer Kalkwandler einbauen lassen, in Privathaushalten, in Wohnanlagen, in der Hotelerie, im Gewerbe und in Industrieanlagen. 

Und warum wird so ein Teil nicht 

standardmäßig mitverbaut?

Oliver Flettner: Die Stadtwerke sind nur bis zur Wasseruhr zuständig, was danach mit den Wasserrohren passiert, dafür sind die Hauseigner selber zuständig. Lagert sich Kalk und Rost in den Rohren ab, riskiert man einen so genannten Rohrinfarkt oder einen Wasserschaden in der Immobilie. Kalk und Rostablagerungen in Rohrleitungen führen allein in Deutschland jährlich zu Versicherungsschäden in Höhe von rund 1,5 Milliarden Euro. Aber wenn die Versicherung zahlt, macht sich niemand Gedanken darüber, wie man solche Rohrbrüche vielleicht hätte verhindern können. Das ist natürlich etwas kurz gedacht, denn wir alle sind zahlende Mitglieder der Versicherten-Community. Davon abgesehen ist ein Rohrbruch im Haus extrem nervig und der Austausch der Rohrleitungen sehr teuer.

Was kostet denn ein Kalkwandler?

Marc Flettner: Bei einem Einfamilienhaus liegt die Investition zwischen ca. 1.500 und 2.000 Euro inklusive der Installation.  Umgerechnet auf sieben Jahre kostet der Kalkwandler also ca. 25 Euro im Monat. Sie haben bei unserem Kalkwandler keine weiteren Wartungskosten, keine Stromkosten und er benötigt kein Salz und keine chemischen Zusätze. 

Wer baut diese Technik ein?

Oliver Flettner: Wir arbeiten hier von unserer Zentrale in Düsseldorf mit einem Netzwerk von über 300 Installations- und Meisterbetrieben zusammen, die den Einbau und später den Austausch vor Ort durchführen. Der ausgediente Kalkwandler wird dann in unserem Werk in der Nähe von Düsseldorf recycelt, wo auch die neuen produziert werden.

Die Haushalte fragen sich natürlich, ob sich das alles für sie rechnet.

Oliver Flettner: Mit weniger hartem Kalk sparen sie automatisch Energie und Wasserkosten. Die Nebenkosten gehen also runter. Das rechnet sich für jeden Hausbesitzer sofort. 

Wer die Flettners in ihrem Büro besucht, kann gleich etwas für die Allgemeinbildung tun. Im Flur und im Arbeitszimmer gibt es ein vergrößertes Faksimile von einem Brief, den Albert Einstein im Jahr 1925 an Marc Flettners Großonkel schrieb. Einstein attestierte dem Erfinder Anton Flettner darin, „gegenwärtig alle Welt in Erstaunen zu setzen“. Anton Flettner erfand 1918 das Flettner-Ruder, 1922 das Flettner-Schiff und 1936 den Flettner-Hubschrauber. 1947 emigrierte er in die USA, wirkte am amerikanischen Space-Programm mit und gründete 1958 die Flettner Aircraft Corporation. Zwischen 1912 und 1960 meldete Anton Flettner über 1.000 Patente an, von denen viele noch heute in Gebrauch sind.

Seit vier Jahren ist auch der Urgroßneffe Flettners, Oliver Flettner, mit von der Partie. Mitgeholfen in der Firma hatte er schon mit 12 Jahren. Nach seinem Masterstudium in England lernte Oliver Flettner alles über den Aquabion im weltweiten Einsatz. Sein Job ist es, noch mehr Hausverwaltungen, Hotels und Industriebetriebe von der umweltfreundlichen Wasseraufbereitung zu erzählen. „Die Nachfrage steigt, weil das Energiesparpotenzial und die Umweltfreundlichkeit viele überzeugen.“

Wie genau?

Marc Flettner:. Mit jedem Millimeter weniger Kalk auf Heizelementen können Sie umgerechnet bis zu zehn Prozent an Energiekosten sparen. Aber auch im Haushalt selbst sieht man die Vorteile. Die Dosierung des Waschmittels kann reduziert werden, der Geschirrspüler kommt ohne Salz aus und bei der Kaffeemaschine können die Entkalkungszyklen verlängert werden. Außerdem werden die Rohrleitungen besser geschützt. Der Return on Invest ist somit schnell erreicht.

Susan Tuchel

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