Eine neue Unternehmerinnengeneration steht in den Startlöchern

Deutschland hat direkt hinter den USA die meisten Top-Familienunternehmen der Welt. Familienunternehmen bilden das Rückgrat der deutschen Volkswirtschaft. Das liegt auch mit daran, dass die Gründer und ihre Nachfahren häufig über viele Generationen hinweg die Kontrolle über ihre Firma behalten. So sind nur drei der zehn am Umsatz gemessenen größten deutschen Familienunternehmen börsennotiert, darunter zum Beispiel die Henkel AG. 

Herausforderung Unternehmensnachfolge 

Die Unternehmensnachfolge gehört zu den Schlüsselmomenten eines Familienunternehmens. Es geht schließlich darum, die Führungsposition langfristig optimal zu besetzen. Eine Entscheidung mit hoher Tragweite für den Betrieb und die Mitarbeiter. Auch für die deutsche Wirtschaft spielt die Nachfolge in Familienunternehmen eine große Rolle, vor allem vor dem Hintergrund, dass mehr und mehr Unternehmen ins Ausland abwandern oder an internationale Organisationen verkauft werden. 

Viele der führenden Familienunternehmen haben bereits mindestens eine Unternehmensnachfolge erfolgreich gemeistert – und wissen, dass die Herausforderung am ehesten gelingt, wenn sich Familie und Unternehmen frühzeitig mit der Nachfolgeplanung befassen. 

Dass sich eine solche Nachfolgeplanung auch Schritt für Schritt entlang des Ausbildungsweges entwickeln kann, zeigt das Beispiel von Mirja Lechtenböhmer (26) und dem elterlichen Unternehmen, der Legi GmbH aus Moers. Für die Tochter des Unternehmensinhabers Norbert Lechtenböhmer war keineswegs von Anfang an klar, dass sie eines Tages in die Fußstapfen ihres Vaters treten wollte. Im Gegenteil, für sie war es viel wichtiger zunächst eigene Erfahrungen in der Wirtschaft zu sammeln. 

„Direkt nach dem Studium kam es für mich gar nicht in Frage ins Familienunternehmen einzusteigen. Ich wollte zuerst meinen eigenen Weg gehen. Von Elternseite bzw. von Seiten meines Vaters gab es dabei auch nie irgendwelchen Druck. Wir haben immer Step by Step geschaut, wie sich alles entwickelt“, sagt Mirja Lechtenböhmer. 

Vom Studium zum Trainee-Programm bei der Stadtsparkasse Düsseldorf

Sie studierte BWL zunächst in Köln bis zum Bachelor mit den Schwerpunkten Marketing- und Wirtschaftspsychologie und absolvierte ihren Master mit dem Fokus Unternehmensführung dann in Düsseldorf. Vor Beendigung des Studiums legte Mirja Lechtenböhmer ein Praxissemester bei der Stadtsparkasse Düsseldorf ein, wo sie im Bereich Innovationsmanagement tätig war. Während sie noch an ihrer Masterarbeit schrieb, arbeitete sie auf Werkstudentenbasis bei der Stadtsparkasse weiter, um nach dem Studienabschluss auch ihren Berufseinstieg im Rahmen des Trainee-Programms der Stadtsparkasse zu vollziehen. In der strategischen Unternehmensentwicklung wurde Mirja Lechtenböhmer bereits als Trainee in wichtige Strategieprojekte eingebunden, bei denen es um die Geschäftsstrategie der gesamten Stadtsparkasse Düsseldorf ging.

Einen Tag lang Schatten der Vorstandsvorsitzenden Karin-Brigitte Göbel sein

Ein besonderes Highlight für sie war, dass sie gemeinsam mit anderen jungen weiblichen Talenten die Vorstandsvorsitzende Karin-Brigitte Göbel einen Tag lang als ihr „Schatten“ begleiten durfte. Der so genannte „Shadowing Day“ ist ein Projekt, das von Göbel speziell zur Talentförderung junger Nachwuchskräfte initiiert wurde. „Frau Göbel nahm sich zwischen den einzelnen Terminen immer genügend Zeit, damit wir Fragen stellen konnten und tieferen Einblick in strategische Entscheidungen gewinnen konnten“, erzählt Mirja Lechtenböhmer.

„Jede Generation prägt ein  Unternehmen auf ihre Weise, zum Beispiel durch neue Produkte und Strategien.“

Früh Verantwortung zu übernehmen, ist prägend

Rückblickend stellt die angehende Familienunternehmerin fest, dass sie sowohl fachlich als auch menschlich bei der Stadtsparkasse Düsseldorf gereift ist. „Das begann bereits im Praktikum, das ich quasi als Quereinsteigerin begonnen habe, ohne viel Bankvorwissen zu haben.“ Schon währenddessen durfte sie das erste Projekt federführend managen, die „Open Innovation Challenge Build your Bank“, einen Ideenwettbewerb für junge Leute, der seinen Höhepunkt in einer Live-Veranstaltung fand, bei dem die Teilnehmer vor einer Jury, zu der auch Vorstandsmitglieder gehörten, gepitcht haben. Gemeinsam mit einem Kollegen moderierte Mirja die Veranstaltung,
die live ins Internet übertragen wurde. Mehr als 900 Zuschauer sahen in der Spitze zu.

 

Einstieg ins Familienunternehmen

Im Juni erfolgte mit dem Einstieg ins Familienunternehmen eine völlig neue Phase. Die Entwicklung des Generationenübergangs wird zwar noch ein paar Jahre andauern, bis der Vater die Geschäftsführung in die Hände von Mirja und ihrer Schwester als Doppelspitze legen wird, aber beide haben nun den Schritt gemeinsam ins Familienunternehmen gewagt. Bis sie die Geschäftsführung übernimmt, kann Mirja sich noch in Ruhe in alle wichtigen Bereiche einarbeiten. Die zwei Geschwister haben ihre eigenen inhaltlichen Schwerpunkte und können so ihre unterschiedlichen Kompetenzen ins Unternehmen einbringen. So wird Mirja Marketing, Finanzen und Strategie übernehmen und ihre Schwester – die Wirtschaftsingenieurwesen studiert hat – für Produktion, Produktentwicklung und Logistik verantwortlich sein.

 

Traditionsunternehmen in dritter Generation

Die Legi GmbH ist ein traditionelles Unternehmen mit über 400 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen, das mit dem Übergang auf Mirja und ihre Schwester Inga dann bereits in dritter Generation besteht. Spezialisiert auf Zaun-, Tor- und Ranksysteme aus Stahl bietet die Legi GmbH vom Rohstoff bis zum Endprodukt eine hundertprozentige Fertigungstiefe. Der Vertrieb der Produkte erfolgt über Einzelhändler. Gegründet wurde das Unternehmen 1949 von Großvater Hans Lechtenböhmer. Der Erfolg lag jedoch zunächst nicht in der Zaunproduktion. Hans Lechtenböhmer kam ursprünglich aus dem Bergbau und entwickelte spezielle Gittermatten zur Absicherung der Bergbauschächte gegen Steinschlag und zum Schutz vor Explosionen. Als sich der Bergbau in der Region rückläufig entwickelte, entstand aus diesen Gittermatten der erste Doppelstabmattenzaun aus Stahl, das heutige Kernprojekt der Legi GmbH. 

 

Nachhaltigkeit ist ein großes Thema

Auch andere Produkte rücken heute vermehrt wieder in den Fokus. „In den 80er Jahren haben wir sehr viele Rankanlagen u. a. zur Tiefgaragenbegrünung gebaut. Diese Produkte haben in der Zwischenzeit weniger Verwendung gefunden und erleben nun eine Renaissance. Denn im Zusammenhang mit dem Klimawandel wird das Thema Fassaden- und Hausbegrünung zur CO2-Reduzierung wieder brandaktuell“, erklärt Mirja Lechtenböhmer. 

Herausforderung Personalführung

Wenn Geschwister als Team zu Kolleginnen werden, birgt das ganz eigene Herausforderungen, z. B. bei beruflichen Konflikten. „Ich sehe es hingegen mehr als Chance. Wir kennen uns gegenseitig besser als jeder andere, wir verstehen uns mit nur wenigen Worten. Ehrlichkeit und Direktheit stehen da natürlich im Vordergrund. Ich freue mich sehr, meine Schwester von nun an wieder täglich zu sehen und sie mal eben im Nachbarbüro besuchen zu können“, sagt Mirja Lechtenböhmer.  

Alexandra von Hirschfeld

$

Das Trainee-Programm der Stadtsparkasse

Die Ausbildung und Qualifizierung junger Nachwuchskräfte durch das Trainee-Programm spielt in den Unternehmen der Sparkassen-Finanzgruppe mit deutschlandweit 360 Sparkassen eine große Rolle. Neben den mehr als 14.900 Auszubildenden beginnen jährlich rund 350 Trainees hier ihren Karriereweg. Trainees sind in der Regel Absolventen und Absolventinnen von Universitäten oder Fachhochschulen oder einer Berufsakademie bzw. dualen Hochschule, die auf eine Fach- oder Führungskarriere vorbereitet werden. 

Weitere Infos:

www.sparkasse.de/karriere/studenten-und-absolventen/trainee.html

Pin It on Pinterest