Fotos: Bernd Obermann

Katharina Wettwer über die kreative Kraft der Stadt

Knapper werdende Kulturbudgets und unsichere Förderstrukturen setzen viele Kultur-Einrichtungen und Projekte zunehmend unter Druck. Zuletzt sorgten vor allem die geplanten Kürzungen bei den Bundeskulturfonds für massive Kritik – zeitweise stand sogar eine Halbierung der Mittel im Raum. Umso wichtiger werden Institutionen, die Kulturförderung langfristig und verlässlich unterstützen. Die Kunst- und Kulturstiftung der Stadtsparkasse Düsseldorf setzt daher weiterhin bewusst auf die Förderung von Künstlerinnen, Künstlern und kulturellen Projekten in der Region.

An der Spitze der Stiftung steht nun Katharina Wettwer. Die Kunsthistorikerin kennt die Institution seit vielen Jahren: Bereits 2016 begann sie dort als Werkstudentin, heute führt sie die Stiftung als Geschäftsführerin. Im Interview spricht sie über die Bedeutung von Kulturförderung, die Nähe zur freien Szene – und darüber, warum Düsseldorf für sie auch künftig eine Kunststadt mit internationaler Strahlkraft bleibt.

Frau Wettwer, Sie haben gerade die Geschäftsführung der Kunst- und Kulturstiftung übernommen. Wie fühlt sich das persönlich an?

Es ist natürlich etwas Besonderes, plötzlich in dieser Rolle zu sein – gerade weil ich die Stiftung seit vielen Jahren kenne. Ich freue mich vor allem darüber, gemeinsam mit dem Team die Projekte weiterzuentwickeln und neue Impulse zu setzen.

Gehören Sie mit 34 Jahren zu den jüngsten Geschäftsführerinnen in der Stiftungslandschaft?

Das könnte tatsächlich sein. Entscheidend ist für mich aber vor allem die Erfahrung, die ich hier über viele Jahre sammeln konnte – und die enge Verbindung zur Stiftung und zur Düsseldorfer Kunstszene.

Wie sah Ihr eigener Weg zur Kunst aus?

Ich bin mit Kunst aufgewachsen. Mein Vater ist Kunsthistoriker und Museumsleiter sowie Diözesankonservator im Bistum Münster. Museumsbesuche und Kunst gehörten bei uns immer dazu. Bis heute bin ich von sakraler Kunst – aber eben auch moderner Kunst im kirchlichen Raum – fasziniert.

Studiert habe ich Kunstgeschichte in Münster, später habe ich dann meinen Master in Düsseldorf mit Schwerpunkt Kunstvermittlung in Museum und Kunsthandel gemacht. Während des Masters habe ich mich hier bei der Stiftung beworben und glücklicherweise die Stelle bekommen. 

„Kunst entsteht dort, wo Menschen Ideen möglich machen.“

Katharina Wettwer, Geschäftsführerin der Kunst- und Kulturstiftung der Stadtsparkasse Düsseldorf

Sie haben sogar Ihre Masterarbeit über die Kunstsammlung der Stadtsparkasse geschrieben.

Genau. Dadurch habe ich natürlich ein sehr tiefes Wissen über die Sammlung aufgebaut: welche Werke wir haben, wann sie angekauft wurden und wie sich die Sammlung entwickelt hat. Das hilft im Alltag enorm. 

Gibt es Werke, die Ihnen besonders am Herzen liegen?

Das ist schwierig, weil wir wirklich viele großartige Arbeiten haben. Natürlich ist der Henry Moore im Hofgarten eine herausragende Position. Auch die Werke von Günther Uecker sind besonders.

Spannend finde ich außerdem unsere fotografische Sammlung mit Künstlern wie Thomas Ruff, Bernd und Hilla Becher oder Katharina Sieverding. Im Kunstpalast bauen wir diese Sammlung seit Jahren weiter aus – immer mit einem klaren Düsseldorf- und Rheinland-Bezug. 

Welche Projekte fördert die Stiftung?

Wir fördern nicht nur große Projekte in Bereichen wie Musik, Film, Literatur oder bildender Kunst, sondern auch viele kleinere, sehr kurzfristige Vorhaben – oft von jungen Künstlerinnen und Künstlern oder Studierenden der Kunstakademie.

Dabei geht es nicht nur um finanzielle Unterstützung. Häufig begleiten wir Projekte auch beratend, helfen bei Konzepten oder vermitteln Kontakte und Räume. Dieser enge Austausch macht unglaublich viel Spaß und ist, glaube ich, auch ein echtes Alleinstellungsmerkmal unserer Stiftung. 

Welche Projekte fallen Ihnen spontan ein?

Zum Beispiel Off-Spaces wie Aura, Bloom oder Nails auf der Birkenstraße. Off-Spaces sind unglaublich wichtig für die freie Szene in Düsseldorf, unabhängige, oft experimentelle Kunsträume außerhalb der klassischen großen Museen oder Galerien. Meist werden sie von Künstlerinnen, Künstlern oder Kuratoren selbst betrieben. Hier entstehen spannende Ausstellungen mit jungen Künstlerinnen und Künstlern, viele davon aus der Kunstakademie. Die hier gezeigten Arbeiten sind oft mutiger, spontaner und weniger kommerziell als im etablierten Galeriebetrieb.

Ein weiteres wichtiges Thema sind die Reisestipendien für Studierende der Kunstakademie. Die vergeben wir gemeinsam mit dem Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen. Jedes Jahr wählen wir beim Rundgang drei Stipendiatinnen oder Stipendiaten oder ganze Klassen aus. Wichtig ist uns dabei, gezielt junge Künstlerinnen und Künstler im Studium zu fördern. Reisen und neue Eindrücke können unglaublich inspirierend sein und die künstlerische Entwicklung stark prägen. 

Wie schwer ist es, dort eine Auswahl zu treffen?

Sehr schwer. Es gibt keine festen Kriterien. Natürlich spielt Erfahrung eine Rolle, aber auch Intuition. Manche Positionen stechen sofort heraus, andere beobachtet man über mehrere Jahre hinweg. Oft erkennt man einfach eine besondere Entwicklung oder ein außergewöhnliches Thema. 

Die Stiftung vergibt auch den Düsseldorfer Literaturpreis. Was macht diesen Preis besonders?
Der Preis zählt mit 20.000 Euro zu den höchstdotierten Literaturauszeichnungen in Deutschland. Ausgezeichnet werden Autorinnen und Autoren, deren Werke Bezüge zu anderen Künsten wie Musik, Film, bildender Kunst oder Theater herstellen. Zu den bisherigen Preisträgerinnen und Preisträgern gehören unter anderem Marion Poschmann, Karen Duve, Jackie Thomae, Ronya Othmann und Marcel Beyer. Die Jury ist unabhängig besetzt und setzt sich aus Literaturkritikern und Vertretern des Literaturbetriebs und Kulturinstitutionen zusammen. Besonders spannend finde ich immer die Jurysitzungen. Dort wird intensiv diskutiert, jedes Jurymitglied bringt eigene Favoriten mit – und manchmal ändern sich die Meinungen im Laufe der Gespräche noch einmal komplett. 

„Uns geht es nicht nur um große Namen, sondern auch um neue Stimmen.“

Katharina Wettwer, Geschäftsführerin der Kunst- und Kulturstiftung der Stadtsparkasse Düsseldorf

Wie wichtig ist Kulturförderung heute?

Elementar. Ohne Förderung könnten viele Kulturprojekte gar nicht stattfinden. Düsseldorf versteht sich als Kunst- und Kulturstadt – und dieses Profil entsteht nicht von allein. Dafür braucht es Stiftungen, Unternehmen und Menschen, die Kultur unterstützen.

Man hört immer wieder die Diskussion, ob Düsseldorf als Kunststadt noch denselben Stellenwert hat wie früher. Wie sehen Sie das?

Ich glaube weiterhin fest an die Bedeutung Düsseldorfs als Kunst- und Kulturstadt. Die Kunstakademie hat nach wie vor eine enorme Qualität und internationale Strahlkraft. Wenn man sich die Arbeiten beim Rundgang anschaut oder sieht, welche Künstlerinnen und Künstler hier hervorgehen, merkt man schnell: Das Niveau ist unglaublich hoch. 

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