Start-Up „Glasbote“ gegen Verpackungswahnsinn

Wir ertrinken im Müll und Verpackungsmüll liegt dabei ganz weit vorn. Im Jahr 2019 fielen 18,91 Millionen Tonnen Verpackungen allein in Deutschland an, ein europäischer Spitzenwert. Der Coffe-to-go, das Sushi vom Lieferservice, der Joghurt in Einzelportionen, die aufwändig verpackten Supermarktprodukte – die größten Verpackungsmüll-Verursacher sind private Verbraucher mit einem Anteil von fast 50 Prozent. So hat im Jahr 2019 jeder Bürger in Deutschland rund 227,55 kg Verpackungsmüll verursacht. Das sind rund 50 kg mehr als der europäische Mittelwert. Das Düsseldorfer Start-up Glasbote hat jetzt einen neuen Lösungsansatz entwickelt.

Gründungspflaster Düsseldorf 

Selbst die Pandemie bremst Gründerinnen und Gründer nicht aus. In Nordrhein-Westfalen wurden in 2020 umgerechnet 1,3 Start-ups pro Tag gegründet. Die größte Start-up-Dichte haben mit 36 Prozent die beiden Rheinmetropolen Köln und Düsseldorf. In der Relation zur Einwohnerzahl pro 100.000 schlägt Düsseldorf sogar die Domstadt. Bei den meisten neuen Geschäftsmodellen geht es um eCommerce. Im Trend liegen auch grüne Start-ups. Auf das Unternehmen Glasbote treffen beide Kriterien zu. Wir sprachen mit den drei Gründerinnen und Gründern in Bilk.

Die Geschäftsidee hatte mit einer Weltreise zu tun. Als der Luxemburger Florin Kütten nach seinem BWL-Studium in Düsseldorf zu einer anderthalbjährigen Weltreise aufbrach, wurde ihm die Umweltverschmutzung durch Plastik vor allem in Asien bewusst. Ob er mit dem Boot unterwegs war oder im Indischen Ozean oder im Pazifik schwamm: in jedem Gewässer sah oder spürte er Plastik. Wieder zurück in Düsseldorf, krempelte der 26-Jährige sein Einkaufsverhalten radikal um und fing an alternative, nachhaltige Produkte zu testen. „Dabei fiel mir auf, dass klassische Unverpacktläden zwar einen
super Ansatz haben, jedoch für die meisten Menschen zu teuer und zu unbequem sind.“ 

Das muss auch anders gehen, überlegte er und holte seine Studienkollegin Julia Riensche (25) und die Master-Psychologiestudentin Carolin Heuser (24) von der Heinrich-Heine-Universität mit ins Team. Das Trio erarbeitete im März dieses Jahres ein Konzept für einen Online-Supermarkt, den sie Glasbote tauften. Ihre Idee: Ausgeliefert wird mit dem Elektro-Lastenfahrrad, verpackt wird alles in Mehrweggläsern. Der Kunde bezahlt hierfür ein Pfand, das er beim nächsten Einkauf einlösen kann. Die Gläser werden gespült und wieder befüllt. So schließt sich der Kreislauf.

Das Glasbote-Trio gründete zunächst eine GbR, änderte die Geschäftsform einige Monate später jedoch in eine GmbH um. Ein großer Schritt, denn um in Deutschland eine GmbH zu gründen, braucht man 25.000 Euro Bargeld. Das Gründertrio setzte alles auf eine Karte und brachte seine kompletten Ersparnisse ins Start-up ein. Seit Oktober arbeiten alle drei zu 100 Prozent im Unternehmen. Unterstützung bekommt Florin noch durch ein NRW-Gründerstipendium, Julia und Carolin decken derzeit noch mit Nebenjobs die laufenden Kosten. Bei allem Zauber ist aller Anfang auch schwer.

Warum sie an den Erfolg glauben? „Das Konzept ist nachhaltiger als das anderer Lieferdienste. Die Vision von Glasbote ist es, die gesamte Lieferkette vom Einzelhandel zum Kunden ohne Verpackung hinzubekommen. Einkaufen kann man bei uns wirklich mit gutem Gewissen“, so Carolin. 

Die erste Lieferung ist immer gratis und für den ersten großen Launch gibt es 10 Prozent auf die erste Bestellung mit dem Code: Start10.

475 Verpackungen konnte das Start-up bereits auf diese Weise einsparen (Stand 22. November 2021) und jeden Tag werden es mehr. Genauso wie das Sortiment ständig wächst. Angeboten werden Grundnahrungsmittel wie Reis, Nudeln, Ketchup, Senf, aber auch nachhaltige Kosmetikprodukte wie Bambus-Zahnbürsten, Zahnseide und ein Grapefruit-Rosmarin Deo-Stick. Abgefüllt werden die trockenen Produkte von den Gründern in einer speziell hierfür angemieteten Küche. „Wir erweitern unser Angebot ständig. Also immer einmal auf unsere Website schauen“, rät Julia. 

Aktuell sucht das Team noch Investoren, die sie bei ihrer Vision finanziell oder auch beratend unterstützen. „Wir möchten mit unserem Start-up einen kleinen Beitrag zur Klimakrise leisten. Wir wollten Hürden abbauen, damit wirklich alle Menschen die Möglichkeit haben, unverpackt einkaufen zu können“, so Florin. 

Susan Tuchel

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