6 Oktober 2021

Ja, wo arbeiten sie denn?

Ja, wo arbeiten sie denn?

Von wo aus werden in Zukunft Geschäfte getätigt? Wie reorganisiert sich die Arbeitswelt während und nach der Pandemie? Konzerne und Mittelständler denken bei ihren Büro- und Flächenkonzepten über Downsizing nach. Lange bevor Coworking-Spaces wie Pilze aus dem Boden schossen, hatte ein Düsseldorfer Unternehmen die Idee, internationalen Firmen nicht nur Büros anzubieten, sondern ihnen auch den Papierkram, Behördengänge und die Buchhaltung abzunehmen. Das hieß vor vierzig Jahren noch nicht Office as a Service oder Shared Offices, sondern ABD und stand für „Allgemeine Bürodienste“. Heute heißt das Unternehmen ABD Business Center und wird seit zehn Jahren von Christian Dörner geführt. Gerade ist das Unternehmen von der Immermann- an die Oststraße auf eine Fläche von 1.400 Quadratmeter umgezogen. 

 © Alexander Vejnovic, das-fotostudio-duesseldorf.de

Bekommen Sie viel Gegenwind von den Coworking-Spaces? 

Nein, überhaupt nicht. Bei den Coworking-Spaces steht die Kommunikation zwischen Mitarbeitern und vor allem zwischen Freelancern im Mittelpunkt. Das ist bei vielen Tätigkeiten absolut gut und notwendig. Man möchte durch stylishe Locations die Kreativität und das Netzwerken fördern sowie Synergieeffekte erzeugen. Bei unseren Kunden, die als Vertriebler vor allem ihre Produkte deutschlandweit und international verkaufen, steht die Kommunikation mit den Kunden im Mittelpunkt, ein reines B2B-Geschäft. Für sie ist es ein Segen, wenn sie die Tür hinter sich schließen und sich auf ihr Telefongespräch konzentrieren können. Aber selbst die Start-ups, die den Weg zu uns gefunden haben, wollten zu meinem Erstaunen kein Großraumbüro, weil das Telefonieren da schwierig ist. Hinter den Coworking-Spaces einerseits und den Business Centern oder Satelliten-Büros andererseits stehen zwei völlig verschiedene Konzepte, die problemlos nebeneinander bestehen können.

Welche Firmen entscheiden sich für Ihr Konzept?

Wir haben zurzeit rund 150 Unternehmen unter Service-Vertrag. Unsere Kunden kommen in erster Linie aus dem Maschinenbau, der Chemie und der Lebensmittelindustrie. Oft sind es Vertriebler internationaler Unternehmen, die bei ABD in Düsseldorf ihre Niederlassung unterhalten. Sie schätzen es, dass sie sich nicht um lokale Gegebenheiten von der Stromversorgung bis zur Reinigung kümmern müssen und sich in der Größe ihrer Büros sehr schnell an eine veränderte Mitarbeiterzahl anpassen können.

Welche Dienstleistungen bieten Sie an? 

Die Anforderungen an uns sind sehr unterschiedlich. Für einen Händler im Lebensmittelbereich wickeln wir zum Beispiel die Zollformalitäten ab. Auch ein Unternehmen aus der Bekleidungsindustrie ist bei uns, ein Jeansfabrikant, der  von hier den Markenaufbau in ganz Europa betreibt. Er ist die meiste Zeit unterwegs. Wir nehmen für ihn alle Lieferungen an und verschicken sie weiter. Es gibt eigentlich keine administrative Tätigkeit, die wir nicht ausführen können. Wir übernehmen auf Wunsch die Buchhaltung und bereiten die Unterlagen für den Steuerberater vor. Während der Messen empfangen wir für unsere Kunden Besucher, holen sie vom Bahnhof oder vom Flughafen ab, bringen sie ins Hotel, stellen einen Limousinenservice zur Verfügung. Für Meetings oder Get together organisieren wir das Catering und zwar für jeden Geldbeutel, von der Butterstulle bis zum Hummer. 

Das hört sich nach gehobener Preisklasse an, wer kann sich den Service leisten?

Jeder, der nicht den Quadratmeterpreis Miete für sein Büro berechnet, sondern bei unserem Service-Vertrag miteinrechnet, was er nicht mehr bezahlen muss. Dazu gehören der Empfang, die IT-Ausstattung, die Küche, die Reinigung, Reparaturen etc. Als Faustregel kann man sagen: Wer sieben oder acht Mitarbeiter beschäftigt, fährt bei uns am Ende günstiger. Internationale Firmen kennen die Vorteile von Business Centern schon lange, bei deutschen Firmen besteht noch Aufklärungsbedarf. Aber durch Corona sind auch deutsche Unternehmen auf uns zugekommen und fragen an, ob sie z. B. ein Büro auch nur für montags anmieten können.

Und geht das?

Wir haben 60 Büroräume zur Verfügung und können eigentlich alles einrichten, ob ein Zwei-Mitarbeiter-Büro am Montag, ein Großraumbüro am Dienstag oder ein Konferenzraum am Mittwoch, da sind wir flexibel. Viele spielen schon mit dem Gedanken – gegenüber der ge-
wohnten Büroumgebung ist das aber natürlich eine massive Veränderung. Die scheuen noch manche, sie wird aber kommen. Die Entwicklung in Richtung Remote Work lässt sich nicht mehr aufhalten. Viele Mitarbeiter, vor allem die jüngeren Generationen, möchten am liebsten hybrid arbeiten, ziehen vielleicht mit ihren Familien aufs Land, wo die Mieten günstiger sind und nehmen die Fahrt in die Stadt ein- oder zweimal in der Woche auf sich. 

Da wären wir bei den PopUp-Coworking-Spaces, die gerade im ländlichen Raum entstehen, um den Bedarf zu ermitteln. Wie sehen Sie diese Entwicklung?

Am Ende entscheidet die Produktivität. Da, wo es Glasfaserkabel in ländlichen Regionen gibt, werden Business-Parks auf privater Initiative entstehen, aber das wird ein lokaler Trend bleiben, wie überhaupt die Coworking-Spaces trotz ihres Wachstums derzeit nur ca. fünf Prozent des Büromarktes ausmachen. Als Unternehmer würde ich immer darauf achten, wie es mit der IT-Sicherheit aussieht. Bei uns sind alle Unternehmen physisch durch ein V-Lan voneinander getrennt. Darauf würde ich bei Coworking-Spaces als Unternehmer achten, denn schließlich sind alle Unternehmensdaten sensible Daten und müssen den Anforderungen der Datenschutz-Grundverordnung Rechnung tragen.

Woher kommen Ihre Kunden und 

wie lange bleiben Sie?

In den vierzig Jahren Unternehmensgeschichte hat sich viel getan. Am Anfang hatten wir sehr viele japanische Kunden. Im Laufe der Jahre sind andere asiatische Länder dazugekommen. Und es gibt einen Trend, dass diese Unternehmen verstärkt Europäer, also Local Staff, einstellen. Manche Kunden sind seit 25 Jahren bei uns. Im Schnitt bleiben Unternehmen, die aus Asien und Europa kommen, sechs bis sieben Jahre. Es spricht sich bei ausländischen Firmen schnell herum, dass wir Übersetzungsarbeiten bei Behördenschreiben anbieten und durch unsere Partner in der glücklichen Lage sind, nicht nur bei der Wohnungssuche zu helfen, sondern auch Rechtsanwälte, Notare, Steuerberater, aber auch Zahnärzte empfehlen zu können. 

Gibt es auch Unternehmen, die lediglich eine Adresse in Düsseldorf haben möchten?

Ja, die gibt es. Das hat aber nichts mit Briefkastenfirmen zu tun. Die gibt es nur an Orten, an denen es steuerliche Vergünstigungen gibt. Dafür ist Düsseldorf nun wirklich nicht bekannt. Es gibt mittelständische Unternehmen, die an nicht so bekannten oder wohlklingenden Orten ansässig sind. Für deren Business kann eine Düsseldorfer Adresse von Vorteil sein. Wir haben auch eine Künstlerin, die im Impressum ihrer Website nicht ihre Privatadresse angeben möchte. Wir prüfen, ob die Unternehmen juristisch sauber sind, schließlich steht unser Ruf auf dem Spiel. Natürlich nehmen wir auch Anrufe für diese Kunden entgegen, aber auch das ist bei uns authentisch, weil wir nicht einen Text ablesen, sondern tatsächlich wissen, ob unsere Kunden zu Tisch, im Urlaub oder auf Geschäftsreisen sind.  

Wohin geht die Entwicklung auf dem Büromarkt?

Es wird immer mehr Unternehmen geben, die Büros nur noch an einigen Tagen in der Woche benötigen. Manche werden auch nur Lagerräume oder Archive brauchen mit einem angeschlossenen Büro und Meetingräumen. Denkbar wäre, dass kleinere Firmen sich zusammenschließen und sich Räumlichkeiten teilen, um Kosten zu sparen. Für Unternehmen, die hohe Mieten haben, können Satellitenbüros und Business Center eine Alternative sein. 

ABD Business Center 

1981 als eines der ersten Business Center gegründet, ist ABD seit damals inhabergeführt. Zum 40-jährigen Firmenjubiläum im September hatte Christian Dörner am Beispiel Schokolade gezeigt, dass Transport selbst von Südamerika bis nach Düsseldorf auch fossilfrei funktioniert. Frachtensegler und Elektroantrieb machten es möglich. „Schließlich geht es bei uns immer um internationalen Handel“, erklärte der gebürtige Wiener und Physiker, der für die UNO und internationale Konzerne lange Zeit im Ausland tätig war und 2008 nach Düsseldorf kam. Als 2011 eine Unternehmensnachfolge gesucht wurde, sah er für sich die Möglichkeit an einem Ort zu sein, aber weiterhin in einem sehr internationalen Umfeld zu arbeiten und so wurde aus ABD „Allgemeine Bürodienste“ das ABD Business Center.

Susan Tuchel

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