Fotos: Bernd Obermann

Wenn Schulprojekte Rückenwind bekommen

Feuer speien, am Trapez durch die Luft fliegen oder mit dem Musiker Enkelson einen Schulsong schreiben: Was klingt wie ein animiertes Ferienprogramm, ist in vielen Düsseldorfer Schulen Teil des Schulalltags. Wir haben zwei Grundschulen besucht, die zeigen, was Schulen mit fünftausend Euro Fördergeld alles auf die Beine stellen.

Seit 2024 vergibt die Stadtsparkasse Düsseldorf Spenden an städtische Schulen, die sich mit Projekten bewerben, die den sozialen Zusammenhalt ihrer Schüler fördern. Fünftausend Euro pro Schule für Ideen aus den Bereichen Bildung, Kultur, Soziales oder Umwelt. Das Feedback war so positiv, dass die Initiative im Schuljahr 2025/26 gleich zweimal ausgeschrieben wurde. Im ersten Halbjahr bewarben sich 105 Schulen und erhielten zusammen 525.000 Euro Fördergelder, im zweiten Halbjahr waren es bereits 117 Schulen mit einer Gesamtsumme von 585.000 Euro. „Dass sich so viele Schulen beteiligt haben, zeigt uns: Der Bedarf ist da, und die Bereitschaft, Gemeinschaft aktiv zu gestalten, ist enorm“, erklärt Dr. Stefan Dahm, Vorstandsvorsitzender der Stadtsparkasse Düsseldorf.

Anträge wurden gestellt und bewilligt für Selbstbehauptungstrainings, Konfliktlösungs-Workshops, Trommel-Projekte, für Zirkuswochen und eigene Schulsongs – also genau für das, was man in keinem Curriculum findet. Und genau darum geht es. „Schulen leisten täglich wertvolle Arbeit, nicht nur für die Bildung, sondern auch dafür, dass junge Menschen lernen, miteinander umzugehen, füreinander einzustehen und gemeinsam etwas zu bewegen. Genau das wollen wir als Stadtsparkasse unterstützen“, ergänzt Dr. Stefan Dahm.

Feuer, Trapez und 30 Eltern im Einsatz

Die Martin-Luther-Schule in Düsseldorf Bilk macht alle vier Jahre Schlagzeilen: Kinder speien Feuer, tanzen auf dem Seil, schwingen hoch oben am Trapez – ohne Netz und doppelten Boden. Seit 2012 kommt dafür der Familien-Circus Jonny Casselly in die Gotenstraße. „Es ist der größte Mitmachzirkus Europas“, erzählt Schulleiterin Linda Hennemann.

In der zweizügigen Grundschule macht die gesamte Schülerschaft mit. In der Projektwoche proben die Kinder jeweils zwei Schulstunden unter Anleitung der Zirkusfamilie Casselly. Am Ende der Projektwoche heißt es: Manege frei. Beide Vorstellungen sind jedes Mal bis auf den letzten Platz besetzt. Was eine Artistenfamilie in sieben Schulstunden hinbekommt, schlägt alle Schulrekorde. Keines der Kinder wird diese Zirkuswoche vergessen, in der sie über brennende Reifen sprangen, auf dem Seil tanzten und Zauberkunststücke vorführten und mit Herrn Casselly am Trapez durch das Zirkuszelt schwebten. Das wird übrigens in Gemeinschaftsarbeit mit 30 Eltern auf- und abgebaut.

„Die Kinder wachsen in den Zirkusnummern über sich selbst hinaus“, bestätigt Hennemann. Was diese Woche außerdem leistet: Bei Kindern, die im Unterricht nicht immer glänzen, kommen völlig ungeahnte Talente zum Vorschein. „Gerade bei den Sportdisziplinen wie Bodenakrobatik und Seiltanz“, so Hennemann.

Eines der Talente ist Helena, 9 Jahre, sie ist zusammen mit Tom, 8 Jahre, in der Trampolingruppe. Noch lieber wäre Helena in die Trapezgruppe gegangen. „Aber die Trampolingruppe fand ich auch cool und da kann man auch fliegen.“ Ali, neun Jahre alt, entschied sich für die Clown-Gruppe. Zusammen mit einem Freund und sieben weiteren Clowns hatte er eine klare Mission: Herrn Casselly ärgern. Lampenfieber? Fehlanzeige. „Wir hatten ja eine Generalprobe“, sagt er trocken. Seinen Berufswunsch hat die bunte Zirkuswelt nicht auf den Kopf gestellt: Ali möchte Fußballspieler werden oder Verkäufer in einem Dönerladen.

Das Zirkusprojekt hat seinen Preis. Vier Jahre lang wird eisern gespart, werden Sponsorenläufe veranstaltet, sammelt der Förderverein Spenden. Die Förderung der Stadtsparkasse kam deshalb genau zur richtigen Zeit und war – laut Schulleiterin – eine „Riesenhilfe“.

Ein Song mit Gong

An der Henri-Dunant-Schule in Wersten fliegen keine Artisten, sondern Noten durch die Luft. Viert- und Drittklässler schreiben hier ihren eigenen Schulsong, zusammen mit dem Düsseldorfer Musiker Enkelson. Der ist vielen durch sein Lied über die Landeshauptstadt bekannt und mittlerweile auch für das Komponieren von Schulsongs.

Zur Henri-Dunant-Schule kam die Idee durch eine Mutter aus dem Förderkreis, die Enkelson bei einem Wohnzimmerkonzert gehört hatte. Schulleiterin Melanie Gregrowicz war schnell überzeugt, und die Kinder erst recht. Die Schule hat zwar schon ein Schullied, aber das ist, so die Schulleiterin, nicht so eingängig. „Und da haben wir gesagt, wir möchten gerne ein Lied haben, das die Kinder selber singen können.“ Der neue Song soll beim Schulfest im Sommer uraufgeführt werden und der zweite Schulsong werden.

Doch noch ist er nicht fertig. Gerade ist die dritte von zehn Unterrichtsstunden und Enkelson und die dritte Klasse texten und singen zusammen. Enkelson erklärt den Kindern, woraus ein Song besteht und wie er durch einen eingängigen Refrain zum Ohrwurm wird. Und dieser Ohrwurm wird ganz besonders, weil Enkelson den Schulgong in seine Komposition mit aufnehmen wird – ebenso wie die Idee der Kinder, am Anfang des Songs eine Schuldurchsage zu machen. Am Ende des musikalischen Projektes erhalten die Schulen drei Versionen: eine mit den Kinderstimmen, eine mit Solo-Stimmen und eine Instrumentalversion für Auftritte und Schulfeste. „Und zwar lizenzfrei“, erklärt der Musiker.

Was in den Song soll, darüber haben die Kinder klare Vorstellungen, schließlich kennen sie sich aus in der Pop-, Rockmusik, hören Wincent Weiss, die Rapper Apache 207 und Nina Chuba. Omar, neun Jahre alt: „Der Song soll cool sein.“ Lorelei, acht Jahre alt, weiß auch schon, was unbedingt rein muss: dass Lernen Spaß macht und die Lehrer nett sind. Aaron, neun Jahre alt, hat einen besonderen Wunsch: „Die Klassenfahrt sollte auch eingebaut werden.“ Teis, neun Jahre alt, hört sonst eigentlich Rock und schwört auf die Toten Hosen. Aber mitsingen will er trotzdem. Alexandra, acht Jahre alt, singt im Vorchor und denkt schon weiter: „Ich könnte den Song auch mal im Chor vorschlagen.“  

Was die Stadtsparkasse Düsseldorf mit ihrer Förderung ermöglicht, fasst Gregrowicz zusammen: Schulen haben nicht viel Geld und von Eltern immer mehr finanzielle Unterstützung zu erwarten, sei keine Lösung. „Uns war wichtig, dass wir etwas machen, was etwas ganz Besonderes ist für die Kinder, etwas, an das sie noch lange zurückdenken.“ Außerdem komme der Musikunterricht an Schulen ohnehin oft zu kurz, weil es zu wenige ausgebildete Musiklehrer gebe.

Enkelson hat jetzt mehrere Ohrwürmer. Nicht von einem seiner Hits, sondern von den Songs, die er mit Kindern schreibt. Er summt sie auf dem Weg nach Hause, wo er weiterkomponiert für die nächste Schulstunde.

Das könnte Sie auch interessieren:

Pin It on Pinterest