Foto: Landeshauptstadt Düsseldorf/ Melanie Zanin
Düsseldorf wird zur Bühne
Düsseldorf macht aus der Nacht der Museen ein Festival-Wochenende – und gewinnt die Theater, die Bühnen und die halbe Stadt dazu. Über 50 Kulturorte, zwei Tage, ein Ticket: Mit dem Art:walk Festival öffnen Museen, bespielen Theater ihre Bühnen, werden Plätze und Wege Teil des Programms. Kultur findet nicht mehr nur hinter Türen statt, sondern überall dazwischen.
Jens Ihsen und Thorben Meier stehen hinter dem Marketing-Konzept des Festivals. Zwei, die sich nicht lange erklären müssen. „Zwischen uns passt kein Blatt“, sagt Ihsen. Seit zwei Jahren arbeiten der Geschäftsführer von Visit Düsseldorf und der Chef der Düsseldorf Marketing GmbH eng zusammen – und treiben gerade die Vermarktung eines der aktuell größten Kulturprojekte Düsseldorfs voran. Am 13. und 14. Juni feiert der Art:walk Premiere.
Jens Ihsen, Geschäftsführer von Visit Düsseldorf, und Thorben Meier, Chef der Düsseldorf Marketing GmbH / Foto: Jochen Rolfes
Über 20 Jahre lang organisierte eine Frankfurter Eventagentur die Nacht der Museen. Die Idee, etwas auf die Beine zu stellen, das mehr Düsseldorf DNA hat, kam aus dem Düsseldorfer Kulturdezernat. Also setzten sich Düsseldorf Marketing, Visit Düsseldorf, D.LIVE und das Kulturamt zusammen – und entwickelten das Art:walk Festival. Am Samstag ab 16.00 Uhr öffnen die Museen und Sonntag ab 12.00 Uhr erstmals auch Düsseldorfs Bühnen. Das Ticket kostet 25 Euro für beide Tage, ÖPNV inklusive, ermäßigt und für Kinder und Jugendliche 15 Euro. „Es soll vor allem ein Stadtfest für alle Bürgerinnen und Bürger sein“, so Ihsen.
Nachts Museum, tagsüber Bühne
Dabei ist der namengebende Art:walk längst im innerstädtischen Stadtbild präsent: Stelen mit dem Art:walk-Branding markieren die Wege zwischen Museen, Theatern und Parks, machen kulturelle Verbindungsachsen sichtbar und zeigen den Besuchern, was auf dem Weg zwischen Museum, Theater und Park alles zu entdecken ist. „Ein essentielles Alleinstellungsmerkmal ist die Verbindung der Düsseldorfer Museen, Theater, Parks und Szenerien die auf zweieinhalb Quadratkilometern fußläufig erreichbar sind, mit Gastronomie und Rheinblick“, so Meier.
Das Festival ist das saisonale Highlight im Juni: Unter anderem auf dem Gründgensplatz, im Ehrenhof oder auf der Schadowstraße sind verschiedene Events geplant, wie z. B. eine Silent Disco mit Kopfhörern und eigenen Tonspuren. An der Rückseite des Kö-Bogens bespielt ein 70 Meter breiter LED-Screen die Nacht mit Videokunst. Das Format Take a Bow, das seit zwei Jahren läuft, hat bereits Installationen von Yoko Ono und Katharina Sieverding präsentiert und wird zum Festival eine Werkschau der vergangenen zwei Jahre zeigen.
Gelegenheit macht Übernachtungen
Dahinter steckt aber durchaus auch ein touristisches Kalkül. Tagesbesucher lassen in Düsseldorf im Schnitt 38 Euro. Wer übernachtet, gibt gut 200 Euro aus. Das Art:walk Festival soll da einen Impuls setzen: zwei Tage, eine Nacht, ein Erlebnis.
Foto: Jochen Rolfes
„Wir müssen mutig sein, größer denken und die Rhein-Ruhr-Metropole für Touristen interessant machen.“
Jens Ihsen, Geschäftsführer Visit Düsseldorf
Ein Beispiel liefert Meier gleich mit: seine Schwiegermutter. Sie lebt im Dortmunder Süden, für ihn die klassische Tagestouristin. Zu Weihnachten schenkte er ihr einen Art:walk-Museumspass für 48 Stunden. Gemeinsam mit ihrem Mann buchte sie ein Hotelzimmer am Carlsplatz, blieb zwei Tage in der Stadt, besuchte mehrere Museen und erkundete Düsseldorf ganz entspannt. „So wird aus einer Tagestouristin ein Paar, das ein ganzes Wochenende hier bleibt“, sagt Meier. Genau diesen Effekt soll auch das Art:walk-Festival-Ticket im Juni erzielen – und gezielt Besucher aus dem Umland nach Düsseldorf holen.
Sieben Städte, ein Ticket
Tourismus und Stadtmarketing möchten natürlich das ganze Jahr Touristen in die Stadt oder die Region locken. Da denkt Ihsen weiter und bietet Einzeltouristen oder Gruppen mit der DüsseldorfCard Plus einen Mehrwert. Diese gilt im gesamten VRR- und VRS-Gebiet für sieben Städte mit mehr als 90 Angeboten im Kultur- und Freizeitbereich. „Morgens nach Dortmund ins Fußballmuseum, dann ins Schokoladenmuseum nach Köln, abends am Rhein essen gehen und am nächsten Tag ins Legoland in Oberhausen. Diese Vielfalt, die Nordrhein-Westfalen zu bieten hat, mit Düsseldorf als Ausgangspunkt, ist infrastrukturell und gastronomisch kaum zu toppen“, erklärt Ihsen. Im vergangenen Jahr legte die Karte um 25 Prozent zu. Besonders stark gebucht wurden die Mehrtagesvarianten von internationalen Messegästen.
Football, Culture und Backstreet Boys
Apropos international: Beim Weihnachtsmarkt 2025 kamen 50 Prozent mehr Briten als im Vorjahr, ausgelöst durch gezielte Kampagnen mit Flughafen und Eurowings. Für den Sommer sehen Ihsen und Meier eine Kombination aus Fußball und Kultur: Bundesligaspiele in Düsseldorf, Leverkusen und Dortmund, kombiniert mit einem Kulturprogramm für die Begleitpersonen. Mit gleich 10 Backstreet-Boys-Konzerten im Herbst nimmt die Idee gerade Gestalt an: Erste Tickets wurden bereits aus Großbritannien gebucht. Und an dem Juni-Wochenende mit dem Robbie Williams Konzert am 5. Juni in der Merkur Spielarena findet auch noch das Lovebird-Festival statt. Der Gedanke dahinter heißt bei Thorben Meier Plattform: nicht Einzelmaßnahmen schalten, sondern Themen zusammendenken, Partner an einen Tisch bringen, Synergien nutzen. Fortuna Düsseldorf, Flughafen, Airlines, die Deutsche Fußball Liga DFL – alle müssen wissen, was das Ziel ist und was ihr Teil darin sein kann. Das klingt nach viel Koordination. In Düsseldorf, sagen beide, funktioniere das aber besonders gut.
Foto: Jochen Rolfes
„Wenn es für die Bürgerinnen und Bürger der Stadt gut ist, dann ist es auch für die Touristen gut.“
Thorben Meier, Geschäftsführer Düsseldorf Marketing GmbH
Echte Gastgeber
Am Ende aber ist die beste Werbung für Düsseldorf weder ein Ticket noch ein Festival. Es sind die Düsseldorfer selbst. Auswertungen von Reiseblogs haben laut Meier immer wieder dasselbe Ergebnis: die Offenheit und die rheinische Frohnatur der Düsseldorfer. „Die Besucher möchten den Alltag hinter sich lassen, sich durch die Stadt treiben lassen und die Atmosphäre bei Shopping, Kunst und Kultur genießen“, sagt Meier.
(v. r.) D.LIVE-Chef Michael Brill, Wilfried Schulz, Generalintendant des Schauspielhauses, Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller, Miriam Koch, die Beigeordnete für Kultur und Integration, Thorben Meier, Geschäftsführer Düsseldorf Marketing / Foto: Landeshauptstadt Düsseldorf/ Claus Langer
Geplant wird immer auch mit Blick auf die Bewohner der Stadt. „Wenn es für die Bürgerinnen und Bürger gut ist, dann ist es auch für die Touristen gut“, so Meier. Eine Bürgerbefragung Ende 2025 bestätigte: Die Düsseldorfer sind mit den Gästen, die kommen, sehr zufrieden.
2025 war für Düsseldorf ein Tourismus-Rekordjahr: 5,669 Millionen Übernachtungen, rund 130.000 mehr als im Vorjahr. Der Inlandstourismus wuchs um 4,3 Prozent – genau das Potenzial, das die Stadt Düsseldorf mit dem Art:walk Festival und ihrem Tourismus- und Marketingkonzept heben will.
Art:walk Festival
- Infos und Tickets zum Art:walk Festival gibt es hier.
Übrigens: Inhaber der Art:Card haben beim Art:walk Festival freien Eintritt. - 1 Ticket – 6 Museen – 48 Stunden: Der Art:walk-Museumspass ermöglicht den Zugang zu allen Sammlungen, Dauer- und Sonderausstellungen der sechs renommierten Kunstmuseen.
- Infos zur DüsseldorfCard plus gibt es hier.
