17 November 2020

Work-Life Balance im weißen Kittel

Work-Life Balance im weißen Kittel

Eine eigene Praxis ist nicht immer Wunsch Nummer eins, um den Arztberuf auszuüben. Viele ziehen ein Angestelltenverhältnis vor, um zum Beispiel Familie und Beruf besser miteinander vereinbaren zu können. Die Folge sind kooperative Versorgungsformen wie Medizinische Versorgungszentren, Berufsausübungsgemeinschaften oder Ärztehäuser. Die Düsseldorfer apoBank hat für die Beratung und Finanzierung dieser Betriebsgrößen einen eigenen Beratertyp geschaffen, den Marktanalysten Versorgungsstrukturen, der inhabergeführte Versorgungsstrukturen berät. 

Die apoBank-Zentrale am Seestern ist an sich schon ein Kunstwerk. Vier geschwungene Baukörper der Düsseldorfer Lindner-Architekten lassen in der Vogelperspektive ein „A“ erkennen.  Vor dem Eingang steht eine sieben Tonnen schwere Tony Cragg-Bronzeskulptur. Wir werden von der Prokuristin Verena Leimkühler an der Rezeption in Empfang genommen. Carsten Padrok, Marktgebietsleiter West, empfängt uns im zweiten Stock. 

Die Deutsche Apotheker- und Ärztebank ist vielen ein Begriff, nicht zuletzt durch den Vorsitzenden des Aufsichtsrats Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery. Sie arbeiten seit 15 Jahren bei der größten genossenschaftlichen Primärbank, die sich als Vertrauensbank der Heilberufe bezeichnet. Was fällt unter die Bezeichnung Heilberufe?

Heilberufe sind Berufe, die der Feststellung, Heilung oder Linderung von Krankheiten oder Behinderungen dienen. Die apoBank ist in erster Linie Ansprechpartner für akademische Heilberufe, also für Ärzte, Zahnärzte, Apotheker, Psychotherapeuten und Tierärzte. Wir sind seit 118 Jahren die Vertrauensbank der Heilberufe, werden von ihnen getragen und unterstützen mit spezialisierten Bankdienstleistungen bei der Erreichung von beruflichen und privaten Zielen. Der ambulante Gesundheitsmarkt wandelt sich zusehends. Es entstehen immer mehr Medizinische Versorgungszentren, so genannte MVZs, und Berufsausübungsgenossenschaften, sogenannte BAGs, die aus sehr unterschiedlichen Motiven gegründet werden. Es gibt auf der einen Seite Ärzte, die unternehmerisch tätig sein möchten und auf der anderen Seite auch Ärzte, die lieber angestellt werden möchten. Als Arzt dürfen sie in ihrer Praxis nur vier Ärzte anstellen, in einem MVZ gibt es keine Obergrenze. Die apoBank unterstützt vor allem die inhabergeführten ambulante Versorgungsstrukturen. 

© Alexander Vejnovic, das-fotostudio-duesseldorf.de

Carsten Padrok

Ärzte, Zahnärzte und Apotheken hat der diplomierte Bankbetriebs-
wirt bereits bei seiner ersten Stelle bei der SaarBank eG betreut. Vor 15 Jahren ging Padrok dann zur Deutschen Apotheker- und Ärztebank eG, wo er heute Marktgebietsleiter West sowie Vorsitzender des Aufsichtsrats der apoFinanz GmbH ist. Padrok ist Vorsitzender des Bayern München Fanclubs „Seestern des Südens“, fiebert mittlerweile aber auch mit Fortuna mit. Um den Kopf frei zu bekommen, läuft der Banker im Schnitt 150 – 200 km im Monat, meist abends mit Stirnlampe.
 

Und welche Rolle spielen die Marktanalysten Versorgungsstrukturen dabei? Börsenanalysten haben ja nicht unbedingt den besten Ruf.

Mit Börsenspekulationen haben unsere Marktanalysten, die den Studienabschluss eines Certified Advisors Managed Health Care (CAMHC) an der Frankfurt School of Finance & Management erworben haben, nichts zu tun. Gestartet sind wir mit unseren bundesweit vertretenen Beratern im Oktober 2017 mit 15 Kollegen an sechs Standorten. Mittlerweile haben wir 30 Marktanalysten an zehn Standorten. Der Marktanalyst hat eine hohe Beratungskompetenz im ambulanten Bereich. Er unterstützt den Arzt in allen Finanzierungsfragen und begleitet ihn ebenfalls, in Zusammenarbeit mit der entsprechenden Netzwerkpartnerschaft, bei Fragestellungen in der Bilanzanalyse, im Steuerrecht, in der Betriebsorganisation und beim Baucontrolling. Die Nachfrage nach ganzheitlicher Unterstützung ist groß, denn bei solchen Großprojekten ist es unabdingbar, dass am Ende alle Rädchen ineinandergreifen, um die Visionen unserer Kunden erfolgreich umzusetzen.  

Wie sehen denn solche Szenarien aus, bei denen die Marktanalysten tätig werden?

Ein Beispiel: Ein Arzt, der eine internistische Facharztpraxis in einer Großstadt führt, möchte wachsen und die Gesundheitsversorgung vor Ort verbessern. Er möchte im Zielbild 20 Einzelpraxen kaufen, installiert eine Zentrale und gründet eine MVZ GmbH. Somit kann er Skaleneffekte nutzen, wie z. B. einen günstigeren Einkauf von Geräten. Innerhalb des MVZ kann das Personal an verschiedenen Standorten eingesetzt werden, das erhöht die Flexibilität, auch für die Patienten, die die ärztlichen Leistungen an verschiedenen Standorten nutzen können. Es gibt auch die Fälle, dass Ärzte mit verschiedenen Fachschwerpunkten die Gesundheitsversorgung auf dem Land verbessern oder sicherstellen möchten, weil Nachfolger fehlen. Hier haben die Marktanalysten die Gründung einer MVZ eG begleitet. Die angestellten Ärzte können ausprobieren, ob sie gerne als Landärzte arbeiten möchten, ohne selbst ein unternehmerisches Risiko einzugehen. 

Wie viele Medizinische Versorgungszentren gibt es denn aktuell?

In Deutschland gab es Ende 2019 über 3.000 Medizinische Versorgungszentren – mit steigender Tendenz. Natürlich begleitet und finanziert die apoBank weiterhin jede Existenzgründung von Heilberuflern. Wir betreuen über 400.000 Heilberufler. Außerdem unterstützen wir die Rekrutierung von angestellten Ärzten und bieten für jeden unserer Kunden individuelle Finanzierungslösungen an, von öffentlichen Mitteln bis zu Nachrangdarlehen oder Zins- und Cashflowswaps.

Verena Leimkühler und Susan Tuchel vor Nam June Parks „Clock Robot“

Die waren aber nicht alle glücklich, als Sie im Juni ein neues Kernbankensystem eingeführt haben. Es kam zu Fehlern, Fehlbuchungen etc., hagelte es da Kündigungen?

Was im Juni und Juli dieses Jahres passiert ist, kam auch für uns unerwartet und ist nicht so verlaufen, wie wir es uns gewünscht hatten. Unsere Kunden hatten Probleme, sodass wir viele unzufriedene Kunden am Telefon hatten. Mittlerweile sind wir auf einem guten Weg und was uns sehr gefreut hat, ist, dass unsere Kunden uns die Treue gehalten haben. Das hat sicher damit zu tun, dass wir vielen bei ihrer Existenzgründung geholfen haben, sozusagen blanko, ohne Sicherheiten. Das vergessen die Kunden offenbar nicht. 

Wären die Medizinischen Versorgungszentren nicht auch für Privatinvestoren und „Heuschrecken“ interessant?

Für Privatinvestoren oder „Heuschrecken“ können Investitionen in Medizinische Versorgungsstrukturen ebenfalls interessant sein, jedoch verfolgen sie eine ganz andere Strategie als unsere Kunden. Nicht der Patient steht im Mittelpunkt, sondern die Renditesteigerung. Solche „Heuschreckeninvestoren“ unterstützen wir seitens der apoBank nicht. Wir unterstützen unsere Kunden dabei unternehmerisch tätig zu werden und gleichzeitig die Gesundheitsversorgung vor Ort, für ihre Patienten, zu verbessern. So schaffen sie eigene interessante Konzepte, von denen alle profitieren. Der Patient, der Heilberufler und das Gesundheitswesen.  

Susan Tuchel

apoBank

1902 wurde die apoBank als „Kredit-Verein Deutscher Apotheker“ in Danzig gegründet. 1948 erfolgte ein Neuanfang durch die Gründung der „Westdeutschen Apothekerbank“ in Düsseldorf. Nun durften auch
Ärzte bei der genossenschaftlichen Bank Kunde werden. Heute ist die apoBank mit über 100.000 Mitgliedern und über 400.000 Kunden die größte genossenschaftliche Primärbank in Deutschland und in ihrem Kundensegment Markführer. Sie begleitet die Heilberufler in jeder Lebensphase, vom Studium über die Anstellung oder Selbständigkeit bis in den Ruhestand. Als Genossenschaftsbank schüttete das Institut in den letzten Jahren eine Dividende von vier Prozent an seine Mitglieder aus. 

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