v.l. Henrietta Six, Vorstandsmitglied der Stadtsparkasse Düsseldorf, und Keynote-Speakerin Tijen Onaran

Fotos: Andreas Endermann

Frauen verdienen noch immer weniger als Männer. Der Gender Pay Gap lag 2026 bei rund 16 Prozent. Jedes Jahr macht der Equal Pay Day darauf aufmerksam, bis zu welchem Tag Frauen rechnerisch „umsonst“ arbeiten, während Männer seit dem 1. Januar bezahlt werden. Gleichzeitig arbeiten Frauen häufiger in Teilzeit, unterbrechen ihre Erwerbsbiografie für Care-Arbeit und investieren seltener am Kapitalmarkt. Die Folge: geringere Vermögensbildung, niedrigere Rentenansprüche – und im Trennungs- oder Krisenfall oft finanzielle Abhängigkeit.

Genau hier setzt das Female Finance-Event der Stadtsparkasse Düsseldorf im Rahmen des Female Network Düsseldorf an. Unter dem Titel „Finanzieren mit Weitblick“ wurde das Forum der Stadtsparkasse zum Treffpunkt für über 200 Business-Frauen, die nicht länger warten wollen, bis sich „das mit dem Geld irgendwann von selbst regelt“.

Wohnzimmeratmosphäre statt Frontalbeschallung

Henrietta Six, Vorstandsmitglied der Stadtsparkasse Düsseldorf, eröffnete den Abend mit einer klaren Haltung: Finanzielle Unabhängigkeit sei kein „Nice-to-have“, sondern eine zentrale Voraussetzung für echte Selbstbestimmung.

„Frauen kümmern sich um ganz, ganz viele Dinge – aber ganz wenig um sich selbst“, sagte Six im Gespräch mit Moderatorin Annette Walz. Ziel der Female-Finance-Reihe sei es, eine Atmosphäre zu schaffen, „in der man kein Blatt vor den Mund nehmen muss. Wo man sagen darf: Ich habe keine Ahnung von Fonds, von Aktien, von Finanz-Tools.“

Diese Offenheit sei entscheidend. Denn viele Frauen, so Six, hätten nie gelernt, selbstverständlich über Geld zu sprechen. Deshalb stelle man bewusst auch unbequeme Fragen: „Wie bist du finanziell aufgestellt? Hast du wirklich einen Überblick? Was passiert im Falle einer Trennung?“

Mit der Veranstaltungsreihe für Kundinnen und dem internen Frauennetzwerk „SHE360“ verfolgt die Stadtsparkasse eine doppelte Strategie: Sichtbarkeit nach außen, Empowerment nach innen. „Wir machen das zusammen, du musst das nicht allein machen“, so Six. Finanzwissen zu vermitteln, gehöre schließlich auch zum öffentlichen Auftrag der Sparkasse.

Tijen Onaran: Von der Unbedarften zur Investorin

Höhepunkt des Abends war die Autorin und Unternehmerin Tijen Onaran, die 2015 eine E-Commerce-Initiative für Frauen startete, als Kolumnistin fürs Handelsblatt schrieb und an „Die Höhle der Löwen“ teilnahm.  In ihrer Keynote sprach sie offen über ihre eigene Scheu vor dem Thema Geld: „Dass ich irgendwann auf einer Bühne stehe und etwas über Zahlen, Investieren oder Geld erzähle – darüber hätte ich früher gelacht“, sagte sie. Sie habe lange gedacht, Finanzen seien eine „Raketenwissenschaft“ – zu komplex, zu abstrakt, nichts für sie.

„Setzt euch an die Tische, an die ihr nicht eingeladen werdet. Oder baut euch euren eigenen Tisch.“

Tijen Onaran

Erst mit der Selbstständigkeit kam die Realität: Steuern, Rücklagen, Verantwortung. Statt sich weiter zu drücken, gründete sie einen „Female Finance Circle“ im Freundeskreis. Dort wurde über Gehälter gesprochen, über Investments diskutiert – und Gehaltsverhandlungen geübt. „Wir haben Rollenspiele gemacht. Eine von uns war die Topmanagerin, die andere in der Verhandlung. Und plötzlich haben wir gemerkt: Das kann man lernen.“

Onaran machte deutlich, dass finanzielle Bildung kein Talent, sondern ein Trainingsprozess sei. Mut sei dabei ein Muskel: „Manchmal reichen 60 Prozent. Man muss nicht 150 Prozent können, um anzufangen.“ Ihr zentrales Credo: Netzwerke sind ein Kapital. „Die Position kann morgen weg sein – das Netzwerk bleibt.“ Gerade für Investmententscheidungen sei ihr Netzwerk heute der wichtigste Impulsgeber.

Mission Money: Finanzwissen als Spiel

Doch statt nach der Keynote in einen klassischen Fachvortrag überzugehen, überraschte die Stadtsparkasse mit einem Perspektivwechsel. Aus Theorie wurde Praxis – und aus Finanzbildung ein Spiel. „Wir wollen niemanden 90 Minuten langweilen“, sagte Katharina Wald vom Female Finance-Team bei der Einführung. Ziel sei es gewesen, Finanzwissen „spielerisch und mit Spaß“ zu vermitteln.

Das eigens entwickelte Spiel „Mission Money“ war dabei weit mehr als ein lockeres Quizformat. In mehreren kleinen Workshops – verteilt auf einzelne Tische und Räume – arbeiteten die Teilnehmerinnen in Gruppen zusammen.  Optisch erinnerte „Mission Money“ an ein klassisches Brettspiel – fast wie Monopoly: Mit Spielbrett, Spielfeldern und Karten. Doch statt Straßen und Immobilien zu kaufen, wählten die Teams zunächst eine fiktive Persönlichkeit aus. Für diese Figur mussten sie im Verlauf des Spiels Lebens- und Finanzentscheidungen treffen: Wie viel Risiko ist sinnvoll? Was hat Priorität – Sicherheit oder Rendite? Wie wird Vermögen langfristig aufgebaut?

An den einzelnen Stationen warteten interaktive Wissensfragen, die die Frauen per Smartphone beantworteten. Nur wenn die Antworten korrekt waren, durfte das Team auf dem Spielbrett weiterziehen. So entstand ein spielerischer Lernprozess mit unmittelbarem Feedback. „Das Spiel ist so ausgelegt, dass jede Frau auch ohne Vorwissen gut mitmachen kann“, betonte Wald. Zusammenarbeit war dabei erwünscht: „Wenn eine im Team die Antwort kennt, darf sie diese natürlich teilen.“

Das Ergebnis: konzentrierte Diskussionen, gemeinsames Abwägen, spontane Aha-Momente – Kein Expertensprech, kein Druck. Sondern kollektives Lernen in einer lockeren Atmosphäre.

Finanzielle Unabhängigkeit als Standortthema

Dass die Stadtsparkasse dieses Format im Rahmen des Female Networks positioniert, ist kein Zufall. Netzwerke, Diversität und finanzielle Selbstbestimmung sind längst nicht mehr nur gesellschaftliche Debatten, sondern auch wirtschaftliche Faktoren. Eine stärkere finanzielle Bildung von Frauen bedeutet: mehr eigenständige Vermögensbildung, eine höhere Investitionsbereitschaft, mehr unternehmerische Aktivitäten und langfristig stabilere wirtschaftliche Strukturen.

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