Eleonore, Jan Wellems große Schwester
Johann Wilhelm II. (1658 – 1716), „unser Jan Wellem“, Kurfürst von der Pfalz und Herzog von Jülich und Berg, ist jedem Düsseldorfer ein Begriff. Er hatte eine ältere Schwester, die am 6. Januar 1655 in Düsseldorf das Licht der Welt erblickte. Im Gegensatz zu Jan Wellem kommt sie allerdings weder im Stadtbild noch im Geschichtsbewusstsein der Stadt Düsseldorf vor. Dabei wurde sie Kaiserin des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Sie residierte in Wien, zwei ihrer Söhne wurden ebenfalls Kaiser. Wer war die Düsseldorferin Eleonore Magdalena Theresia von Pfalz-Neuburg?
Eleonore und ihr Bruder entstammten dem Wittelsbacher Haus der Herzöge von Pfalz-Neuburg an der Donau. Diese übernahmen Anfang des 17. Jahrhunderts die Herrschaft in Düsseldorf. Ihr Vater, Philipp Wilhelm, wurde bekannt als „Schwiegervater Europas“, weil es ihm gelang, einen Großteil der Töchter unter seinen insgesamt vierzehn Kindern in hochadelige europäische Geschlechter zu verheiraten.
Von Eleonore erhoffte man sich eine ähnliche Fruchtbarkeit nach dem Vorbild ihrer Mutter, Elisabeth Amalie von Hessen-Darmstadt. Deshalb nahm der vierzehn Jahre ältere Kaiser Leopold I. die junge Herzogin 1676, 21 Jahre alt, zur Frau. Nach zwei kinderlosen Ehen, bei denen beide Kaiserinnen jung starben, war die Dynastie der Habsburger in Gefahr, keine männlichen Erben hervorzubringen.
Die Hoffnung der Habsburger erfüllte sich. Eleonore kam ihrer dynastischen Pflicht nach und gebar insgesamt zehn Kinder. Darunter die zwei späteren Kaiser Joseph I. und Karl VI., dessen Tochter Maria Theresia als Fürstin die Regierungsgeschäfte 40 Jahre lang führte und es zu historischem Ruhm brachte.
Eleonore konnte und wollte jedoch weit mehr, als bloß den Fortbestand der Dynastie zu garantieren. Schon mit sechs Jahren erhielt sie Französischunterricht, lernte außerdem Italienisch und Latein. Besonders das Französische beherrschte sie perfekt, was ihr nun als junger Kaiserin zu Gute kam. Ihr Biograph, der Jesuitenpater Franz Wagner, schrieb 1721, ein Jahr nach ihrem Tod, dass der Kaiser „in harten Umständen sich Rath bei ihr holte. Er vertraute ihr seine innersten Heimlichkeiten (an)“ und ließ eingehende diplomatische Post von ihr aus dem Französischen übersetzen.
Eleonores Prunksarg in der Wiener Kaisergruft, Copyright: Peter Hachenberg
Eleonores Briefe
Immer öfter wurde sie zur Schaltstelle zwischen dem Kaiser sowie ihrem Vater und Bruder. Letztere drängten sie immer wieder dazu, in diplomatischen und politischen Angelegenheiten bei Kaiser Leopold I. vorstellig zu werden. Historisch belegt ist das in einem Briefwechsel mit eigenhändigen Schreiben Eleonores. Die Briefe an ihren Vater und an Jan Wellem gingen zwischen Wien, Düsseldorf, Neuburg an der Donau und Heidelberg hin und her. Die Wiener Historikerin Katrin Keller entdeckte die umfangreiche Korrespondenz und veröffentlichte diese im Internet.
Die Briefe geben nicht nur Einblicke in die Politik der Habsburger und Wittelsbacher, sondern geben hin und wieder auch Privates preis, das oft erheblich von den Schilderungen ihres jesuitischen Biographen abweicht. Während Franz Wagner betont, dass der Kaiserin alle irdischen Freuden fremd gewesen sind und sie ein strenges, einzig auf Gott ausgerichtetes Leben führte und damit ein offizielles Geschichtsbild schuf, zeigt sich in den Briefen eine ganz andere Eleonore. Eine Frau, die besonders in ihren jüngeren Jahren gutes Essen und Trinken zu schätzen wusste. Sie liebte die Musik, besonders die Oper, eine Leidenschaft, die sie mit ihrem Gatten teilte. Über eine dieser Opern schrieb sie am 17. April 1687 an ihren Vater: „Es kommt mir sonst vor, es sei nicht übel, sowohl die Music als die Poesie. (…) Ihre Majestät haben auch 3 Arien davon gemacht, (…). Sie sind gar schön.“
Dass Eleonore bei all ihren Aktivitäten aber eine zutiefst gläubige Frau war, ist unbestreitbar. Messen und Gebetsstunden bestimmten ihren Tagesablauf. Der Tod ihres Gatten Leopold am 5. Mai 1705 änderte ihre Lebensumstände grundlegend. Sie legte ihre Trauerkleidung 15 Jahre lang bis zu ihrem Tode nicht mehr ab. Ihr Leben als Witwe wurde karger und strenger – sogar von blutiger Selbstgeißelung ist die Rede. Ihr Biograph Wagner schreibt: „Fast täglich züchtigte sie ihren unschuldigen Leib mit Geißeln.“ Aus Eleonores Feder erfahren wir davon jedoch nichts.
Von ihrem tiefen Glauben zeugt jedenfalls ein schlichter und berührender Brief an ihren Bruder Jan Wellem in Düsseldorf vom 26.02.1716. Eleonore bedankt sich in diesem für die Zusendung eines Buches der spanischen Nonne und Mystikerin Maria de Jesús von Ágreda und dafür, dass der Kurfürst sich auch um ihr „ewiges Heil, an welchem alles liegt und ohne welches alles andere nix ist,“ sorge.
Am 19. Januar 1720 verstarb die Kaiserin Eleonore an den Folgen eines schweren Schlaganfalls. Für ihr Begräbnis in der Wiener Kaisergruft wünschte sie sich einen einfachen Holzsarg. Bei Restaurationsarbeiten an dem heutigen Prunksarg wurde er 1993 wiederentdeckt. Ihre Enkelin Maria Theresia hatte den Prunksarg 1745, dann erneut 1755 anfertigen lassen und den Holzsarg darin eingelassen. Dieser trägt die von Eleonore selbst veranlasste Inschrift: „Eleonora Magdalena Theresia, arme Sünderin“.
Weitere Informationen und Bilder über die nicht nur in Düsseldorf vergessene Kaiserin Eleonore Magdalena Theresa finden sich auf der Webseite von Peter Hachenberg www.duesseldorfgeschichte.com.
