Abschied von Michael Gstettenbauer
Die ZOO:M Redaktion nimmt Abschied von einem langjährigen Freund und Kollegen.
Von einem, der nie laut war – und gerade deshalb unvergessen bleibt.
Manche Menschen bleiben, auch wenn sie gehen. Michael ist so einer. Ich habe ihn Mitte der 1990er Jahre in der Düsseldorfer Redaktion der BILD-Zeitung kennengelernt, als ich mir selbst meine ersten Sporen im Journalismus verdiente. Wir waren oft gemeinsam unterwegs, haben Geschichten gesucht, gefunden und erzählt – jeder auf seine Weise. Michael mit der Kamera. Ich mit dem Notizblock.
Was ihn auszeichnete, war sein Blick. Während andere das Offensichtliche fotografierten, suchte er den Moment dahinter. Kein austauschbares Gruppenbild, kein Standardmotiv. Seine Bilder hatten Tiefe, Haltung, manchmal sogar eine leise Ironie. Sie waren nie laut – aber sie blieben. Er hatte diese seltene Fähigkeit, Menschen wirklich zu sehen. Nicht die Pose, nicht die Fassade – sondern das, was darunter liegt.
Seit 1985 war Michael als Fotojournalist für die BILD und die Bild am Sonntag unterwegs. Ein klassischer News-Reporter: immer auf Abruf, immer bereit, immer nah dran. Wenn irgendwo etwas geschah – politisch, gesellschaftlich oder auch tragisch – war er oft einer der Ersten vor Ort. Er hat Bürgermeister kommen und gehen sehen, große Ereignisse dokumentiert, Prominente getroffen, Prozesse begleitet, Interviews geführt, Geschichten bebildert. Von Düsseldorf bis Cannes, von Gerichtssälen bis zu internationalen Terminen – Michael war überall dort, wo das Leben stattfand. Und doch war er keiner, der sich wichtig nahm.
Im Gegenteil: Michael war ruhig. Beobachtend. Einer, der lieber zuhörte als redete. Kein Mann für große Auftritte, kein Macho, kein Lautsprecher. Sondern jemand, der wusste, was sich gehört. Verlässlich. Klar. Unaufgeregt. Sein Humor war trocken, manchmal fast beiläufig. Und wer ihn kannte, wusste: Hinter dieser ruhigen Art steckte ein wacher Geist – und eine schnelle Auffassungsgabe.
Er war kein Freund von Inszenierung oder künstlicher Lautstärke – und suchte auch in großen Kulissen immer das Echte. Dabei bewegte er sich selbstverständlich inmitten großer Menschenmengen: auf internationalen Messen wie in Cannes und München, bei Veranstaltungen mit den Düsseldorfer Oberbürgermeistern, auf Leitmessen wie der drupa, der Interpack, K, Wire & Tube, der Medica, der Rehacare, der Caravan oder der Boot. Auch Konzerte und große Sportveranstaltungen gehörten zu seinem Terrain – Marathonläufe, Radrennen, Leichtathletik oder Tischtennis. Mit Timo Boll verband ihn über Jahrzehnte eine persönliche Bekanntschaft. Gerade die Dynamik solcher Momente reizte ihn: die Bewegung, das Timing, der präzise Fokus – die Herausforderung, im richtigen Augenblick das Entscheidende festzuhalten.
Seine Leidenschaft für die Fotografie begann früh – schon als Schüler zog es ihn ins Fotolabor. Später machte er sein Hobby zum Beruf. Und blieb diesem treu. Auch privat war die Kamera oft dabei. Immer auf der Suche nach dem nächsten echten Moment.
Michael war ein Mensch mit Haltung. Mit einem eigenen Willen. Jemand, der genau wusste, was er wollte – und was nicht. Politisch interessiert, wach, neugierig. Einer, der verstehen wollte, wie die Welt funktioniert. Und der sich seine eigene Meinung gebildet hat.
Sein Tod kam viel zu früh. Und viel zu plötzlich. Er hinterlässt eine Lücke, die sich nicht schließen lässt. Nicht für seine Familie. Nicht für seine Freunde. Und auch nicht für uns.
Auch bei ZOO:M hat Michael das weitergeführt, was ihn immer ausgezeichnet hat: ein klarer Blick, ein feines Gespür für Menschen – und eine Präsenz, auf die man sich verlassen konnte.
Du bist auf dem Weg oder schon angekommen – irgendwo hinter dem Horizont. Und bleibst doch bei uns. In unseren Erinnerungen. In deinen Bildern. Wir vermissen dich.
Deine ZOO:M Redaktion / Alexandra von Hirschfeld
