22 März 2022

Zehn Fragen an Düsseldorfer Künstlerinnen und Künstler Norika Nienstedt

Bei der Eröffnung von „DIE GROSSE Kunstausstellung NRW“ am 11. Juni im Kunstpalast wird ihr offiziell der Kunstpreis der Künstler für das Jahr 2022 verliehen werden. Norika Nienstedt lebt und arbeitet in einem Atelier in einer ehemaligen Fabrik in Flingern. Seit über 50 Jahren arbeitet sie als Künstlerin. Mit 17 Jahren zog sie in eine Kommune nach Heidelberg, drehte Kurzfilme, war Sängerin in einer Punkband und fing an, Puppen als Abbilder von Menschen zu nähen. In den 1970-er Jahren studierte sie freie Malerei an der Staedelschule in Frankfurt am Main. Vor 40 Jahren kam sie nach Düsseldorf und fing an Porträts zu malen. 2000 fertigte sie Puppen für Charles Wilp an und fing an, Stofftiere zu porträtieren, stellte in der Tonhalle aus. 2006 schlichen sich Collagen in ihre Zeichnungen. Ihre Bilder spiegeln wider, was sie liebt und was sie sich „einverleiben“ will:  Schriftsteller, Musiker, Menschenaffen, Tiere. In ihren Collagen findet sich meist etwas Historisches, Kleinodien, Naturmaterialien oder Meereswesen und immer etwas Surreales. Die Porträts bearbeitet sie so lange, bis sie verfremdet sind und die Schöpferin selbst überraschen. Zahlreiche Gruppen- und Einzelausstellungen folgten. Ihre Werke, Originale, hochwertige Pigmentprints sowie eine Sonderedition mit einer Auflage von 20 Blatt werden bei „Die Grosse“ nicht nur zu sehen, sondern auch käuflich zu erwerben sein.

 © Petra W. Barathovahttps

1. Welchen Stellenwert nimmt Kunst in Ihrem Leben ein? 

Den allergrößten, neben meinem Mann, meiner Familie, Yoga und Büchern. Es war nicht immer so, aber seit etlichen Jahren brauche ich die kreative Tätigkeit wie Essen und Schlaf.

2. Welche künstlerischen Vorbilder haben Sie am stärksten beeinflusst? 

Egon Schiele, Max Ernst, Patti Smith und Jan Vermeer.

3. Welche anderen Berufe wären für Sie auch in Frage gekommen? 

Wenn überhaupt, Yogalehrerin, was ich ja nebenbei auch geworden bin.

4. Was brauchen Sie, um schöpferisch tätig zu sein? 

Ruhe, Bücher, Zeitschriften, Stifte, Farben, Schere und Papier.

„Bodhi Blätter“, 2021, Analogcollage und getrocknete Bodhi Baum Blätter, 32,5×23 cm

O.T. 2021, Analogcollage, 27×20 cm

5. Worauf legen Sie momentan Ihren künstlerischen Schwerpunkt? 

Auf das kreative, intuitive Spiel mit Papier, das fotographische Festhalten der Ergebnisse und dass es mir hoffentlich immer wieder gelingt, mich selbst zu überraschen.

6. Woran arbeiten Sie gerade? 

Aus ca. 800 Bildern eine Auswahl und Zusammenstellung von ca. 80 für „Die Grosse“ 2022 zu treffen …

„Flüssiger Junge mit Dackel“ 2022, Analogcollage, 29×20,5 cm

O.T. 2021, Analogcollage, 21,5×19,5 cm

7. Welches Kunstmuseum würden Sie gerne leiten? 

Ich wäre für die Leitung eines Museums äußerst ungeeignet.

8. Düsseldorf hat eine lebendige Kunstszene, womit sind Sie zufrieden und wo wünschen Sie Veränderungen? 

Vieles gefällt mir, besonders erfreulich finde ich z. B. die KUNSTPUNKTE, die seit vielen Jahren, vom Düsseldorfer Kulturamt organisiert, jeden Sommer stattfinden. Denn sie geben zahlreichen Künstlern, die im Museums- und Galeriebetrieb kaum vorkommen, eine Möglichkeit mit Kunstinteressierten in Kontakt zu treten.

9. Welche Rolle wird die Kunst Ihrer Meinung nach im digitalen Zeitalter einnehmen? 

Kunst und das Live-Erleben von Kunst wird meiner Meinung nach immer wichtig für eine freie und lebendige Gesellschaft sein.

10. Wie hat die Coronakrise Sie und Ihr künstlerisches Schaffen beeinflusst? 

Mir hat der Rückzug künstlerisch sehr gutgetan. Ich konnte mich in den letzten beiden Jahren so intensiv auf meine Arbeit konzentrieren wie noch nie zuvor und auch an der Netzpräsenz arbeiten, z. B. dem Aufbau einer Instagram-Seite, die eine Art künstlerisches Tagebuch darstellt und mir Resonanz aus aller Welt bringt.

120 Jahre DIE GROSSE

„DIE GROSSE Kunstausstellung NRW“ feiert 2022 ihr 120-jähriges Bestehen. Als eine der wenigen Kunstausstellungen weltweit können Besucher Kunstwerke in einem Museum käuflich erwerben. Die Ausstellung ist weit über NWR hinaus bekannt. 860 Bewerbungen gab es in diesem Jahr, 300 Kunstwerke sowie eine Sonderausstellung zu den Kunstkatalogen werden in diesem Jahr zu sehen sein.

„Die Grosse“ findet vom 11. Juni bis 17. Juli im Museum Kunstpalast und im NRW-Forum statt. Die offizielle Eröffnung am 11. Juni ist um 16.00 Uhr. Ab 19.00 Uhr beginnt die Nacht der Museen.

zur Ausgabe 1 2022