Fotos: Mira Mikosch

„Es ist nicht leicht, einen gut bezahlten Job aufzugeben.“ Barbara Wiecher blickt auf mehr als zwei Jahrzehnte Erfahrung in der Personalbranche zurück – als Psychologin, Transformationsmanagerin und Personalentwicklerin, davon vier Jahre in New York. Wieder zurück in Düsseldorf Pempelfort, stellte sie sich immer öfter die Frage: Wie sollen die nächsten 20 Berufsjahre für mich aussehen?

Im Oktober 2025 gründete Barbara Wiecher das Beratungsunternehmen Your HR Lab. „Meine Chefin wusste von meiner Geschäftsidee und weil ich eine 4-Tage-Woche hatte, konnte ich quasi nebenbei gründen“, erzählt Wiecher.  

Mit ihrem HR Lab berät und coacht die Expertin heute Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vor Ort. Sie analysiert, wie die Teams im Alltag funktionieren und wie die Führungsebene agiert. Außerdem unterstützt sie beim Aufbau nachhaltiger Strukturen und moderner Prozesse und entwickelt eigene Talentprogramme für die Unternehmen, mit denen die Personaler dann weiterarbeiten können, wenn das HR Lab nicht mehr vor Ort ist.

Angesichts einer stagnierenden Arbeitsmarktnachfrage und rund einer Million offener Stellen Ende 2025 ein echter Gamechanger. „Das Recruiting allein wird es nicht richten, wenn Führung, Zusammenarbeit und Entwicklung nicht funktionieren“, erklärt Wiecher. Ein klassisches Problem, sagt sie, seien Silos, also abgeschottete Abteilungen: Der Vertrieb verkauft etwas, was die Produktion nicht liefern kann und die IT ist nicht vorbereitet.

Auch Künstliche Intelligenz verändert die Personalarbeit zunehmend. „KI kann dabei helfen, Bewerbungen zu strukturieren und erste Orientierung zu geben. Die Entscheidung muss jedoch immer beim Menschen bleiben“, betont sie. Schließlich gelten KI-Systeme zur Personalauswahl nach dem EU AI-Act als Hochrisiko-Anwendungen.

Dass Wiecher Psychologin ist, wird im Gespräch schnell spürbar. Sie interessiert sich nicht nur für das, was Menschen tun, sondern für das Warum dahinter. „Dieses Hinter-die-Fassade-Blicken ist entscheidend, um Veränderungen anzustoßen.“ Sie nennt als Beispiel eine Führungskraft, die ihre Mitarbeiter anschreit. Man könne natürlich sagen, „hör auf damit“. Nachhaltiger sei es, Ursachen wie Druck, Unsicherheit oder Dynamiken zu erkennen und die Zusammenarbeit mit dem Team zu verbessern.

Barbara Wiecher, Gründerin des Beratungsunternehmens Your HR Lab

Und wenn sie ihren Schritt selbst einmal analysieren sollte? „Dann war es weniger der Sprung ins Unbekannte als ein Wechsel der Perspektive: vom internen System in einem Unternehmen zur Arbeit an vielen Systemen im eigenen Lab.“ Vielleicht ist das der Weg, den viele Gründer gerade gehen: nicht höher, sondern freier.

www.yourhrlab.de

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