17 November 2020

Run aufs Rennrad

Run aufs Rennrad

Wunsch nach Bewegungs-Freiheit in Corona-Zeiten

Rauf aufs Rad und sich bewegen, raus aus der Enge der Wohnung und der alltäglichen Corona-Beschränkung und rein in die Natur. Neue Wege erkunden durch Wälder, Wiesen und Felder, quer durch die Stadt, entlang des Rheins. Neue Eindrücke sammeln, den Geist fliegen lassen und etwas für den Körper tun. Mit dem Rennrad geht es leicht und schnell und macht auch noch Spaß. Das haben in diesem Jahr mehr und mehr Menschen entdeckt. Richard Pratt, Rennrad-Enthusiast, Profi-Rennrad-Mechaniker und Inhaber des Rennrad-Shops Ricci-Sports, erzählt uns warum.

Warum sind in diesem Jahr mehr Menschen „aufs Rennrad“ gekommen?

Es ist tatsächlich so, wir konnten und können uns gar nicht mehr retten vor Leuten, die ein neues Rad wollen oder ihr altes Rennrad wieder fit machen möchten. Nie zuvor war die Nachfrage so groß wie in diesem Frühjahr und Sommer. Es ist mittlerweile schon schwer überhaupt noch an Ersatzteile zu kommen. Warum das so ist? Zum einen gibt es mittlerweile ein stärkeres Bewusstsein für das Thema Fahrrad im Allgemeinen, verbunden mit der Verkehrswende. Es sind mehr neue Radwege in Düsseldorf entstanden, es gibt mehr Kommunikation übers Radfahren.
Es wurde ja von den Gesundheitsministern sogar dazu aufgerufen Rad zu fahren. Und besonders durch Corona weichen die Menschen lieber aufs Fahrrad aus, statt eine Ansteckung in öffentlichen Verkehrsmitteln zu riskieren. Beim Rennrad kommt dann noch eine sportliche Komponente hinzu, die meisten Fitnessstudios sind  geschlossen, nicht alle Menschen haben Spaß am Laufen oder können das nicht wegen Gelenkproblemen. Da ist das Rennrad eine wunderbare Fitnessalternative. Wir haben auch festgestellt, dass mehr und mehr Frauen aufs Rennrad gekommen sind. Manchmal fährt der Partner bereits Rennrad und so können sie in der momentan schwierigen Zeit etwas gemeinsam machen, wo doch Gruppen-ausfahrten mit den Trainingsteams verboten sind. Durch die gemeinsamen Radausfahrten von Pärchen intensivieren sich auch die Beziehungen – das finde ich einen besonders positiven Aspekt. Ein weiterer Vorteil ist auch: Ich hole mir ein bisschen Freiheitsgefühl zurück, das in Zeiten von Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen sehr kurz kommt. Gerade wenn man mit mehreren Familienangehörigen oder Freunden auf engstem Raum den ganzen Tag sitzt (Stichwort: Home Office), bietet das Rennradfahren die Möglichkeit Stress und mentale Belastung abzubauen und den Kopf ein bisschen frei zu bekommen.

Muss man besonders sportlich sein, um Rennrad zu fahren?

Man sollte vielleicht sportliche Gedanken mitbringen oder den Wunsch haben etwas für seine Fitness zu tun. Dann bietet das Rennrad hervorragende Möglichkeiten, um das Herz-Kreislaufsystem und die Muskulatur zu stärken und das ohne eine so hohe Körperbelastung wie beim Laufen, wo ja ein Vielfaches des Körpergewichts auf unsere Gelenke, Sehnen und Bänder einwirkt. Gerade, wenn man etwas zu viel Gewicht, z. B. Corona-Pfunde, auf die Waage bringt, ist lockeres Rennradfahren eine super Methode, um es wieder loszuwerden.

Kommen auch Menschen mit ihren alten Schätzchen zu euch?

Ja, es ist so ein bisschen „back to the roots“, die Rennradfahrer von früher holen ihre alten Räder aus dem Keller, zum Teil mit dem Staub und den Spinnweben von Jahrzehnten in den Speichen und kommen zu uns, damit wir sie wieder fit machen. Das finde ich sehr spannend. Ein Kunde kam mit alten Laufrädern, die ich vor 28 Jahren gebaut hatte, und in der ganzen Zeit mussten diese nicht einmal zentriert werden. 

Wie sieht es aus mit Ersatzteilen, wenn ich mein Rad jetzt auch fit machen möchte?

Es ist momentan wirklich eng. Ich habe gestern noch mit Ralf Dors von der Firma Thompson gesprochen. Er sagte, dass wir bis nächstes Jahr Lieferschwierigkeiten mit Rädern und Teilen haben werden. Es gibt fast keine Look-Pedalen oder Schuhplatten mehr. Wir kaufen momentan alles, was es gerade gibt, auf Vorrat auf, um uns gegen weitere Engpässe zu rüsten. Aber wir machen alles möglich, um weiterhin unseren Service anbieten zu können.

Immer mehr Menschen entdecken in Corona-Zeiten das Rennradfahren für sich.

Wie lange muss ich derzeit auf eine Reparatur bei Ihnen warten?

Wir versuchen alles innerhalb von zwei Tagen fertig zu machen, wenn wir die Teile vorrätig haben. Wie gesagt, bei manchen Teilen gibt es Lieferengpässe, aber wir sind momentan noch recht gut aufgestellt mit den Standard-Teilen.

Was empfehlen Sie Rennradfahrern gerade jetzt in Corona-Zeiten?

Lass es locker angehen, es ist jetzt eh Wintersaison, also keine zu intensiven Einheiten, die das Immunsystem schwächen. Fahre nur mit Personen, mit denen du in einem Haushalt wohnst. Gruppenausfahrten sind ja eh momentan nicht erlaubt. Nicht mehr als zwei Personen und ein
Sicherheitsabstand von 1,5 Metern. So hilfst du die Kurve abzuflachen und die Krise zu überstehen. Fahre vorausschauend, nicht risikoreich, überschätze dich nicht und schütze dich. Setze einen Helm auf und vermeide Stürze. Das Gesundheitssystem in Deutschland ist gut ausgelastet und braucht nicht noch Radfahrer, die gestürzt sind. Passe deinen Fahrverhalten entsprechend an und schon kann der Rennrad-Spaß beginnen.
Alexandra von Hirschfeld

Ricci Sports – Rennrad-Werkstatt, Top 2nd-Hand-Rennräder und vieles mehr

Professioneller Mechaniker-Service rund ums Rennrad ob Einsteiger, Aufsteiger, Professionals oder Vintage-Fans. Der Service umfasst Inspektionen, individuelle Rad-Neuaufbauten, Verkaufsberatung, Vermessen der optimalen Sitzposition und Trainingsberatung. Zusätzlich kann man hier tolle Schnäppchen machen, denn Richie hat häufig eine Auswahl erstklassiger 2nd-Hand-Rennräder auf Lager, fast wie neu und kaum gefahren.
Ricci-Sports bietet auch in Zeiten der Coronakrise professionellenMechaniker-Service rund ums Rennrad. 

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