Fotos: Bernd Obermann
Gamechanger in der Softwareentwicklung
Im Alto im Düsseldorfer Medienhafen arbeitet das Team von NanoVerse AI an einem zentralen Engpass in der Softwareentwicklung: dem Anforderungsmanagement. Was vielleicht ein bisschen bürokratisch klingt, ist ein echter Gamechanger. Denn ohne klare Zielsetzung wird schnell am Bedarf vorbei entwickelt – und das kostet Zeit, Geld und Nerven.
Hinter NanoVerse AI stehen Lukas Czarnecki, Michèle Czarnecki und Stefan Neidig. Als Kind kommt Lukas aus Polen nach Deutschland, ohne Sprachkenntnisse, ohne finanzielle Sicherheit. Er bringt sich selbst das Programmieren bei, verkauft als Teenager Software und finanziert damit sein Studium. Dort lernt er Michèle kennen, sie werden ein Paar und bauen gemeinsam ihr erstes Unternehmen NanoGiants auf. Stefan Neidig kommt später dazu und treibt als CTO die technologische Ausrichtung voran.
Aus einem studentischen Setup wächst über Jahre ein Unternehmen mit Projekten im Gesamtwert von über 30 Millionen Euro. Was sie dabei immer wieder erleben: Die Projekte und Budgets werden größer – aber das Grundproblem bleibt. „Es hakt bei den Anforderungen, egal, ob beim Start-up oder Konzern. Wenn die nicht klar definiert sind, wird es teuer“, sagt Lukas Czarnecki. Und mit KI wird die Entwicklung immer schneller. „Wenn du nicht weißt, was du bauen sollst, entwickelst du einfach schneller das Falsche“, erklärt Stefan Neidig. Die Folgen sind Fehlentwicklungen, doppelte Arbeit, Projekte, die neu aufgesetzt werden müssen. „Da gehen schnell sechsstellige Beträge verloren“, rechnet Lukas Czarnecki vor.
Deshalb gründet das Trio Ende 2025 die NanoVerse AI, um Unternehmen ein KI-gestütztes Anforderungsmanagement zu bieten. Ihre Lösung prüft die Anforderungen auf Vollständigkeit, erkennt Abhängigkeiten zwischen Systemen und Teams, strukturiert Inhalte und bewertet den Business Value.
Ein erstes Großprojekt mit einem Versicherungskonzern zeigt, wie groß das Potenzial ist. Denn dort arbeiten bislang ganze Teams an den Anforderungsprofilen. Perspektivisch lässt sich dieser Aufwand deutlich reduzieren – bei gleichzeitig höherer Qualität und besserer Entscheidungsgrundlage.
AI-first – NanoVerse AI denkt nicht nur Produkte neu, sondern auch die eigene Organisation. „Wir schauen zuerst, wie wir unser Team durch KI-Mitarbeiter skalieren können, bevor wir neue Stellen schaffen“, sagt Michèle Czarnecki.
In den nächsten Jahren will NanoVerse AI nicht nur interne Prozesse verbessern, sondern auch Kundenfeedback direkt in Anforderungen übersetzen. Beschwerden, Wünsche und Nutzungsdaten sollen automatisch erkannt, eingeordnet und in Produktentscheidungen überführt werden.
