5 August 2020

von Düsseln die Lizenz zum Drucken

von Düsseln die Lizenz zum Drucken

Heimatliebe trägt man nicht nur im Herzen. Für viele ist sie auch ein modisches Statement. T-Shirts, Hoodies und Caps sind gebrandet mit dem Fernsehturm, der Skyline oder mit 0211. Da geht noch mehr und auch quer durch alle Altersklassen, dachten sich zwei Düsseldorfer und erfanden die Marke „von Düsseln“. Ihr „Gesellenstück“: Sneakers und Masken mit Düsseldorf-Stadtplan – beides noch ein Geheimtipp aus Kaiserswerth. 

© Alexander Vejnovic, das-fotostudio-duesseldorf.de

Links außen am Fuß schlängelt sich der Rhein unter der Kniebrücke, sind der Rheinufertunnel und der Carlsplatz verewigt. Auf der Innenseite der Kaiser-Friedrich-Ring und die Rheinwiesen in Niederkassel und jenseits der Theodor-Heuss-Brücke der Kennedydamm. Rechts zeigt man weniger Rhein, dafür geht es bis zur Stadtmitte und endet über dem rechten kleinen Zeh mit der Immermannstraße. Auf der Innenseite dann Unterbilk mit Kirchplatz und St. Peter, Lorettostraße und Ständehaus – so kommt der Düsseldorf-Turnschuh daher. Auf die Idee, mit einem Stadtplan auf den Schuhen durch die Straßen der selbigen zu laufen, kam Andrea Dahmen. Die Bekleidungstechnikerin kennt sich mit Design und Textilchemie aus. Sie hat in Wuppertal und an der Sorbonne studiert und als Stilistin lange Zeit für ein Modeunternehmen gearbeitet. Vor drei Jahren machte sie sich selbstständig, zog von Unterbilk nach Kaiserswerth und übernahm das alteingesessene Modegeschäft „Maison de fil“ am Kreuzberg in Kaiserswerth. 

Dort stapeln sich auf einem Tisch die Original-Converse-Sneaker mit Lokalkolorit in den Größen 36-46. Aktuell ist die Boutique der einzige Point of Sale, denn die Website ist noch „under construction“. Für Andrea Dahmen und ihren Geschäftspartner Rainer Timmen sind die Düsseln-Chucks und -Masken erst der Anfang. Im September 2019 gründeten die beiden Unternehmer die „von Düsseln GmbH“. Da lag bereits ein Jahr harter Arbeit hinter ihnen.  „Die Idee mit dem Textildruck von Stadtplänen haben wir gemeinsam entwickelt. Rainer hatte schon ein Hemd mit einem Stadtplan von Düsseldorf und kennt sich bestens im Vertrieb aus. Und ich wollte schon immer modisch etwas Neues auf die Beine stellen, etwas, das es einfach noch nicht gibt. Von Anfang an war uns klar: Wir wollten nicht nur die Exklusivrechte für den Düsseldorfer Stadtplan, wir wollten das Copyright für alle Städte weltweit“, erzählt die Geschäftsfrau.

Stadtpläne all over the world

Doch mit wem sollte man bezüglich der Copyrightrechte für den Textildruck in Verhandlung treten? Mit Google earth im Mountain View im Silikon Valley in Kalifornien oder mit dem Falk-Verlag in Ostfildern südöstlich von Stuttgart? Die beiden Gründer entschieden sich nach einigem Hin und Her für den kürzeren Weg und stellten ihre Geschäftsidee dem Falk-Verlag in Baden-Württemberg vor. Am Ende konnten sie die MairDumont-Gruppe, zu der der Falk-Verlag gehört, für ihre Geschäftsidee gewinnen. Heute haben die beiden Düsseldorfer exklusiv die weltweite Lizenz, um Falk-Stadtpläne auf Produkte aller Art zu drucken und Handel damit zu treiben. 

„Die Düsseldorf-Sneakers und Masken sind erst der Anfang. Wir arbeiten parallel an kompletten Textilkollektionen mit Kissen, Fußmatten, Handtüchern, Geschirrtüchern, Boxershorts und Gummistiefeln. Auch eine eigene Kinderkollektion würde ich gerne designen“, verrät Andrea Dahmen. Ideen hat die Textilexpertin viele: Warum nicht ein Hotel ganz individuell mit einem großen Stadtplan-Teppich im Foyer ausstatten? Auch bedruckte Möbel, Duschvorhänge und Geschirr kann sie sich vorstellen, ebenso wie Jacken und Mäntel im Städtelook. Für das Oktoberfest 2021 sieht sie vor ihrem geistigen Auge schon ein Dirndl mit Stadtteil-Patches. Auch die benachbarte Rheinmetropole mit dem Dom möchte sie mit ihren Kollektionen begeistern und dann den Rest der Welt mit Metropolen wie Wien, Barcelona, Prag und Rom.  

Der lange Weg von der Idee zum Produkt

Mit Corona kamen die ersten Lieferschwierigkeiten mit Lieferanten. Aber auch wenn die Lieferkette reibungslos funktioniert, muss jedes Produkt auf Herz und Nieren geprüft werden. „Wir bestellen weltweit und testen die Qualität jedes einzelnen Produkts, mit dem wir auf den Markt gehen wollen“, erklärt Geschäftspartner Rainer Timmen. Handtücher werden bedruckt und gewaschen und dann prüft die Bekleidungstechnikerin, ob der Druck auch nach der Wäsche noch farbecht ist. Die Chucks bekommen die beiden Geschäftsführer ganz weiß nach Düsseldorf geliefert. Dann werden sie in einer Düsseldorfer Druckerei bedruckt. Auch hier waren viele Probedrucke zu beurteilen. „Ursprünglich wollten wir sogar für jeden Stadtteil einen eigenen Turnschuh drucken lassen, aber so kleine Chargen sind dann doch ein Problem“, weiß Andrea Dahmen heute. Und ganz nebenbei läuft der Betrieb in der Boutique „Maison de fil“ weiter. Während des Lockdowns hatte Andrea Dahmen ihre Kollektionen auf Facebook präsentiert, auch das funktionierte gut. Auch die Sneakers und Masken bewirbt sie dort. Zusammen mit dem Management des Start-ups kommt die Geschäftsfrau und Vorsitzende der Werbegemeinschaft Kaiserswerth unter 60 bis 70 Stunden nicht nach Hause. Aber das macht ihr nichts aus, denn ihre Vision ist es, Kleidung, Accessoires und mehr für Menschen zu entwerfen, die ihre Heimat lieben.
Susan Tuchel

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