23 September 2022

Sport verbindet

Sport verbindet

Die Sportstadt Düsseldorf zeigt Herz

Düsseldorfer Sportvereine engagieren sich für Menschen aus der Ukraine. Dafür wurden von der Bürgerstiftung Düsseldorf und der Stadtsparkasse Düsseldorf 40.000 Euro ausgeschüttet.

Seit Beginn des russischen Angriffskriegs sind in Nordrhein-Westfalen 178.687 Flüchtlinge mit ukrainischer Staatsangehörigkeit im Ausländerzentralregister (AZR) erfasst worden. Allein in Düsseldorf wurden bis Ende August rund 9.000 Geflüchtete aus der Ukraine registriert. Um diesen Menschen zu helfen, haben die Bürgerstiftung Düsseldorf und die Stadtsparkasse Düsseldorf 40.000 Euro an Sportvereine aus der Region ausgeschüttet. Die Gelder stammen aus dem Spenden-Sonderfonds, der für konkrete Hilfsprojekte für Kriegsgeflüchtete aus der Ukraine aufgelegt worden war.

Bis Mitte August konnten engagierte Sportvereine einen Antrag auf finanzielle Unterstützung stellen. Rund 20 Anträge sind insgesamt eingegangen. „Wir sind beeindruckt von dem breiten Engagement und Ideenreichtum der Sportvereine. Die Vielfalt der eingereichten Projekte verdeutlicht, dass in den Vereinen auf vielerlei Ebenen daran gearbeitet wird, die Integration der angekommenen ukrainischen Geflüchteten zu erleichtern“, sagt Karin-Brigitte Göbel, Vorstandsvorsitzende der Stadtsparkasse Düsseldorf.
Kira Schmitz, die das Projekt für die Bürgerstiftung Düsseldorf koordiniert hat, ergänzt: „Wir freuen uns sehr, dass wir gemeinsam mit der Sparkasse Düsseldorf dabei helfen konnten, geflüchteten Ukrainerinnen und Ukrainern einige unbeschwerte und fröhliche Stunden zu ermöglichen. Sicher ist das fast ebenso wichtig für die Menschen, die zu uns kommen, wie Nahrung und ein Dach über dem Kopf.“
Die Tennisgemeinschaft Lörick zum Beispiel organisierte ein Solidaritätskonzert, bei dem ukrainische Künstler Werke von Bach, Beethoven und Liszt präsentierten. Fortuna Düsseldorf hat zusammen mit Women International Zionistic Organization (WIZO) ein Benefizspiel ausgerichtet und Geflüchtete aus der Ukraine zum letzten Heimspiel der Saison gegen Darmstadt 98 kostenlos in die Merkur-Spiel Arena eingeladen. 

Besonders beeindruckend – der DJK Tusa 06 Düsseldorf stellte kurzfristig ein Sportprogramm für geflüchtete Mütter und Kinder auf die Beine. „Wir haben schon im März bei der Stadt Düsseldorf unsere Bereitschaft signalisiert, Kindern und Jugendlichen aus der Ukraine Sportangebote zu ermöglichen. Wir haben u. a. Kontakt zum Amt für Migration und zum Sozialamt aufgenommen, die uns als potenzielle Anbieter mit aufgenommen haben. Da ist aber nichts passiert“, erzählt Anke Teraa hauptamtliche Geschäftsführerin des DJK Tusa 06. Eines Tages erhielt der Verein einen Anruf von einer Dame aus der Nachbarschaft, die anfragte, ob man sich vorstellen könne, Kindern und ihren Müttern ein Sportangebot zu machen. Es waren insgesamt 40 Kinder und Mütter, die in der Nähe untergekommen waren. Ziel war es, die Kinder in Schulen unterzubringen, was sich aber zunächst als sehr schwierig herausstellte. Zur Überbrückung sollte zumindest ein Sportangebot für sie auf die Beine gestellt werden. „Gemeinsam mit unserem Sportlehrer und Trainer haben wir innerhalb von 30 Minuten eine Sportgruppe organisiert. Zwei Tage später fingen die Mütter mit ihren Kindern bei uns an zu trainieren“, erzählt Anke Teraa. Zweimal die Woche konnten sie an einem abwechslungsreichen und altersgerechten Sportangebot teilnehmen. Die Aktion war zeitlich begrenzt, weil die Geflüchteten dann Stück für Stück in Deutschkurse oder in Schulen integriert wurden. „Es war rundum eine positive Stimmung bei allen Beteiligten. Schon nach den ersten Einheiten sagte unser Sportlehrer, wie stark ihm das ans Herz geht, wenn man diese Kindergesichter sieht und sie für eine kurze Zeit von dem Schrecklichen, das sie erlebt haben, ablenken kann“, sagt Anke Teraa. Zusätzlich ermöglicht der Verein ukrainischen Kindern die beitragsfreie Teilnahme an allen Sportangeboten, ob beim Basketball, beim Fußball, beim Volleyball oder bei der Gymnastik. Die Kinder und Jugendlichen können ein- oder zweimal wöchentlich trainieren.

Im Fußballverein DJK Sparta Bilk trainieren derzeit 21 Jungs im Alter von sieben bis 16 Jahren kostenfrei. Die ersten haben direkt im März dieses Jahres angefangen, einige kommen jetzt noch hinzu. Dabei ist der Verein bereits völlig überfüllt. Er trainiert 18 Jugendmannschaften, bereits 150 Kinder stehen auf der Warteliste. „Das sorgt schon mal für Unmut bei den deutschen Eltern, wenn ukrainische Kinder aufgenommen werden, ihr Kind aber nicht“, sagt Jugendwart Michael Klause. Durch die Spende können die entsprechende Ausrüstung, der DFB-Beitrag sowie die Teilnahme an Spielen für talentierte Nachwuchsspieler finanziert werden. Alle Kinder bekommen ein Ausrüstungspaket, die Grundausstattung für das Fußballtraining. „Zweimal die Woche wird trainiert, einmal ist ein Spiel. Wir haben auch einige ambitionierte Mannschaften. Da spielt u. a. auch ein sehr talentierter 10-jähriger Ukrainer mit, der bereits von größeren Vereinen wie Borussia Mönchengladbach und Borussia Dortmund umworben wird“, erzählt Michael Klause. „Die Sprachbarriere ist eine echte Herausforderung. Im Training geht es manchmal um komplexere Dinge, da wird es schon schwierig diese zu vermitteln. Das erste, was die Kids gelernt haben, ist rechts, links, die Farben und die Zahlen. Der ein oder andere fängt jetzt auch an, ein bisschen Deutsch zu reden“, so der Jugendwart. Für die Kinder spielt es keine Rolle, woher ihr Teamkollege stammt, ob aus Düsseldorf, Japan oder der Ukraine. Viele von den ukrainischen Kindern sind in Hotels untergebracht, einige sind stark traumatisiert. „Im Laufe der Zeit haben wir alles Mögliche für die Kinder gesammelt, wie Fußballschuhe etc. Unser Lager befindet sich im Keller. Da war dann ein ukrainischer Junge, der partout nicht mit mir in den Keller gehen wollte, wahrscheinlich weil er an einen Bunker dachte. Ich habe ihm die Sachen dann einfach nach oben geholt. Man merkt im Laufe der Zeit zwar schon, dass die Kinder offener geworden sind. Aber es gibt noch viel zu tun“, sagt Michael Klause.

Beim Verein Capitol Bascats Düsseldorf, einem Basketball-Verein für Mädchen und Frauen, trainieren auch junge Ukrainerinnen mit. Jeden Montag von 16:30 bis 17:45 Uhr können sie in die Sporthalle in der Graf-Recke-Straße 153 kommen und verschiedene Techniken des Basketballspiels z. B. Dribbeln, Passen, Ballwurf und Ballannahme kennenlernen. Dabei entwickeln die Mädchen ein positives Gemeinschaftsgefühl, wie wichtig es ist, Füreinander einzustehen, nicht aufzugeben, Kompromisse und gemeinsame emotionale Erfahrungen zu machen. Zudem hat der Verein Unterstützungsangebote bei der Wohnungssuche und beim Erlernen der deutschen Sprache ins Leben gerufen. Wieviel der Sport den jungen Leuten aus der Ukraine bedeutet, erklärt stellvertretend Nadiia Piotrovska, die im März 2022 kurz nach Beginn des Krieges zu den Capitol Bascats kam.  „Basketball ist meine große Liebe. Es ist im Grunde ein Ort, an dem ich meine Seele, meinen Frieden und meine Energie gefunden habe. Durch den Basketball habe ich viele Freunde gefunden oder einfach nur nette Leute kennengelernt. Als ich gerade nach Deutschland gekommen bin, habe ich im Basketball eine Lösung gefunden. Es hat mir die ganzen schlechten Gedanken und Ängste genommen, so dass ich mich wieder lebendig fühle“, sagt Nadia. Mittlerweile spielt sie in der höchsten Jugendspielklasse, der Jugendregionalliga und in der WNBL, der weiblichen Nachwuchsbundesliga. Nadiia versteht schon sehr gut Deutsch und kann sich auch zunehmend besser verständigen. „Düsseldorf hat mich so gut aufgenommen, ich habe viel Unterstützung von verschiedenen Leuten und Organisationen bekommen. Natürlich gibt es super viel Hilfe, und so bin ich froh, dass ich hier angekommen bin. Ich habe viel Kontakt mit Jugendlichen. Zum Beispiel mit der Basketballmannschaft, mit Schulfreunden und natürlich mit anderen Flüchtlingen aus der Ukraine. Jeden Tag spreche ich mit vielen Leuten und fühle mich überhaupt nicht einsam.“ Auf die Frage, was denn ihr größter Wunsch ist, sagt sie: „Natürlich wünsche ich mir am meisten, dass der Krieg aufhört, denn es ist einfach so sinnlos und schrecklich, dass Millionen von Menschen kämpfen müssen. Aber wenn wir über meinen Traum sprechen, dann möchte ich wirklich Erfolg im Sport haben, das ist ein Ziel, das ich seit drei Jahren verfolge. Und ich möchte auch, dass die Menschen netter zueinander sind, denn das Wichtigste in unserem Leben sind die Beziehungen zwischen den Menschen.“ 

Kontakt

Capitol Bascats Düsseldorf e.V.

Am Wildpark 61

40612 Düsseldorf

info@capitolbascats.de

DJK TUSA 06 Düsseldorf e.V.

Fleher Str. 224b

40223 Düsseldorf

verein@tusa06.de

DJK Sparta Bilk e.V.

Fährstraße 51

40221 Düsseldorf

info@sparta-bilk.de