23 September 2022

Post-Vac-Syndrom Corona-Impfnebenwirkungen

Post-Vac-Syndrom Corona-Impfnebenwirkungen

Alles nicht der Rede wert?  Wie Betroffene unter  den Folgen leiden. 

In Deutschland wird im Schnitt ca. alle drei Sekunden eine Person gegen Corona geimpft. Allein am 15. September 2022 wurden 50.000 Impfdosen verabreicht. Damit sind nun mindestens 63,4 Mio. Personen (76,3  % der Gesamtbevölkerung) grundimmunisiert. Mindestens 51,6 Mio. Personen (62,1  %) haben eine oder zwei Auffrischungsimpfungen erhalten.  Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) erfasst und bewertet Verdachtsfallmeldungen von Impfnebenwirkungen bzw. Impfkomplikationen, um mögliche Risikosignale frühzeitig zu erkennen und diesen nachzugehen. Im aktuellen Sicherheitsbericht des PEI wird von 323.684 gemeldeten Verdachtsfällen auf Nebenwirkungen und Impfkomplikationen gesprochen. Die Melderate betrage demnach für alle Impfstoffe zusammen 1,8 Meldungen pro 1.000 Impfdosen, für Verdachtsfälle schwerwiegender Nebenwirkungen und Impfkomplikationen 0,3 Meldungen pro 1.000 Impfdosen1.

Laut PEI umfasst das so genannte Post-Vac-Syndrom „Gesundheitsstörungen in unterschiedlichem Abstand zur Covid-19-Impfung“. Ob Fatigue, Kopfschmerzen oder Schwindel, die Symptome können vielfältig sein und denen von Long Covid ähneln. Sie werden häufig als chronisches Erschöpfungssyndrom/Myalgische Enzephalomyelitis (CFS/ME) und Herzrasen nach dem Aufstehen oder im Stehen (posturale Tachykardie) angegeben. Die Gesamtzahl der Post-Vac-Verdachtsmeldungen, zu denen Ärzte und Apotheker verpflichtet sind, die aber auch von Betroffenen und Angehörigen eingereicht werden können, ist nach Auskunft des PEI „nur gering“. 

Eine Auswertung zu Meldungen von chronischem Müdigkeitssyndrom und Long COVID-ähnlichen Beschwerden ans Paul-Ehrlich-Institut und ein Vergleich mit internationalen Meldungen in der Nebenwirkungsdatenbank bei der Europäischen Arzneimittelagentur EMA habe bis zum
7. September 2022 (Datum der Auswertung 2) kein Risikosignal ergeben. Auch für Zyklusstörungen und Krampfanfälle nach der Impfung habe das PEI keine Häufung festgestellt. Die Meldungen stammten „mehrheitlich von betroffenen Patienten“.

Was Lauterbach verlauten lässt

Dass es jedoch Menschen gibt, die tatsächlich nach einer Corona-Schutzimpfung krank geworden sind, hat mittlerweile auch Gesundheitsminister Karl Lauterbach eingestanden und sich zu den Nebenwirkungen geäußert. In einem Twitter-Video3 beschreibt es der SPD-Politiker so: „Als Post-Vac-Syndrom bezeichnet man das Syndrom, wo nach der Impfung die Menschen sich nicht so gut konzentrieren können wie vorher oder wo also Nebenwirkungen vorkommen. So ähnlich wie bei Post Covid. Allerdings seltener, viel seltener und auch weniger schwer. Das muss ernst genommen werden, das wird untersucht, das kann man nicht unter den Teppich kehren. Es ist aber nicht vergleichbar mit der Schwere der Erkrankung von Post Covid.“   

Was wissen die Ärzte?

Wir wollten mit niedergelassenen Ärzten über das Thema sprechen und stellten fest, dass nur die wenigsten bereit sind, sich dazu zu äußern. Einige gehen davon aus, dass es eine Dunkelziffer von nicht gemeldeten Verdachtsfällen auf Impfnebenwirkungen gibt. Nicht nur, weil die Meldung für die Ärzte ein sehr großer Aufwand sei, sondern auch weil diese befürchteten, stigmatisiert zu werden. „Meldet man einen Verdachtsfall wird man gleich als Impfgegner oder als Schwurbler in eine Ecke gestellt, obwohl man ja eigentlich ein medizinisches Problem hat.“ Viele Ärzte haben auch Angst. Ein niedergelassener Arzt gab uns ein komplettes Interview, ruderte aber kurz vor der Veröffentlichung zurück. „In der heutigen Zeit ist niemand sicher, nicht Ziel von Anfeindungen, Angriffen oder subversiveren Methoden zur Elimination von öffentlich kritischen Äußerungen zu sein“, teilte er uns mit.

Wo kann man Verdachtsfälle melden?

Auf unsere Anfrage beim PEI, wie Verdachtsfälle auf Impfschäden gemeldet werden können, erhielten wir die Antwort: „Die Meldung kann an das Paul-Ehrlich-Institut per Brief, Fax, Telefon, per E-Mail oder komfortabel und einfach über das Meldeportal www.nebenwirkungen.bund.de erfolgen.“ 

Bei der Prüfung des Formulars durch unsere Redaktion im Selbsttest kamen wir zu dem Ergebnis, dass ein Arzt pro Fall mindestens 45 Minuten zur Darlegung aller Daten und Fakten sowie der Symptome benötigt. Diese Arbeit wird nicht bezahlt. Zudem gehören Ärzte zu der Berufsgruppe, die u. a. aufgrund von steigendem Ärzte- und Personalmangel besonders stark unter Zeitdruck steht. Mehr als jede fünfte Arztpraxis (22 Prozent) ist unterbesetzt. Vier von zehn Deutschen bemängeln laut einer Umfrage, dass niedergelassene Ärzte zu wenig Zeit für sie haben.  Woher dann auch noch die Zeit für Meldeverfahren nehmen, wenn noch nicht einmal genügend Zeit dafür da ist, sich den Patienten zu widmen?4  

Worunter die
Betroffenen leiden

Die Betroffenen hingegen kämpfen mit teilweise schwerwiegenden gesundheitlichen Problemen, ringen um Anerkennung und fühlen sich von Politik, Ärzten oder auch Angehörigen alleine gelassen. Viele kommen auch finanziell an ihre Grenzen. Wir sprachen mit einigen Menschen, die uns ihre Geschichte erzählten. Aber auch diese sind unsicher, inwieweit sie sich damit in die Öffentlichkeit begeben möchten. Niemand möchte sein Gesicht zeigen. Manche wollten, dass wir ihren Namen ändern oder nur den Vornamen nennen.

Der Fall Franziska Becker5

Bei der Verkäuferin Franziska Becker äußerten sich die Beschwerden kurz nach der ersten Impfung. Plötzlich begann ihre rechte Körperhälfte stark zu kribbeln und zu brennen. „Ich dachte, ich habe einen Schlaganfall“, sagt die 29-Jährige. „Ich hätte damals direkt ins Krankenhaus gehen sollen. Aber ich dachte, das geht schon wieder weg.“ Stattdessen wurde es immer schlimmer. Die junge Frau schildert, dass sie schon seit einem Jahr an unerträglichen Kopfschmerzen, Seh- und Wahrnehmungsstörungen und Erschöpfung leidet. Vorher war sie sehr aktiv und sportlich: Klettern, Schwimmen, Radfahren, Freunde treffen – heute kann sie noch nicht einmal ihren Alltag bewältigen. Von ihrem Hausarzt kam die Empfehlung trotz ihrer Beschwerden joggen zu gehen. „Ich habe es sogar noch versucht, dachte durchs Laufen kann ich den körperlichen Stress loswerden.“ Extremes Herzrasen war die Folge. Franziska suchte eine Kardiologin auf, der erste Lichtblick für sie. Denn diese machte sie darauf aufmerksam, dass sie die Symptome auch bei anderen Menschen im Zusammenhang mit einer Impfung festgestellt habe. Aber eine gesicherte Diagnose oder eine Therapie war leider Fehlanzeige. Auch ihrer Berufstätigkeit kann Franziska Becker nicht mehr nachgehen. Das Krankengeld ist längst ausgelaufen. Obwohl sie eine ungekündigte Stelle hat, musste sie sich arbeitslos melden. Franziska hat große Angst davor, bald völlig mittellos zu sein. Ihr gesamtes Erspartes ist langsam aufgebraucht. Ihr Antrag auf Anerkennung eines Impfschadens wurde beim zuständigen Versorgungsamt abgelehnt. 

Wo kann man selbst
Corona-Impfschäden melden?

Auf der Website des LVR Landschaftsverbands Rheinland heißt es: „Menschen, die durch vorgeschriebene oder öffentlich empfohlene Impfungen geschädigt wurden, haben einen Anspruch auf Leistungen nach dem Infektionsschutzgesetz (kurz IfSG).“ Nur für das Rheinland (nicht für ganz NRW) sind dort bislang 388 Anträge (Stand 12.09.2022) von Betroffenen eingegangen, um eine gesundheitliche Beeinträchtigung als Corona-Impfschaden anerkannt zu bekommen. Die Behörden haben zehn Anträgen stattgegeben.6  

Keinen einzigen positiven Bescheid meldeten Hessen, das Saarland und Bremen. In Sachsen wurden 271 Anträge gestellt. Hier gibt es 108 Ablehnungen und 13 positive Bescheide. In Niedersachsen wurden von 340 Anträgen bisher nur 33 beschieden, vier davon positiv.7  

Der Fall Sabine Meyer8

Die 49-jährige Industriekauffrau und zweifache Mutter Sabine Meyer wollte sich eigentlich nicht impfen lassen, entschied sich dann im Januar 2022 doch dafür. „Ich habe das psychisch nicht mehr verkraftet, weil ich an nichts mehr teilnehmen konnte. Mein Sohn hat sein Seepferdchen gemacht, ohne dass ich dabei war. Es gab Sportwettkämpfe meiner Kinder, an denen ich nicht teilnehmen konnte. Dann habe ich mich entschlossen, mich doch impfen zu lassen, damit ich mit meinen Kindern (7 und 10 Jahre) wieder etwas unternehmen kann.“ Danach folgten plötzlich zwei Bronchitis-Erkrankungen. „Das war für mich noch nicht so unnormal, da habe ich mir noch nichts bei gedacht.“ Zu Ostern bin ich dann an Corona erkrankt. Danach sind Körperzuckungen in Armen und Beinen aufgetreten. Seitdem habe ich häufig ein unerträgliches Kribbeln im Kopf, in den Beinen und Armen. Ich liege meistenteils flach und kann kaum noch etwas machen.“ Die Ärzte waren unterschiedlicher Meinung. 

Der Hausarzt sagte, es sei durch das Corona-Virus ausgelöst worden, die Neurologen im Krankenhaus meinten, es sei alles nur psychosomatisch, weil die Untersuchungen nichts ergeben hätten. Ihre behandelnde Ärztin, Dr. med. Stefanie Merse, geht davon aus, dass die Symptome von der Impfung herrühren. 

Seit dem Frühjahr kann Sabine Meyer ihr Leben und ihren Alltag nicht mehr meistern. Sie kann kaum noch gehen, stehen oder sitzen, den Haushalt nicht mehr führen, für ihre Familie einkaufen oder kochen. Auch ihren Halbtagsjob als Industriekauffrau kann sie nicht mehr ausüben und ist seit über vier Monaten krankgeschrieben. „Ich kann noch nicht einmal mit meinen Kindern zum Spielplatz gehen und mich dort hinsetzen. Denn durch das Sitzen bekomme ich nach kurzer Zeit ein unerträgliches Kribbeln im Kopf. Und wenn ich es überstrapaziere, komme ich am nächsten Tag nicht mehr aus dem Bett, weil ich dann gar nicht mehr laufen kann.“ 

Sabine Meyers größter Wunsch ist es, mit ihren Kindern wieder raus in die Natur zu können. Früher war sie sehr aktiv, lange Spaziergänge, Fahrradfahren, Inlineskaten mit den Kindern. „Es ist für mich unerträglich, dass ich am Leben meiner Kinder nicht mehr teilhaben kann.“

Eine Ärztin, die (be)handelt

„Sie haben nichts, weil wir nichts gefunden haben.“  Diesen Satz hat Sabine Meyer in den letzten neun Monaten nur zu oft gehört. Sie ist Long Covid-Patientin und gehört zu den Menschen mit Impffolgestörungen. 

Die 49-jährige Mutter ist seit fünf Monaten in ganzheitlicher komplementärmedizinischer Behandlung, weil ihr tägliches Leben komplett aus den Fugen geraten ist. „Diese Menschen haben einen sehr hohen Leidensdruck“, erklärt die Fachärztin für Allgemeinmedizin und Homöopathische Medizin Dr. Merse, die seit 2020 mit einem großen fachübergreifenden Netzwerk zusammenarbeitet. 

Nicht selten führt die eigene Hilflosigkeit, wenn die Diagnostik keine Antworten liefert und die klassischen Therapien nicht greifen, zu einer hohen Frustration bei Ärzten und Patienten. „Hilflosigkeit führt aus meiner Sicht leider oft auch zu Abwehr. Nach dem Motto: Sie haben nichts, denn ich kann ihnen ja nicht helfen“, meint Dr. Merse. So würden die Betroffenen nach Impfung mit unspezifischen Beschwerden aus dem neurologischen Formenkreis oft sehr schnell auf die Psychosomatik-Schiene geschoben.

Das Bild bei den Betroffenen ist unglaublich vielfältig und individuell sehr verschieden ausgeprägt. „Deshalb fällt es uns oft schwer die Abgeschlagenheit – als wenn einem der Stecker gezogen würde– als ein Hauptsymptom anzuerkennen.“

Für Patienten mit Geruchsverlust in Folge von Covid gibt es dagegen einen echten Hoffnungsschimmer. Zusammen mit der HNO-Klinik der Universitätsmedizin Essen hat sie eine Pilot-Studie veröffentlicht, in der es um die Wirksamkeit der INRT (Intra-Nasale-Reflex-Therapie) geht. „Wir lassen die Menschen nicht alleine, auch wenn wir gerade durch Corona in der Medizin ganz viel neu lernen müssen, um ihnen zu helfen.“

Der Fall Laura Hofmeister9

Als Laura Hofmeister  aus NRW sich im Juni 2021 impfen ließ, fand sie die zwei Tage später aufgetretene Impfreaktion noch völlig normal. Wie bei einem grippalen Infekt hatte sie leichtes Fieber, Müdigkeit und Gliederschmerzen. Als dann plötzlich Hautausschlag und Einblutungen in der Wange auftraten sowie Kribbeln vom Fuß bis in die linke Gesichtshälfte, bekam sie Angst und ging in die Notaufnahme. Dort ging man von Nervenschäden aus, die in den meisten Fällen nach ein paar Wochen wieder zurückgehen würden. Sie wurde wieder nach Hause geschickt. Doch es wurde immer schlimmer. „Ich leide momentan ständig an Schwindel, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Atemnot, Muskel- und Gliederschmerzen, Zuckungen und Taubheitsgefühlen“, sagt die 31-jährige Lehrerin.  „An meine Arbeit ist gar nicht zu denken.“ Hinzu seien heftige Herzprobleme gekommen: „Ich hatte manchmal in einem Moment einen Puls von 40, im nächsten 190, dabei starke Brustschmerzen und Bluthochdruck.“

Nach einer wahren Arzt-Odyssee fand sie einen Kardiologen, der sie erfolgreich mit Infusionen und Kortison behandelte. Die Herzprobleme habe sie jetzt im Griff, doch die anderen Symptome blieben. Obwohl sie niemals an Corona erkrankt war, habe sie die Diagnose Long Covid bekommen. „Ich fühle mich völlig allein gelassen, werde als Impfgegner beschimpft, wenn ich darüber rede. Keiner fühlt sich verantwortlich.“ Mit den Krankenkassen kämpft sie um Übernahme der Kosten für ihre Therapien. Ihr ganzes Leben habe sich in nichts aufgelöst, plötzlich ist nichts mehr, wie es einmal war. „Ich komme mir vor wie eine Vollinvalidin.“ Mittlerweile fragt sich Laura: „Werde ich jemals wieder in meinem Beruf arbeiten können?“ 

Seit Beginn der Impfkampagne wurden verschiedenste Studien veröffentlicht, u. a. zur Schwächung des Immunsystems durch die mRNA-Impfung, um deren Auslegung teilweise in Medizinerkreisen gestritten wird.10 Jetzt forderten Wissenschaftler beim Einsatz von mRNA-Impfstoffen „eine realistische Kosten-Nutzen-Analyse für verschiedene Alters- und Risikogruppen“. 

Die Metastudie

In der medizinischen Zeitschrift Vaccine erschien kürzlich eine Meta-Studie11, die zu dem Schluss kommt, dass verschiedene Bevölkerungsgruppen möglicherweise ein höheres Risiko schwerwiegender Nebenwirkungen bei mRNA-Impfstoffen haben könnten als bisher angenommen.  In diesem Zusammenhang wird kritisiert, dass die Pharmakonzerne nicht alle Daten der Impfstoff-Zulassungsstudien zugänglich machten. Zudem sei nach der Eilzulassung der mRNA-Impfstoffe schon nach zwei Monaten die so genannte Entblindung eingeleitet worden. Dabei wurde der Placebogruppe offengelegt, dass sie nur ein Placebo erhalten habe und ihnen die Impfung angeboten. Das geschah, obwohl zuvor festgelegt worden sei, dass Pfizer rund 40.000 Personen und Moderna 30.000 Personen, je zur Hälfte als Impf- oder Placebogruppe, über zwei Jahre beobachten sollte. 

Insofern gebe es keine längeren Vergleiche zwischen Placebogruppen und geimpften Teilnehmern, was schwere längerfristige Nebenwirkungen angeht. Die Wissenschaftler haben aus den Daten, die für die Beantragung der Eilzulassung vorgelegt wurden und aus weiteren öffentlich zugänglichen Quellen statistische Daten errechnet, die darauf hinweisen, dass Menschen, die mit mRNA-Impfstoffen geimpft wurden, ein höheres Risiko für schwere Nebenwirkungen hätten als bisher bekannt. Zu diesen unerwünschten Nebenwirkungen oder Impfkomplikationen gehörten laut Pharmazieprofessor Peter Doshi etwa Nierenschäden, die bei einem von 800 Geimpften auftreten könnten. Dieser Wert liege deutlich höher als die generell akzeptierten ein bis zwei Fälle schwerwiegender Nebenwirkungen pro Million Geimpfter. Insgesamt seien in der Pfizer/Biontech-Impfstoffgruppe schwere Nebenwirkungen um 36 Prozent häufiger aufgetreten als in der Placebogruppe. Bei Moderna seien es sechs Prozent gewesen. Das Risiko läge auch dann noch deutlich unter einem Prozent. Trotzdem könne es sein, dass die Impfungen mehr schwere Nebenwirkungen hervorrufen als sie Hospitalisierungen oder Todesfälle infolge einer Covid-Infektion verhindern. Die Autoren räumten jedoch ein, dass diese einfache Gegenüberstellung problematisch sei. Sie erklären auch, dass sie zu diesem abweichenden Ergebnis kommen, weil sie die Daten nicht nur anders aufarbeiten, als es die Zulassungsbehörden getan haben, sondern auch nur bestimmte Daten herausziehen – z. B. nur die Angaben von zweifach Geimpften, die über zwei Monate beobachtet wurden. Zudem schränkten sie ihre Analyse selbst wieder ein, da ihnen nicht genügend Daten und auch keine Daten aus längeren Beobachtungszeiträumen vorliegen. Sie fordern daher, dass man mit der Gesamtheit der Daten eine Risikoanalyse auf einzelne Bevölkerungs- bzw. Altersgruppen bezogen machen sollte. 

Höhere Entzündungsneigung?

Aus verschiedenen ärztlichen Quellen haben wir erfahren, dass Mediziner insgesamt eine höhere Entzündungsneigung (z. B. im Mundraum, was Rückschlüsse auf den gesamten Organismus zulasse) und eine höhere Prävalenz zu Viruserkrankungen festgestellt hätten. Das sehen sie in einer verschlechterten immunologischen Abwehr begründet. Zusätzlich hätte sich gezeigt, dass sich bei  Menschen, die bereits Vorerkrankungen haben, ob Rheuma, Diabetes, MS, Krebs – oder andere Erkrankungen – der Zustand bzw. die Grunderkrankung in einigen Fällen verschlechtert habe. Zudem kritisierten die Ärzte die häufig unzureichende Aufklärung zu möglichen schweren Impfnebenwirkungen. 

Unzureichende Aufklärung

„Hätte man mich vor der Impfung darüber informiert, dass es solche Nebenwirkungen geben kann, hätte ich mich wahrscheinlich trotzdem impfen lassen. Hätte ich jedoch gewusst, dass man so alleingelassen wird und hilflos ist, hätte ich mich niemals impfen lassen“, sagt Franziska Becker. Für sie und andere Betroffene ist vor allem die Art und Weise, wie mit ihnen umgegangen wird, traumatisch. Sie fühlen sich abgeschoben und nicht ernst genommen. Franziska Becker stört am meisten, dass sie keinen Ansprechpartner hat: „Ich habe alle möglichen politischen Stellen angeschrieben und nie eine Antwort erhalten. Inzwischen bin ich einer Selbsthilfegruppe für Personen mit Impfnebenwirkungen beigetreten, bisher die einzige Kontaktmöglichkeit.“

Selbsthilfegruppe für
Impfgeschädigte

Minka betreut als Online-Administratorin eine Infogruppe zum Thema Impfschäden und Nebenwirkungen, die bereits über 74.000 Mitglieder hat, sowie eine Selbsthilfegruppe, die erst seit zwei Wochen online ist, bei der sich bereits 1.200 Menschen angemeldet haben.

Mit diesen Menschen ist Minka in ständigem Austausch. „Hier können die Leute einfach reinschreiben, wenn sie betroffen sind und sich dazu austauschen, was ihnen geholfen hat. Die Nebenwirkungen sind so vielfältig, dass die Ärzte häufig gar nicht wissen, wo sie ansetzen sollen, so schildern es viele Betroffene“, erklärt Minka. „Die ersten Infos, die veröffentlicht wurden, waren häufig auftretende Herzkreislauf-Probleme, Herzinfarkte und Thrombosen. Viele berichten, dass das akut gleich nach der Spritze eintrat. Was viele sich nicht trauen öffentlich zu machen und dann in den Gruppen erzählen ist, dass die Frauen Menstruationsprobleme haben und mittlerweile berichten viele junge Frauen in unseren Foren über plötzlich aufgetretenen Eierstockkrebs“, sagt Minka. „Das macht mich sehr betroffen.“ Und ergänzt: „Viele Menschen erzählen von ihren Odysseen, dass sie von einem Arzt zum nächsten geschickt werden, aber keiner ihnen so richtig helfen kann. Zum Teil werden sie einfach nicht für voll genommen. Das ist schon traurig“, sagt Minka. In Kürze geht auch eine zusätzliche Gruppe für betroffene Menschen online, die ihnen Hilfsangebote ermöglichen will. Aufgrund der Symptome könne direkt an Ärzte vermittelt werden, die ggf. Therapiemöglichkeiten anbieten können sowie an spezialisierte Anwälte, die die Menschen zu ihren Entschädigungsmöglichkeiten beraten und ihnen dabei helfen sie auch gerichtlich durchzusetzen. 

Alexandra von Hirschfeld / Dr. Susan Tuchel

Hilfe für Betroffene

Selbsthilfe-Gruppe 

Studien zum Thema:

Unterdrückung des angeborenen Immunsystems durch SARS-CoV-2 mRNA-Impfungen

Risiko von Infektionen, Krankenhausaufenthalten und Todesfällen bis zu 9 Monate nach einer zweiten Dosis des COVID-19-Impfstoffs

Das Auftreten von Myokarditis und Perikarditis bei ungeimpften
Patienten nach COVID-19

Das Spike-Protein des neuartigen Coronavirus spielt eine weitere Schlüsselrolle bei der Erkrankung

SARS-CoV-2-spezifische T-Zellen-Immunität bei COVID-19- und SARS-Fällen sowie bei nicht infizierten Kontrollen

[1] Impfdashboard des Bundesministeriums für Gesundheit, Stand 16.9.2022.

[2] PEI Sicherheitsbericht

[3] Bundesgesundheitsministerium

[4] Quelle Healthcare-Barometer 2019, Ärzteblatt

[5] Name von der Redaktion geändert

[6] Quelle WZ, Westfalen Blatt

[7] Quelle: Umfrage MDR Investigativ

[8] Name von der Redaktion geändert

[9] Name von der Redaktion geändert

[10] Die Links dazu finden Sie auf Seite 50 

[11] Quelle: Vaccine, SWR, BZ