Dr. Stephan Dahm, Vorstandsvorsitzender der Stadtsparkasse Düsseldorf
Fotos: Sven Vüllers

50.000 Euro für 14 Bürgerprojekte in Düsseldorf

Mit der im letzten Jahr gegründeten Nachhaltigkeitsstiftung für Düsseldorf hat die Stadtsparkasse Düsseldorf ein Beteiligungsmodell gestartet, das weit über klassische Förderprogramme hinausgeht. Gemeinsam mit der Hochschule Düsseldorf wurden Bürgerinnen und Bürger aktiv in die Entwicklung und Auswahl nachhaltiger Projekte eingebunden. 50.000 Euro fließen nun in 14 Initiativen, die zeigen, wie vielfältig Nachhaltigkeit in einer Stadt gedacht werden kann.

„Nachhaltigkeit ist kein Konzept, das man von oben verordnet“, sagte Dr. Stephan Dahm, Vorstandsvorsitzender der Stadtsparkasse Düsseldorf, bei der Preisverleihung. „Sie entsteht dort, wo Menschen Verantwortung übernehmen, wo sie sehen, was fehlt, und den Mut haben zu sagen: Das ändern wir.“

Kinder gegen Kippen
Im Garather Kinderparlament engagieren sich 28 Kinder aus neun Schulstandorten – mit öffentlichen Sitzungen, gewählten Abgeordneten und klar formulierten Zielen. Vorsitzender ist Samuel, elf Jahre alt. „Wir wollen, dass es in Garath schöner wird – und dass weniger Zigaretten die Umwelt verschmutzen“, sagt er. Viele Kinder hätten sich darüber beschwert, dass vor Schulen geraucht wird und überall Kippen auf dem Boden liegen. Mit 300 Euro Fördergeld sollen deshalb Banner an Schulen auf das Problem aufmerksam machen und Eltern sensibilisieren. Bereits zuvor hatten die Kinder Müll gesammelt und gemeinsam mit Polizei und Ordnungsamt Taschenaschenbecher verteilt.

Ausgezeichnet wurden auch die Kinder des Kinderparlaments, die sich für eine kippenfreie Stadt einsetzen.

Unterricht im Grünen
Gleich zwei Düsseldorfer Schulen setzen auf die Natur als Lernort. An der Realschule Friedrichstadt entsteht ein Schulgarten, der nicht nur bepflanzt, sondern aktiv in den Unterricht integriert wird. Auch am Luisen-Gymnasium wird ein Garten zur festen Größe im Schulalltag. Nachhaltigkeit wird hier zur praktischen Erfahrung: säen, pflegen, ernten – und verstehen.

Der Stadtteilladen Wersten verfolgt einen ähnlichen Ansatz. In einem 2.500 Quadratmeter großen Nachbarschaftsgarten entstehen umweltpädagogische Angebote für Kinder. Natur wird hier zum generationenübergreifenden Begegnungsraum.

Arten schützen, Lebensräume zurückholen
Die Benrather Initiative für Nachhaltigkeit verwandelt eine bislang monotone Rasenfläche nahe der Skulptur „Ahornsamen“ in eine 700 bis 800 Quadratmeter große Blühwiese. Ein Ort, der künftig Insekten, Vögeln und Menschen gleichermaßen Lebensraum bietet.

Die WORRI-Initiative kümmert sich um die ökologische Aufwertung der Worringer Straße – mit Nistkästen für Spatzen und Meisen, begrünten Baumscheiben und einer bepflanzten Verkehrsinsel. Hier wird Stadtökologie konkret sichtbar. Auch die Katholische Jugendagentur Düsseldorf setzt auf Biodiversität und errichtet Fledermauskästen sowie ein Insektenhotel. Kleine Bauwerke mit großer Wirkung.

Platz für den Spatz in der Stadt

Ein besonders charmantes Projekt ist die Initiative „Düsselspatz“ von Pro Düsseldorf. Ziel ist es, dem Haussperling wieder mehr Lebensraum in der Stadt zu schaffen. „Den Spatz kennt eigentlich jeder – aber man sieht ihn immer seltener“, sagt Marco Siegesmund, Schatzmeister von Pro Düsseldorf. Genau hier setzt das Projekt an: Brutstätten sollen identifiziert, Nistkästen angebracht und geeignete Lebensräume sichtbar gemacht werden. Gleichzeitig soll das Projekt Bürgerinnen und Bürger dazu einladen, sich selbst zu beteiligen – etwa durch Meldungen von Brutplätzen oder eigene kleine Schutzmaßnahmen. Perspektivisch soll die Initiative sogar ausgeweitet werden, etwa auf andere Stadtvögel wie den Mauersegler. Ziel ist es, die Artenvielfalt im urbanen Raum zu stärken und den Spatz wieder zu einem vertrauten Teil des Düsseldorfer Stadtbilds zu machen.

Gewässer schützen, Bewusstsein schaffen
Die Blockblocks Cleanup gGmbH verbindet Umweltbildung mit Praxis. In interaktiven Workshops an Grundschulen lernen Kinder, wie Flüsse und Meere geschützt werden können – bevor es anschließend gemeinsam zu Aufräumaktionen an lokalen Gewässern geht. Theorie und Tatkraft greifen hier ineinander.

IndividuEller e.V. macht Eller grüner
Im Stadtteil Eller treibt die Werbegemeinschaft IndividuEller seit vielen Jahren die Verschönerung des Stadtteils voran. Mit dem Fördergeld entstehen rund 40 neue Blumenoasen, zusätzliche Hundeboxen und weitere Impulse rund um den Dreck-weg-Tag. Vorsitzender Jürgen Hagendorn beschreibt das Engagement als Herzensangelegenheit: Seit Jahrzehnten lebt und arbeitet er im Viertel. Die Initiative verbindet Wirtschaft, Gemeinsinn und Nachhaltigkeit – inzwischen sogar mit offiziell anerkannter Gemeinnützigkeit.

Der Vorstandsvorsitzende Dr. Stefan Dahm lobte die Vielfalt der Projekte.

Eine Baumscheibe, die mehr kann
Manche Projekte sind bewusst klein gehalten – und gerade deshalb bemerkenswert. Bettina Cornelius-Hassoun erhält 141,24 Euro für die Bepflanzung einer einzelnen Baumscheibe mit Wildblumen und Gräsern. Eine Mini-Aktion im Stadtraum, die zeigt: Nachhaltigkeit beginnt oft im Kleinen.

Nachhaltigkeit in der Hospizarbeit
Die Ökumenische Hospizbewegung Düsseldorf Süd integriert Klimaschutz in einen sensiblen Bereich: Ein neues E-Bike unterstützt künftig die Palliativ- und Hospizarbeit. Leise, emissionsarm und alltagstauglich – ein Beispiel dafür, wie Nachhaltigkeit auch im sozialen Bereich wirkt.

Wasser für alle Lebewesen
Ein besonders innovatives Projekt ist der Trinkbrunnen von Sabine Wenkums. Ihre Idee: Wasser nicht nur für Menschen, sondern auch für Hunde, Vögel und Insekten bereitzustellen. Gemeinsam mit Professor Martin Pfeifle vom Fachbereich Design der Hochschule Düsseldorf entwickeln rund 20 Studierende Ideen, wie ein solcher Brunnen funktionieren kann – hygienisch, langlebig und möglichst vandalismussicher. Pfeifle beschreibt den Ansatz als Experiment zwischen Gestaltung und Funktion: „Wir schauen uns das Thema ganz offen an: vom Produktdesign bis hin zu einer kleinen Skulptur im öffentlichen Raum.“ Am Ende des Semesters sollen mehrere Entwürfe entstehen, aus denen ein Prototyp entwickelt werden kann. Denkbar ist ein Objekt, das Wasser auf verschiedenen Ebenen bereitstellt – für Menschen ebenso wie für Tiere und Insekten. Das hattest du oben schon gesagt, das kann weg.

Die Bürgerjury und Prof. Anne van Rießen von der HSD (Mitte)

Das Auswahlverfahren: Beteiligung statt Vergabe
Das Auswahlverfahren wurde wissenschaftlich von der Hochschule Düsseldorf begleitet. In fünf Workshops konnten Bürgerinnen und Bürger ihre Ideen vorstellen, weiterentwickeln, und erhielten Unterstützung bei der Antragstellung. Insgesamt gingen 23 Projektanträge mit einem Gesamtvolumen von über 126.000 Euro ein.

Parallel dazu wurde eine 15-köpfige Bürgerjury gebildet – repräsentativ zusammengesetzt nach Alter, Geschlecht und gesellschaftlichem Hintergrund. Nach intensiven Diskussionen entschied die Jury schließlich, welche 14 Projekte gefördert werden.

„Wenn man einfach nur einen Förderaufruf startet, bewerben sich meist immer die gleichen Initiativen“, erklärt Professorin Anne van Rießen von der Hochschule Düsseldorf, die das Projekt wissenschaftlich begleitet hat. „Unser Ziel war es, auch Menschen zu erreichen, die gute Ideen haben, aber bisher noch nie einen Projektantrag gestellt haben.“ In diesem Jahr wird das Fördervolumen auf 100.000 Euro verdoppelt. Die Botschaft dieses Abends bleibt klar: Nachhaltigkeit ist kein abstraktes Schlagwort – sondern eine Bewegung, die mitten in Düsseldorf wächst.

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