8 April 2021

Fit for business

Fit for business

Was passiert mit den Menschen, wenn der tägliche Weg zum Arbeitsplatz wegfällt und sie stattdessen am Küchentisch im Homeoffice hocken? Was viele während des ersten Lockdowns als willkommene Entschleunigung begrüßten, droht jetzt zu einer psychischen und physischen Zerreißprobe für die Mitarbeiter zu werden. Auf der anderen Seite sind immer mehr Arbeitgeber bereit, in die Gesundheit und Zufriedenheit ihrer Mitarbeiter zu investieren. Aktuell müssen solche Konzepte digital funktionieren. So wie die des Düsseldorfer Unternehmens MOBRIX. Monika Brix, Expertin für gesundheitsbewusste Unternehmenskultur, entwickelt für Firmen verschiedener Branchen bewegte Pausen, Live-Classes, Videos und Online-Seminare. 

Mobrix steht für Monika Brix wie Haribo für Hans Riegel Bonn. Als Gesundheitscoach und Expertin für eine gesunde Unternehmenskultur ist sie eine der führenden Fitness- und Gesundheitsexpertinnen Deutschlands und seit drei Jahrzehnten im Business. Sie war Deutsche Vizemeisterin im Modernen Fünfkampf, trainierte Heidi Klums Germanys Next Topmodels und wurde 2019 als Finalistin für den NEOS Award als beste Personal Trainerin im deutschsprachigen Raum nominiert. Zusammen mit Stephen Markus, Personal Trainer, Yogalehrer und Triggerpoint-Therapeut, bietet sie Konzernen und Mittelständlern „Smart Bites“ in Deutsch und Englisch für eine gesunde Unternehmenskultur jenseits von roten und schwarzen Zahlen an.

Sie sind nicht erst seit Corona für Unternehmen tätig, die etwas bei ihren Mitarbeitern bewegen wollen. Was hat sich im Laufe des Jahres geändert? 

Monika Brix (M.B.):So ziemlich alles. Vor der Corona-Pandemie waren wir z. B. mit der bewegten Pause vor Ort in den Unternehmen. Wir haben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an ihren Arbeitsplätzen aufgesucht und eingeladen, mitzumachen. Wir haben alltagstaugliche Tipps und Tricks gegeben, in Seminaren über die Zusammenhänge zwischen Ernährung und Wohlbefinden aufgeklärt, über Lebensqualität und Leistungsfähigkeit gesprochen. Nehmen wir ein Unternehmen wie Uniper, mit dem wir seit mittlerweile sechs Jahren kooperieren. Von einem Tag auf den anderen waren fast alle 2.500 Mitarbeiter des Energiekonzerns aus dem Medienhafen im Home-Office. Wir kamen auf die Idee, so genannte „Smart Bites“ zu entwickeln, um die Mitarbeiter auch in dieser Ausnahmesituation mental und physisch zu unterstützen. Und da ist viel zu tun. Laut der aktuellen Krankenstands-Analyse der DAK-Gesundheit für das Corona-Jahr 2020 waren Rückenschmerzen mit 93 Fehltagen je 100 Versicherte für so viele Fehltage verantwortlich wie seit Jahren nicht mehr. Auch die psychischen Erkrankungen erreichten einen neuen Höchststand. Ich finde diese Zahlen alarmierend. 

 © Alexander Vejnovic, das-fotostudio-duesseldorf.de

Wo können Unternehmen denn gegensteuern? Das Interesse müsste eigentlich groß sein, denn Statista schätzt, dass die Arbeitgeber  für die Krankenstände in 2018 mit insgesamt 61,8 Milliarden Euro in die Tasche greifen  mussten, für 2020 müsste es dann ja noch  teurer werden für die Volkswirtschaft …

M.B.: Der Return on Invest liegt bei 1:2 bis 1:6 bei den Krankentagen, wenn Unternehmen in die Gesundheitsvorsorge und Fitness investieren. Das rechnet sich schon. Aber der Verlust unserer Agilität hat tiefere Ursachen. Mark Zuckerberg hat einmal gesagt: „Einst lebten wir auf dem Land, dann in Städten und von jetzt an im Netz.“ Der Preis, den wir für die Digitalisierung zahlen, ist vor allem Bewegungsarmut. Wir sitzen zwischen 12 bis 16 Stunden am Tag, beim Essen, beim Arbeiten, im Auto, in der Bahn, vor dem Fernseher. Die Wahrscheinlichkeit, in den nächsten 15 Jahren zu versterben, ist um 40 Prozent höher, wenn man täglich länger als sechs Stunden sitzt. Unternehmen können ihre Mitarbeiter sehr effektiv unterstützen, gesund zu werden oder zu bleiben. Wir bieten z. B. Tricks und Tipps für das bewegte Home-Training an. Und da gibt es für jeden etwas. Nehmen wir das Palmieren. Das ist eine einfache Entspannungsübung, bei der Sie Ihre Augen schließen und beide Hände leicht gewölbt über die Augäpfel legen, dabei Ihre Schultern aber nicht hochziehen. Wenn Sie diese Übung regelmäßig durchführen, werden Sie weniger Schulter- und Nackenprobleme haben. Wir aktivieren mit Übungen die Synapsen, setzen Energien frei. Ansonsten gilt die Faustregel alle 25 bis 30 Minuten einmal aufstehen und sich kurz zu mobilisieren. Und nach Feierabend und an den Wochenenden ist Bewegung in der freien Natur das Beste, um den Akku wieder aufzuladen. 

Aber ist nicht jeder Mitarbeiter anders  und hat andere Probleme, vor allem jetzt  im Home-Office?

M.B.: Deshalb ist es unser Ziel, die Gesundheitskompetenz der Mitarbeiter zu verbessern. Wir vermitteln ihnen Wissen über ihren Körper, ihre Gelenke, ihr Gehirn, ihren Stoffwechsel. Und wir geben ihnen Werkzeuge an die Hand, um sich selber zu helfen. Ein gutes Beispiel hierfür ist die Morning Routine. Das ist die halbe Stunde, die jedem vor der Arbeit gehört. Idealerweise trinkt man erst ein Glas Wasser, dann sollte man 15 Minuten lang etwas „Sinnfreies“ tun, z. B. ein Mandala malen, ein Sudoku lösen oder in sein Tagebuch schreiben. Damit aktiviert man die Gehirnsynapsen. Ich habe mir z. B. eine Klavier-App heruntergeladen und übe Akkorde. Je nach Typ kann sich eine Meditation oder eine Atemübung anschließen und danach ein paar Bewegungsübungen oder man geht jeden dritten Tag eine Runde joggen. Dann ein gesundes Frühstück und well dressed an den Computer. Wenn Sie das zwölf Wochen durchziehen, werden Sie besser schlafen und konzentrierter arbeiten und sollten Sie an Bluthochdruck leiden, wird auch der sinken. 

Und wenn jemand schon Rückenbeschwerden hat? 

M.B.: Auch da hilft es, wenn man weiß, welches Gelenk welche Aufgaben hat. Wir sprechen da vom „bad neighbour“, will heißen, dass der Rücken auch schon mal den Job mitmacht, weil andere Gelenke nicht mitarbeiten. Dann hat man zwar Probleme mit den Lendenwirbeln, die Ursache liegt aber im Hüftgelenk. In unseren Online-Coachings erklären wir diese Zusammenhänge und zeigen hilfreiche Übungen.

Die Teilnahme an Firmentrainingskursen  und Seminaren ist freiwillig. Bekommen die Mitarbeiter denn untereinander mit, wer  in den Live-Classes gerade mitmacht? 

Stephen Markus: Es gibt Familienunternehmen, da trainieren alle, auch die Chefs, in der Videoschaltung mit. Da sehen sich dann auch die Mitarbeiter von anderen Standorten, die sich sonst nicht sehen würden. Aber das ist eher die Ausnahme. Da keinem ein Nachteil entstehen soll, wenn er nicht mitmacht, wissen die Arbeitgeber nicht, wer sich einschaltet. Aber wir führen für die Unternehmen Umfragen durch, fragen nach, was die Teilnehmer sich wünschen. Diese Wünsche kommunizieren wir natürlich. 

M.B.: Es gibt Unternehmen, die in der Corona-Krise etwas Neues ausprobieren, wie die Düsseldorfer Unternehmensberatung KEARNEY, die bei uns WELL BEING-Kurse gebucht hat. Wir sind selber neugierig und experimentierfreudig. Wir entwickeln genauso gerne Gesundheitskonzepte für kleine und mittelständische Unternehmen wie für Konzerne, die unsere Kurse mit ihrer Corporate Identity einkaufen. Was die Unternehmen verstärkt merken und von ihren Mitarbeitern gespiegelt bekommen: Je innovativer die Gesundheits- und Sportkonzepte in einem Unternehmen sind, umso leichter ist es, den Kampf um die besten Nachwuchskräfte zu gewinnen.

Susan Tuchel

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