v.l. Annette Grabbe, Vorständin der Rheinbahn, Karin-Brigitte Göbel, ehemalige Vorstandsvorsitzende der Stadtsparkasse Düsseldorf, OB Dr. Stephan Keller, Charlotte Beissel, Vorständin der Stadtwerke Düsseldorf, Maria Kofidou, Geschäftsführerin der Düsseldorf Congress GmbH und Moderatorin Annette Walz, Fotos: Heike Katthagen,
1.000 Frauen und ein Mann
Es war das erste Frauen-Festival in dieser Größenordnung, vielleicht sogar deutschlandweit. Das, was in den Vorstandsetagen der Stadtsparkasse, der Stadtwerke, der Düsseldorf Congress GmbH und der Rheinbahn „ausgeheckt“ wurde, hatte am 3. März eine Dimension angenommen, die alle verblüffte. Während es vorher schon wochenlang auf LinkedIN hoch her ging unter den Teilnehmerinnen, waren es am Ende nicht 700 oder 800, sondern 1.000 Business-Frauen, die ins Congress Center am Rhein strömten.
Der Termin war klug gewählt zwischen dem Equal Pay Day am 27. Februar und dem Weltfrauentag am 8. März. „Hahn im Korb“ war Oberbürgermeister und Schirmherr Stephan Keller, der souverän mit der weiblichen Übermacht umging und von einem Metanetzwerk und der Bedeutung der Frauen für den Wirtschaftsstandort Düsseldorf sprach. Gekommen waren alle Frauenverbände samt Infoständen, die nicht mehr oder weniger als die politische Lobbyarbeit für die Hälfte der Bevölkerung übernehmen.
Aber nicht nur die Wirtschaft hat dazugelernt in Zeiten des Fachkräftemangels, auch die Frauen treten anders auf. Von Stutenbissigkeit keine Spur, stattdessen Solidarität, Gemeinschaftssinn und das Vertrauen, dass Business-Netzwerke einen tragen und beflügeln oder einen auch schneller durch die Welt bringen, zum Beispiel ein E-Mountainbike.
Auf zwei Rädern in die Gleichberechtigung
Besagtes E-Mountainbike hatte die Mutter von Christina Puello, Gründerin und Geschäftsführerin Deutsche Dienstrad und Präsidentin des Verbands der Unternehmerinnen in Deutschland (VdU) erfunden. „Das Fahrrad war früher der Beflügler der Frauenemanzipation. Auch beim E-Mountainbike war die größte Zielgruppe die Frauen“, erzählte Puello. Die waren so schlau, den Zugewinn an Mobilität zu erkennen, die Männer zogen nach, auch bei den Anträgen auf Diensträder, verriet die Unternehmerin.
Über Macht zu sprechen, findet Puello mehr als legitim: „Netzwerke sind die organisierte Macht.“ Und erinnerte an die Gründerin des VdUs Käte Ahlmann (1890-1963), die vehement Macht einforderte: „Ob ein Mann mir seinen Platz in der Straßenbahn anbietet, ist mir egal, er soll mir einen Platz in seinem Aufsichtsrat anbieten.“ Ahlmann leitete nach dem Tod ihres Mann eines der größten Stahlwerke Norddeutschlands.
Aber es ging nicht nur ums Zuhören, sondern auch ums Mitmachen: Tipps für LinkedIn bekamen die Teilnehmerinnen von Bianca Schiffgens in einer Experience Lounge oder im Growth Circle von Wirtschaftspsychologin Katharina Schleeberger. Vorstellen konnte man sein Unternehmen im Elevater Pitch. Die IHK warb für die Vollversammlung, um in der lokalen Wirtschaft Gehör zu finden. Unternehmerinnen wie Martha Giannakoudi, Synnous GmbH, und Stefania Lettini erklärten, warum sie sich für den Standort Düsseldorf und den Einzelhandel stark machen. Hier gab es dann auch den zweiten Quotenmann, den IHK-Geschäftsführer Gregor Berghausen.
Mut. Macht. Menschlichkeit
Um diese drei Ms ging es beim Abschlusspanel mit Ministerin Mona Neubaur, der Rheinbahn-Vorständin Annette Grabbe, der Stadtwerke-Vorständin Charlotte Beissel, der ehemaligen Stadtsparkasse-Vorständin Karin-Brigitte Göbel und Congress-Geschäftsführerin Maria Kofidou. Wer es in eine Führungsposition geschafft hat, hat seine Kompetenz bereits unter Beweis gestellt, doch wie sieht es im Alltagsgeschäft mit Mut, Menschlichkeit und dem Machtfaktor aus? Beissel unterschied zwischen der Aufstiegs- und der Haltenergie, also die Energie, die man in einer Führungsposition braucht, um die Gestaltungsmacht zu nutzen. Was für einen selbst möglich sein kann, das hat Annette Grabbe von ihrer Mutter gelernt, die als Chemikerin aus Polen nach Deutschland kam und die zunächst nichts verstand. Ihr Glaube und ihre Stärke machten es für Annette Grabbe möglich. Sie wurde die erste Vorständin in der 130-jährigen Unternehmensgeschichte der Rheinbahn.
v.l. Karin-Brigitte Göbel, ehemalige Vorstandsvorsitzende der Stadtsparkasse Düsseldorf, Charlotte Beissel, Vorständin der Stadtwerke Düsseldorf, und Annette Grabbe, Vorständin der Rheinbahn
„Frau macht, also hat sie Macht“, erklärte Karin-Brigitte Göbel, die 22 Jahre die Geschicke der Stadtsparkasse Düsseldorf mit einer Bilanzsumme von 16 Milliarden Euro leitete. Hin und wieder habe sie auch schon mal geblufft, erzählte sie lachend. „Da habe ich es gemacht wie die Männer, erst den Deal holen, dann intelligent nacharbeiten.“ Sie habe sich einfach an jeden Tisch gesetzt und dann Gehör gefunden. Aber was dann passiere, sei kein Alleingang. „Macht ist das, was ich mit meinem Team bewirke“, stellte sie klar.
Mit der Frage, ob Frauen sich mehr anstrengen müssten, um in Führungspositionen zu kommen, räumte Grabbe dann zum guten Schluss auf und gab den Netzwerkerinnnen den Tipp: „Seid keine fleißigen Bienen, die werden niemals Königin.“
