Fotos: © Rheinische Post, Andreas Bretz
Königin Silvia: „Ach wärst du doch in Düsseldorf geblieben“
Noch bevor der erste Gast den Saal betritt, ist klar: Das hier ist kein gewöhnlicher Abend. Düsseldorf hat sich herausgeputzt. Und diesmal nicht nur ein bisschen. Sondern so, als würde gleich jemand kommen, für den man sich besonders schick macht. Rund 400 Gäste aus Wirtschaft, Kultur, Politik und Gesellschaft stehen noch draußen, lachen, begrüßen sich, stoßen an. Und ich mittendrin – mit einer ganz eigenen Erwartung.
An diesem Abend im Düsseldorfer Ständehaus, K21, wird eine Frau gefeiert, die Düsseldorf zwar einst verlassen hat – und dennoch unserer Stadt immer verbunden geblieben ist: Königin Silvia von Schweden.
Für mich bekommt dieser Moment noch eine zweite Ebene. Ich durfte als Reiterin im Rahmen meines Springtrainings bereits Kronprinzessin Victoria von Schweden kennenlernen. Nun also ihre Mutter – zum ersten Mal live. Und plötzlich wird dieser Abend nicht nur festlich, sondern auch persönlich.
v.l.: NRW Ministerpräsident Hendrik Wüst überreichte Königin Silvia von Schweden die Auszeichnung „Düsseldorferin des Jahres“ für ihr Lebenswerk
Für mich bekommt dieser Moment noch eine zweite Ebene. Ich durfte als Reiterin im Rahmen meines Springtrainings bereits Kronprinzessin Victoria von Schweden kennenlernen. Nun also ihre Mutter – zum ersten Mal live. Und plötzlich wird dieser Abend nicht nur festlich, sondern auch persönlich.
Zum 17. Mal zeichnet die Rheinische Post Mediengruppe die „Düsseldorfer des Jahres“ aus. Sieben Persönlichkeiten, sieben Kategorien – und sieben sehr unterschiedliche Geschichten darüber, was diese Stadt ausmacht.
Die „Düsseldorfer des Jahres 2025“ im Ständehaus der Kunstsammlung NRW: Gemeinsam mit ihren Laudatorinnen und Laudatoren.
Ausgezeichnet wurden:
Philipp Heltewig für die Wirtschaft – als einer der prägenden Köpfe hinter dem KI-Unternehmen Cognigy, das Düsseldorf international sichtbar macht und zeigt, dass technologische Innovation und Unternehmergeist längst auch hier entstehen.
v.l. Philipp Heltewig, Gründer Cognigy und Laudator André Christ, SAP LeanIX
Lisa Nolte für den Sport – als Aushängeschild des deutschen Damenhockeys, Bundesliga-Torschützenkönigin und Nationalspielerin, die mit Leistung, Teamgeist und einer ansteckenden Leichtigkeit eine ganze Generation inspiriert.
Lisa Nolte nahm die Auszeichnung nach einer Laudatio von Stadtdirektor Burkhard Hintzsche entgegen.
Anna Schudt für die Kultur – für ihre außergewöhnliche Vielseitigkeit als Schauspielerin, ihre starken Rollen zwischen Bühne und Fernsehen und ihre enge Verbindung zur Düsseldorfer Kulturszene.
Lothar Hörning erhielt den Sonderpreis – für seinen jahrzehntelangen Einsatz für den Düsseldorfer Karneval, den er nicht nur bewahrt, sondern auch geöffnet und moderner gemacht hat.
v.l. Landtagsabgeordnete Angela Erwin (CDU) verlieh als Laudatorin den Sonderpreis an Lothar Hörning, Präsident des Comitee Düsseldorfer Carneval.
Dr. Jochen Reiter für Innovation und Nachhaltigkeit – für seinen Einsatz im Aquazoo, wo Artenschutz, Bildung und konkrete Umweltprojekte zusammenkommen und Nachhaltigkeit nicht abstrakt bleibt, sondern erlebbar wird.
Richard David Precht als Laudator hielt eine ganz besondere Ansprache für Jochen Reiter, Direktor dfes Aquazoos.
Carla Meurer im Ehrenamt – für ihr langjähriges Engagement mit dem Verein MENTOR, durch das Kinder Lesen lernen und damit weit mehr gewinnen als nur eine Fähigkeit: Selbstvertrauen und Perspektiven.
OB Dr. Stephan Keller überreichte Carla Meurer die Auszeichnung Düsseldorferin des Jahres für ihr Engagement im Ehrenamt.
Und Königin Silvia von Schweden für ihr Lebenswerk – für ihr internationales Engagement für Kinderrechte und den Schutz von Kindern vor Gewalt, mit dem sie seit Jahrzehnten weltweit Maßstäbe setzt.
Ihre Königliche Hoheit Silvia von Schweden war sichtlich gerührt.
Was diesen Abend besonders macht, zeigt sich nicht in den Kategorien – sondern in den Geschichten, die plötzlich im Raum stehen. Als Richard David Precht die Laudatio auf Dr. Jochen Reiter hält, wird aus einer klassischen Ehrung etwas völlig anderes. Kein glattgebügelter Lebenslauf, keine Aufzählung von Erfolgen.
Er spricht von Expeditionen in den Dschungel, von Forschung unter extremen Bedingungen, von Giftschlangen – und von einem Mann, der ebenso gut Musiker hätte werden können. Dazu Apnoetaucher, der fünf Minuten die Luft anhalten kann. Ein Leben, das eher wie ein Roman klingt als wie ein Lebenslauf.
Foto: © Alexander Vejnovic
Für uns als ZOO:M ist dieser Abend auch ein Wiedersehen.
Anna Schudt ist für uns keine Unbekannte – wir haben ihr bereits eine Titelstory gewidmet. Und doch zeigt dieser Abend noch einmal eine andere Facette von ihr. Ausgezeichnet wurde sie für ihre Vielseitigkeit und ihre Präsenz in der deutschen Film- und Theaterlandschaft. 2024 begeisterte sie beim Düsseldorf Festival Publikum und Kritik gleichermaßen, 2025 folgten weitere prägende Rollen – unter anderem in Produktionen wie „Die Falle“, „Frier & 50 – Am Ende meiner Tage“, „Die Ältern“ sowie der neuen ZDF-Serie „113“. Es ist diese Mischung aus Tiefe und Wandelbarkeit, die sie auszeichnet. Schwere Rollen, große Themen – und gleichzeitig diese Lust, sich immer wieder neu zu erfinden. Und dann steht sie da an diesem Abend, völlig unprätentiös, fast beiläufig – und genau darin liegt ihre Stärke. Dass sie privat Tarotkarten legt und einfach neue zieht, wenn ihr das Ergebnis nicht gefällt. Dass sie für Freunde Topflappen macht. Ernst und Humor, Bühne und Alltag – bei ihr liegt das alles erstaunlich nah beieinander.
Foto: © Alexander Vejnovic
Auch Dr. Jochen Reiter und den Aquazoo begleiten wir journalistisch seit Jahren. Nicht nur als Institution, sondern als Ort, an dem sich zeigt, wie aus einem klassischen Museum ein lebendiger Raum für Umweltbildung werden kann. Reiters Ansatz geht dabei deutlich über das Ausstellen hinaus. Es geht um konkrete Artenschutzprojekte, um die Zucht bedrohter Arten, um die Wiederherstellung von Lebensräumen – und um die Frage, wie man Besucher so erreicht, dass aus Wissen tatsächlich Verantwortung wird. Programme wie der freiwillige „Artenschutz-Euro“ oder die konsequente Bildungsarbeit machen genau das greifbar. Was dabei auffällt: Hier wird Nachhaltigkeit nicht erzählt, sondern umgesetzt.
Foto: © Jochen Rolfes
Als Königin Silvia von Schweden für ihr Lebenswerk geehrt wird, geht es um mehr als eine persönliche Auszeichnung. Gewürdigt wird ein jahrzehntelanges Engagement, das über repräsentative Aufgaben hinausgeht. Mit der von ihr gegründeten World Childhood Foundation setzt sie sich seit 1999 weltweit für Kinder ein, die Gewalt, Missbrauch oder Vernachlässigung erfahren haben – mit inzwischen über 1.200 Projekten in 19 Ländern. Dann wird aus dieser globalen Perspektive etwas sehr Persönliches. Sie spricht über Düsseldorf Lohausen, über ihre Schulzeit am Luisen-Gymnasium – und dass ihr in den dunklen schwedischen Wintermonaten manchmal ein Lied durch den Kopf geht:
„Ach wärst du doch in Düsseldorf geblieben.“ Vielleicht ist das die schönste Auszeichnung dieses Abends.


