2 Februar 2020

175 Jahre Fotogeschichte im Stadtmuseum Düsseldorf

175 Jahre Fotogeschichte im Stadtmuseum Düsseldorf

Vom 31. Januar bis 5. Juli beleuchtet das Stadtmuseum anhand von rund 200 Fotografien und Videos die Stadtgeschichte

Mit Hilfe der Fotografie kann im Stadtmuseum Düsseldorf vom 31. Januar bis 5. Juli die Historie der Landeshauptstadt erkundet werden. Die Ausstellung “Antlitz der Stadt – 175 Jahre Fotogeschichte im Stadtmuseum Düsseldorf” zeigt in zahlreichen Fotografien und Videos Menschen in den Straßen, Pferde- und Ochsenfuhrwerke, die ersten Straßenbahnen, revolutionären Aufruhr und friedlichen Protest, grandiose Architektur und ihre Ruinen, großbürgerliche Wohnkultur und das Leben der sogenannten “Kleinen Leute”, nicht zuletzt die kulturelle Vielfalt in der Stadt durch Menschen aus aller Welt und vieles mehr. Museumsdirektorin Dr.Susanne Anna sowie der Kurator Dr. Christoph Danelzik-Brüggemann stellten die neue Sonderausstellung am Donnerstag, 30. Januar, vor.

“Fotografie ist das Guckloch in die Vergangenheit. Auch wenn echte Zeitreisen unmöglich sind – beim Betrachten eines alten Fotos wird das Vergangene lebendig”, sagt Dr. Christoph Danelzik-Brüggemann, Leiter der Fotografischen Sammlung des Stadtmuseums. Er eröffnet als betreuender Kurator am heutigen Donnerstagabend, 30. Januar, 19 Uhr zusammen mit dem Kulturdezernenten Hans-Georg Lohe und der Direktorin Dr. Susanne Anna die Sonderausstellung.

In über zweihundert Fotografien und Videos präsentiert die Schau auf besondere Weise ein Stück Stadtgeschichte und bildet dennoch nur einen kleinen Teil der Fotografischen Sammlung des Stadtmuseums ab. Aktuell zählt der Bestand, der das visuelle Gedächtnis der Stadt bewahrt, circa 80.000 Fotografien und Videoarbeiten. Verschiedene Aufnahmen zeigen dabei unter anderem, wie sich das Stadtbild im Laufe der Zeit verändert hat. Zum Beispiel kann man auf dem Bild “Blick in die Schulstraße”, das um 1900 von Peter Hubert Höltgen gemacht wurde, erkennen, dass die Carlstadt nicht immer zu den nobleren Wohngegenden gehörte. Dieser Blick in die Schulstraße zeigt die Bewohnerinnen und Bewohner einfacher Mietshäuser. Ihnen gegenüber liegt am linken Bildrand das vornehme Palais Nesselrode, heute das Hetjens – Deutsches Keramikmuseum.

In der Sammlung des Stadtmuseums spiegelt sich aber auch die Entwicklung der 1839 erfundenen Fotografie selbst. Sie verbreitete sich bis in alle Weltgegenden und erreichte auch den Rhein. Düsseldorf war in den 1840er-Jahren eine dynamische und kulturreiche Stadt. So ist es kein Wunder, dass auch hier fotografiert wurde. Im Stadtmuseum finden sich Beispiele von alten Bildern in beinahe vergessenen Techniken: unter ihnen Salzpapiernegative (das Ur-Negativ/Positivverfahren der Fotogeschichte), Daguerreotypien (das erste kommerziell nutzbare Fotografie-Verfahren, benannt nach dem Erfinder Louis Jacques Mandé Daguerre), Albumin- (das erste Verfahren auf Glas von Desiré Blanquart-Evrard entwickelt, um Schärfe und Brillanz zu erhöhen) und Kollodiumabzüge (Weiterentwicklung von Frederick Scott Archer und Gustave Le Gray 1850/51 für höhere Auflösung, weniger sichtbare Maserung des Papiers, bei dem man in Äther aufgelöste Baumwolle (Kollodium) als Bindemittel benutzt).

In das 1874 gegründete Stadtmuseum gelangten die zahlreichen historischen Fotografien auf unterschiedlichsten Wegen. So lebt die Museumssammlung nicht nur von geplanten, sondern auch von zufälligen Erwerbungen. Dabei richtet sich der Blick auch schon einmal über die Stadtgrenzen hinaus auf die Welt. Viele historische Reisefotos sind so auch Teil der Sammlung: wie die Fotografie “Le dentiste de Yokohama” aus dem späten 19. Jahrhundert. Sie zeigt einen Herren in Kimono mit einer Tasche in der rechten Hand. Über den langen Weg dieses Zahnarztes von Yokohama nach Düsseldorf lässt sich nur spekulieren. War das Foto ein Reiseandenken? Wurde es – der Titel deutet es an – in Europa hergestellt? Zu einzelnen Fotografien sind oder bleiben so auch einige Fragen offen. Umso mehr freut sich das Team des Stadtmuseums sehr über interessierte Bürgerinnen und Bürger, die gegebenenfalls mit ihrem Wissen weiterhelfen und sich zum Beispiel an das eine oder andere Gesicht auf den älteren Bildern erinnern.

Wilhelm Otto, Marktplatz überflutet, 1882 – 1883

Natürlich erwirbt das Museum auch heute noch vielfältige fotografische Arbeiten. Darunter auch welche, die scheinbar zunächst keinen direkten Bezug zu Düsseldorf haben. Sie greifen urbane Themen in internationalen Bezügen auf. Die Fotografien beleuchten verschiedene historische Aspekte, die auch für die Geschichte Düsseldorfs und das Umland von Bedeutung sind. Ein Beispiel hierfür ist die Aufnahme “Panzer und Soldaten auf einer Straße” von Julius Söhn aus dem Jahr 1923. Vermutlich handelt es sich um französische Soldaten während des Ruhrkampfes, einige Jahre nach dem Ende des 1. Weltkriegs. Sie hatten den Rhein-Ruhrraum besetzt, um die Zahlung von Reparationen zu erzwingen und stießen auf Widerstand.

“Panzer und Soldaten auf einer Straße”, 1923
© Stadtmuseum Düsseldorf/Julius Söhn


Ein weiterer Schwerpunkt gilt den Menschen in der Stadt, mit einer großen Porträtsammlung. Natürlich lassen sich auch berühmte Personen der Stadtgeschichte entdecken. Eine besondere Aufnahme aus dem Jahr 1928 mit dem Titel “Karneval mit Johanna Ey” zeigt (von links nach rechts) Robert Pudlich, Johanna Ey, Carl Cürten und Frau von Ikier. Johanna Ey war die erste Galeristin Deutschlands und galt in den 1920er-Jahren als meistportraitierte Frau hierzulande.

Im Stadtmuseum findet man Werke unbekannter Fotografinnen und Fotografen, als auch bekannte Namen wie Dirk Alvermann, Maren Heyne, Gudrun Kemsa, Erika Kiffl, Sebastian Riemer, Tata Ronkholz, August Sander, Horst Schäfer, Berit Schneidereit, Karin Székessy, Thomas Struth und Walter Vogel. Sie alle haben eines gemeinsam: Ihre individuellen Werke halten die Geschichte der Stadt mit all ihren Facetten als visuelles Gedächtnis für die Nachwelt fest und ermöglichen uns, einen Blick zurück in die Vergangenheit zu werfen – auch um die Gegenwart besser verstehen zu können.

“Karneval mit Johanna Ey” (1928): (von links nach rechts) Robert Pudlich, Johanna Ey, Carl Cürten und Frau von Ikier
© Stadtmuseum Düsseldorf

Beitragsbild:

“Blick in die Schulstraße”, um 1900
© Stadtmuseum Düsseldorf/Peter Hubert Höltgen

Bilder:
© Landeshauptstadt Düsseldorf/David Young