14 März 2016

Die Jecken sind los

Die Jecken sind los

 

Im zweiten Anlauf haben die Jecken Glück: Am nachgeholten Rosenmontagszug in Düsseldorf spielt das Wetter mit. Am Zugweg standen die Karnevalisten Spalier, schunkeln und ergattern Kamelle.

IMG_4119

 

Bei strahlendem Sonnenschein und knackig kalten Temperaturen haben die Düsseldorfer Narren am Sonntag ihren Karnevalszug nachgeholt. Pünktlich um 11.30 Uhr setzten sich die Wagen und Fußgruppen in Bewegung, um johlend zu Karnevalsmusik durch die Innenstadt zu ziehen. 10 000 Narren zogen über die fünf Kilometer lange Strecke durch die Innenstadt. Das Motto: „Düsseldorf – scharf wie Mostert”. Rund um den Rathausplatz und am Zugweg standen verkleidete Karnevalsfans Spalier. Die Zahl der Besucher rund um die Straßen der Altstadt war anfangs geringer als an normalen Rosenmontagen. „Es ist anders als sonst“, sagte ein Polizeisprecher. Dann aber füllten sich die Reihen.

IMG_4113

An dem nachgeholten Karnevalszug beteiligten sich auch viele Gruppen, die sonst in anderen Städten feiern – etwa eine Tanzgruppe aus Krefeld. Auch aus Köln kamen viele kostümierte Zaungäste. Eines jedenfalls können die Düsseldorfer Jecken ganz gewiss besser als die Kölner: Die Mottowagen von Jacques Tilly sind bissiger als jene in Köln. Manche der Kreationen hatte der Wagenbauer schon am Rosenmontag vor dem Rathaus präsentiert. Einige zeigt er nun am Sonntag noch einmal. Dazu zählt auch jener, mit dem Tilly versinnbildlichen will, dass die Kurden zwischen der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) und der Türkei aufgerieben werden.

IMG_4112

Auch Donald Trump wurde bedacht

Auf dem Wagen stoßen der türkische Präsident Erdogan und ein IS-Mann an, in ihren Gläsern schwappt Blut. Das türkische Generalkonsulat reagierte im Februar entsetzt und forderte die Verhüllung der Karikatur, was die Düsseldorfer Karnevalisten selbstverständlich ablehnten. Tilly hat den Wagen nun leicht verändert: Die beiden Figuren sind nun schwarz ummantelt, auf einer Tafel steht: „So verhüllt genug, liebes türkisches Generalkonsulat?“ Und auch der Wagen, über den sich die polnische Regierung aufregte, fährt noch mal mit: Zu sehen ist der nationalkonservative Parteichef Kaczynski, der das als Frau dargestellte Polen wie ein Diktator unter seinem Stiefel zu Boden zwingt. Neue Kreationen sind auch zu sehen. Präsidentschaftskandidat Donald Trump zeigt Tilly als „Arsch-Gesicht“. Und auf einem anderen Wagen ist Kanzlerin Merkel zu sehen, die das Kreuz humaner Flüchtlingspolitik schultert, während die CSU hinter ihr fordert: „Kreuzigt sie!!!“